Aurubis-Kupferhütte  | picture alliance/dpa

Inflationsrate im Fahrwasser? Erzeugerpreise sinken langsam

Stand: 20.01.2023 13:23 Uhr

Die Erzeugerpreise sind zum dritten Mal in Folge im Vergleich zum Vormonat gesunken. Die Entwicklung macht Experten Hoffnung, dass sich auch die Inflationsdynamik abschwächen könnte.

Die Signale für ein Abflauen der hohen Inflation in Deutschland mehren sich: Die Hersteller senkten ihre Preise im Dezember bereits den dritten Monat in Folge. Die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte sind im Dezember 2022 im Vergleich zum November 2022 um durchschnittlich 0,4 Prozent gesunken, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

"Es sieht immer mehr danach aus, dass der Inflationsgipfel hinter uns liegt", sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. "Die Erzeugerpreise senden weiter das Signal eines abnehmenden Preisdrucks", kommentierte er. Das steigere die Zuversicht, dass auch die Verbraucherpreise bald nachgeben.

Gaspreise sinken

Dennoch bleiben die Erzeugerpreise hierzulande auf hohem Niveau. Im Dezember stiegen sie im Vorjahresvergleich um 21,6 Prozent an, im Gesamtjahr 2022 stiegen sie sogar um 32,9 Prozent. "Das war die höchste gemessene Veränderung im Jahresdurchschnitt seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949", erklärte die Behörde. Im Jahr 2021 waren die Erzeugerpreise im Vergleich zu 2020 um 10,5 Prozent gestiegen.

Hauptverantwortlich waren die stark gestiegenen Energiepreise - eine Folge des Kriegs Russlands gegen die Ukraine. Aber auch ohne Energie erhöhten sich die Herstellerpreise im Jahr 2022 verglichen mit dem Jahr 2021 deutlich um 14 Prozent.

Teurer waren neben Energie vor allem Vorleistungsgüter. Die Energiepreise lagen durchschnittlich 41,9 Prozent über dem Niveau von Ende 2021, wobei sich die Dynamik abschwächte. Sie war im Dezember im Schnitt um 1,0 Prozent günstiger als im Vormonat - "hauptsächlich verursacht durch den Rückgang der Preise für Erdgas in der Verteilung und für Mineralölerzeugnisse", erklärte das Amt.

Kein Grund zur Entwarnung

Der Commerzbank-Fachmann Ralph Solveen sieht dennoch keinen Anlass zur Entwarnung: "Angesichts der anziehenden Lohnzuwächse steht die nächste Kostenwelle bevor." Deshalb dürfte zwar auch die sogenannte Kerninflation - also die um die schwankenden Preise für Lebensmittel und Energie bereinigte Teuerung - im Verlauf dieses Jahres allmählich fallen. "Sie wird aber hartnäckig hoch bleiben und weiter deutlich über dem Ziel der EZB von zwei Prozent liegen."

Auch Jens-Oliver Niklasch von der LBBW betonte: "Die Mehrzahl der Daten zeigt, dass am Ende der Pipeline die Verbraucher mit steigenden Preisen für alle möglichen Güter konfrontiert bleiben." Die Menschen spüren dies beim Heizen oder Tanken, das immer noch deutlich teurer ist als vor einem Jahr.

Erzeugerpreise als Inflationsindikator

Die Produzentenpreise gelten als Vorläufer für die Entwicklung der Lebenshaltungskosten. Erhöhen oder senken die Erzeuger ihre Preise, kommt das in der Regel auch bei den privaten Haushalten an, zumindest teilweise. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt - noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 20. Januar 2023 um 13:03 Uhr.