Chianti Classico Weinflaschen in einem Regal | picture alliance / dpa

EU-Gesundheitspläne Warnung vor dem Chianti?

Stand: 10.02.2021 14:45 Uhr

Wein soll nach Plänen der EU künftig mit Warnhinweisen versehen werden - ähnlich wie Tabakwaren. Brüssel stuft Salami als krebserregend ein. Aus Italien kommt massive Kritik.

Von Ilanit Spinner, ARD-Studio Rom

Italien gilt als eines der Länder mit der höchsten Lebenserwartung. Auch in Spanien und Frankreich leben die Menschen im Durchschnitt länger als in vielen anderen Ländern. Laut Wissenschaftlern ist die Lebenserwartung auch von der Ernährung abhängig - und die ist in vielen Mittelmeerländern im Schnitt besser als im Rest der EU. Von der UNESCO wurde die "mediterrane Diät", die auf einer abwechslungsreichen Ernährung aus Obst, Gemüse, Fleisch, Pasta, nativem Olivenöl und dem traditionellen Glas Wein basiert, sogar als immaterielles Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Ilanit Spinner ARD-Studio Rom

Gepökeltes Fleisch unter Verdacht

Doch damit könnte schon bald Schluss sein, zumindest wenn es nach der Europäischen Union geht. Die EU-Kommission hat vergangene Woche ein neues Konzept für die Prävention, Behandlung und Versorgung von Krebs präsentiert. So will die Behörde erreichen, dass bis 2040 nur noch fünf Prozent der Bevölkerung rauchen. Weniger Alkoholkonsum und eine bessere Ernährung sollen zudem helfen, das Krebsrisiko für die EU-Bevölkerung zu senken.

Deshalb sollen Weinflaschen, ähnlich wie Zigaretten, bis spätestens 2023 mit Warnhinweisen versehen werden. Zudem sei geplant, die Förderprogramme für einige Lebensmittel, insbesondere rotes und verarbeitetes Fleisch, zu streichen. Auch die Salami gehört zu den betroffenen Produkten, die von der EU als karzinogen, also krebserregend eingestuft werden. Denn gepökelte, geräucherte und eingesalzene Fleischprodukte steigern laut Experten das Risiko für Darmkrebs. Seither stehen sie auf der höchsten Krebsrisikostufe - genau wie Tabakrauchen.

Betriebe in Gefahr?

Gegenwind für die geplanten Maßnahmen kommt vom italienischen Landwirtschaftsverband Coldiretti. In einem Protestbrief an EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni kritisiert der Verband die Entscheidung der Europäischen Union, einzelne Lebensmittel auf eine "rote Liste" zu setzen.

"'Made in Italy' steht für regionale Lebensmittel, die in Italien hergestellt werden und auf der ganzen Welt beliebt sind", sagt der Präsident von Coldiretti, Ettore Prandini. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben: Wein und Salami. Die Maßnahmen würden auch die Produkte vieler kleinerer und traditionsreicher Hersteller betreffen, warnt Prandini. Ohne finanzielle Unterstützung, um auf dem Markt bekannt zu werden und sich zu halten, liefen diese regionalen Betriebe Gefahr auszusterben, so Prandini weiter.

Die Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Beschäftigten und die Artenvielfalt in den Regionen wären laut Landwirtschaftsverband verheerend. Zudem wurden die betroffenen Wirtschaftszweige im letzten Jahr durch die Corona-Pandemie und der Schließung vieler Restaurants und Gaststätten bereits hart getroffen. Der Landwirtschaftsverband appelliert an die EU, auf Ausgewogenheit statt auf Verbote zu setzen, um die Gesundheit der Bürger zu schützen.

Italien größter Weinproduzent der Welt

Die Schweinehalter in Italien sind Teil einer der wichtigsten Sparten für die Lebensmittelindustrie des Landes. Angesichts des langen Lockdowns kämpfen viele Betriebe schon jetzt um ihre Existenz. In etwa 100.000 Arbeitsplätze wären hier gefährdet.

Zudem ist Italien einer der wichtigsten europäischen Weinproduzenten. Mit durchschnittlich 50 Millionen Hektolitern Wein jährlich und 856.000 Hektar Rebfläche seht das Land seit Jahren an der Spitze als größter Weinhersteller. Mehr als 1,3 Millionen Menschen sind in dem Sektor beschäftigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Februar 2021 um 18:10 Uhr.