Verschiedene Haushaltsgeräte werden zum Verkauf angeboten. | picture alliance / Jürgen Effne

Neues EU-Energielabel Das Ende der A-Plus-Verwirrung

Stand: 27.12.2021 11:50 Uhr

Seit März soll ein neues Energielabel beim Kauf sparsamer Elektrogeräte helfen. Die geänderte EU-Kennzeichnung kommt in Zeiten hoher Energiepreise gut an - auch wenn noch nicht alle Händler umgestellt haben.

Von Jakob Mayr, ARD-Studio Brüssel

Im Frühjahr hat die EU-Kommission das neue Energielabel vorgestellt. Wenn es für das Energiesparen noch einer Begründung bedurfte, dann folgte die in den Monaten danach: Stetig steigende Strompreise zeigen, dass sich die Auswahl sparsamer Elektrogeräte auszahlt. Das neue Energielabel kam zur rechten Zeit, findet deshalb der Mittelstandsexperte der Europa-CDU, Markus Pieper. "Die Energiepreisdebatte ist ein zusätzliches Argument, dass wir für diese Produkte eine Orientierungshilfe bieten können - und da hat die europäische Politik auch was sehr Wertvolles geleistet", sagt er. Ähnlich sieht das die grüne Europaabgeordnete Jutta Paulus. "Hohe Energiepreise sind natürlich immer 'gut' für die Effizienz", sagt sie. "Ich würde mir natürlich wünschen, dass man auch in Zeiten nicht so hoher Energiepreise daran denkt, dass die billigste Energie die ist, die wir gar nicht verbrauchen."

Jakob Mayr ARD-Studio Brüssel

Bisherige A-Plus-Klassen sind weggefallen

Das seit Anfang März geltende Energielabel soll dabei helfen, entsprechend sparsame Geräte leichter zu finden. Es umfasst sieben Stufen: Von dunkelgrün für "besonders energiesparend" bis zu tiefrot für "vergleichsweise wenig energieeffizient". Die drei A-Plus-Klassen (A+ bis A+++) fallen weg, stattdessen reicht die Skala vom grünen A bis zum roten G. A steht für besonders energiesparend, G für weniger sparsam.

Es hat sich also einiges geändert für Verbraucherinnen und Verbraucher, die einen neuen Fernseher, Geschirrspüler, Kühl- oder Gefrierschrank, Wäschetrockner oder eine Waschmaschine kaufen wollen. Seit September gilt das neue Label auch für Leuchtmittel.

Das komme grundsätzlich gut an bei den Bürgerinnen und Bürgern, sagt die Grünen-Politikerin Paulus. "Generell ist die Rückmeldung, dass sie es gut finden, dass nicht mehr die A-Plus-Verwirrung herrscht und dass es Raum nach oben gibt, sprich, dass derzeit gar nichts in der Klasse A ist, dass wir diese zusätzlichen Sternchen auf absehbare Zeit nicht brauchen werden", so Paulus. "Was ich von jüngeren Leuten gehört habe: Klasse, dass da ein QR-Code drauf ist für mehr Informationen." Der steht oben rechts auf dem neuen Etikett und führt zu einer Datenbank, die ausführliche Produktinformationen bereithält.

Verbraucherschützer: Genau hinschauen ist wichtig

Beim neuen Label schafft es zunächst kein Produkt in die oberste Kategorie. Das soll den Druck auf die Hersteller erhöhen, weiter an der Energieeffizienz zu arbeiten. Die bisher besten Geräte sind um bis zu drei Klassen nach unten gerutscht. Dabei sind das alte und das neue System nicht vergleichbar, weil sich die Berechnungsmethoden verändert haben.

Es sei also wichtig, genau hinzuschauen - auch, weil nicht alle Geschäfte und Online-Shops schon umgestellt hätten, sagt Sylvia Maurer vom Europäischen Verbraucherverband. "Wir haben im Moment eine Übergangsphase, wo einige Geräte das neue Label haben und andere noch das alte. Das kann für Verbraucher verwirrend sein, und man muss sich sehr gut informieren vor einer Neuanschaffung", sagt sie. "Offenbar haben nicht alle Händler das Label fristgerecht ausgetauscht. In Onlineshops ist das Label für Verbraucher oft schwerer zu finden oder fehlt."

Was kommt als nächstes?

Das frühere Energielabel ist Opfer des eigenen Erfolges geworden: Weil die Hersteller immer sparsamere Geräte anboten, drängten sich zuletzt die meisten in den oberen Kategorien. Das wurde unübersichtlich. Die Rückkehr zur Skala von A bis G soll das ändern. Aber die Grünen-Politikerin Paulus wünscht sich noch mehr: "Unser Ziel muss es eigentlich sein, das auf möglichst viele Geräte auszudehnen und nicht nur den Energieverbrauch in der Verwendung in den Blick zu nehmen, sondern auch den bei der Herstellung und andere Umweltaspekte, die jetzt schon auf freiwilliger Basis angegeben werden wie beispielsweise der Wasserverbrauch."

Der Christdemokrat Pieper widerspricht: Mittelständische Firmen und Verbraucher hätten sich gerade erst an das neue System gewöhnt. Aus seiner Sicht braucht es deshalb keine schnellen Änderungen. "Das Label ist erst mal gut so, wie es ist. Es ist an anderer Stelle ja auch Gesetzgebung, wo wir auf Reparaturfreundlichkeit von Produkten achten", sagt Pieper. "Wir haben eine Ökodesign-Richtlinie, wo bestimmte Produkte sogar ganz vom Markt genommen werden. Also wir dürfen jetzt auch nicht Wirtschaft und Verbraucher überfordern mit immer neuen Vorstellungen."

Sicher ist: Das neue Label wird auf noch mehr Produktgruppen ausgeweitet. In den kommenden drei Jahren soll es neue Kennzeichnungen auch für Wäschetrockner, Backöfen, Dunstabzugshauben und Staubsauger geben. Bei Heizungen und Boilern wird es länger dauern.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Dezember 2021 um 07:41 Uhr in der Wirtschaft.