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Kosten für Verbraucher Wie nun die Gaspreise reagieren

Stand: 23.06.2022 16:10 Uhr

Am europäischen Gasmarkt sind die Großhandelpreise abermals hochgeschossen. Verbrauchern droht der nächste Schock: Versorgern kann es künftig erlaubt werden, gestiegene Kosten im Einkauf direkt an Kunden weiterzureichen.

"Gas ist von nun an ein knappes Gut": Mit diesen Worten begründete Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die nun ausgerufene Alarmstufe zwei des Gas-Notfallplans. Hauptgründe sind die stark gesunkenen Lieferungen aus Russland sowie die hohen Marktpreise. Die deutschen Speicher seien zwar zu rund 58,7 Prozent gefüllt, so Habeck. "Doch sollten die russischen Gaslieferungen über die Nord-Stream-1-Leitung weiterhin auf dem niedrigen Niveau von 40 Prozent verharren, ist ein Speicherstand von 90 Prozent bis Dezember kaum mehr ohne zusätzliche Maßnahmen erreichbar", erklärte das Ministerium.

Deutschland verfügt über die größten Speicherkapazitäten für Erdgas in Mittel- und Westeuropa, verteilt auf 47 Untertagespeicher an 33 Standorten, die von rund 25 Unternehmen betrieben werden. Laut Branchenverband Ines fassen sie Gas mit einem Energiegehalt von insgesamt rund 255 Terawattstunden. Das entspricht etwa einem Viertel des jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland. Liegt der Füllstand der deutschen Speicher aktuell bei knapp 59 Prozent, so waren es vor einem Monat knapp 46 Prozent. Innerhalb dieses Zeitraums ist der Füllstand also im Schnitt um rund 0,4 Punkte pro Tag gestiegen.

Deutlicher Aufschlag

Doch die niedrigeren Lieferungen aus Russland lassen es zumindest zweifelhaft erscheinen, dass sich das Tempo bei der Befüllung der Speicher halten lässt. Am europäischen Referenzmarkt TTF reagierte der Preis für eine Megawattstunde kurzfristig verfügbares Erdgas in der Spitze mit einem Preisaufschlag um acht Prozent auf 138 Euro auf die Ankündigung von Habeck. Das entspricht umgerechnet 13,8 Cent je Kilowattstunde.

Wie sich der Anstieg der Marktpreise konkret bei den Gasverbrauchern auswirken wird, lässt sich pauschal nicht sagen. Allerdings dürfte sich das Heizen in Zukunft insbesondere bei denjenigen Gaskunden besonders stark zusätzlich verteuern, die noch über Verträge mit einer längerfristigen Preisbindungsklausel verfügen, deren Kalkulation auf den Preisen aus der Zeit vor dem Ukraine-Krieg beruhen.

Sollten die Einkaufspreise weiter steigen, sieht die Alarmstufe des Notfallpans auch eine sogenannte Preisanpassungsklausel vor. Sie erlaubt es Energieversorgern, höhere Preise an die Kunden weiterzureichen, um nicht in finanzielle Schieflage zu geraten. Noch ist diese Klausel nicht aktiviert worden - auch um Haushalte und Unternehmen nicht zu überfordern.

Steuern und Abgaben kommen dazu

Welche Preissteigerungen denkbar sind, zeigt ein Blick auf den TTF-Markt. Erdgas mit Liefertermin im kommenden Winter (Dezember 2022) kostete in den Wochen vor Kriegsbeginn rund acht Cent je Kilowattstunde, seitdem ging es um rund sechs Cent nach oben. Erdgas zur Lieferung im kommenden Sommer (Juni 2023) kostet derzeit rund 8,5 Cent je kWh - mit einem Anstieg um 4,5 Cent hat sich der Preis seit Beginn des Jahres also mehr als verdoppelt.

Die Steigerungen sind prozentual sehr hoch, relativen sich aber etwas, wenn man auf die Zusammensetzung des Erdgaspreises für Endkunden schaut. Denn zu den reinen Gaskosten plus der Gewinnmarge des vom Kunden ausgewählten Energieversorgers kommt noch ein ganze Reihe weiterer Aufschläge hinzu. Dazu gehören das sogenannte Netzentgelt, das der Betreiber des Gasnetzes erhält, die Konzessionsabgabe, also eine Gebühr der Kommunen, die Mehrwertsteuer, die Erdgassteuer und der CO2-Preis. Diese Preisbestandteile reagieren überwiegend nicht auf die gestiegenen Großhandelspreise, weil sie wie die Erdgassteuer fix sind.

Um den persönlichen Verbrauch zu ermitteln, hilft die Einheit Kilowattstunde in vielen Fällen nicht weiter. Denn die Erdgaszähler in Gebäuden messen den Erdgasverbrauch in der Einheit Kubikmeter (m3). Ein Kubikmeter entspricht dabei ungefähr 10,5 Kilowattstunden. Der Umrechnungsfaktor unterliegt gewissen Schwankungen - je nach der Qualität und Energiegehalt des vom Versorger eingespeisten Erdgases.