Gasflamme | dpa

Gut gefüllte Speicher Gaspreis fällt auf tiefsten Stand seit Juni

Stand: 17.10.2022 13:49 Uhr

Der Gaspreis notiert heute auf dem niedrigsten Stand seit Ende Juni. Der Fortschritt bei den Ersatzlieferungen für russisches Erdgas wird an den Märkten spürbar. Stark steigen indes die Stromnetz-Gebühren.

Der Preis für europäisches Erdgas hat zu Wochenbeginn weiter nachgegeben - wenn auch auf anhaltend hohem Niveau. Heute Vormittag kostete Gas in dem als richtungsweisend geltenden Terminkontrakt TTF für niederländisches Erdgas im Tief rund 132 Euro je Megawattstunde. Das waren gut fünf Prozent weniger als am Freitag.

Damit lag der TTF-Kontrakt, der als Indikator für das allgemeine Preisniveau am europäischen Erdgasmarkt gilt, auf dem tiefsten Stand seit Ende Juni. Bereits seit einigen Wochen sinkt der TTF-Preis merklich. Zum Vergleich: Ende September lag er noch bei 223 Euro. Im August war der Preis auf ein Rekordhoch von mehr als 300 Euro je Megawattstunde gesprungen.

Gasmarkt entspannt sich ein wenig

Am Gasmarkt hat sich die grundsätzlich angespannte Situation in den vergangenen Wochen etwas gebessert. Hintergrund sind politische Bemühungen, Europa aus der zuvor hohen Abhängigkeit von russischem Erdgas zu lösen. So begann beispielsweise Frankreich am Donnerstag mit Gaslieferungen nach Deutschland. Grundsätzlich ist vereinbart, dass künftig bis zu 100 Gigawattstunden täglich strömen sollen.

Auch ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien ist geplant, dazu kommen Partnerschaften für die Lieferung von verflüssigtem Erdgas (LNG). Zudem plant die Europäische Union (EU) gemeinsame Gas-Einkäufe. Die Erdgasspeicher sind mittlerweile gut gefüllt, sodass die Energierisiken mit Blick auf die Wintermonate etwas verringert wurden. In Deutschland erreichten die Füllstände zuletzt im Schnitt 95 Prozent, was eigentlich erst für den 1. November angepeilt war.

Darüber hinaus gibt es viele Initiativen zur Dämpfung des Erdgasverbrauchs. Hierzulande müsse er um mindestens 20 Prozent sinken, sagte jüngst Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Verbrauchsdaten von Haushalten hätten unlängst deutlich gemacht, dass noch nicht genug eingespart werde.

Gaspreisbremse könnte Familie um mehr als 1000 Euro entlasten

Trotz des aktuellen Rückgangs befinden sich die Gaspreise weiterhin auf einem historisch hohen Niveau - noch im Frühjahr 2021 kostete eine Megawattstunde Gas weniger als 20 Euro. Das macht sich auch in den deutschen Haushalten bemerkbar.

Ein Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden (kWh) zahlt derzeit nach einer aktuellen Analyse des Vergleichsportals Check24 im Schnitt 3726 Euro im Jahr für Gas. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis von 18,6 Cent pro kWh. Im Oktober 2021 kostete die gleiche Menge Gas noch 1365 Euro. Das ist eine Steigerung von 173 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Eine staatliche Gaspreisbremse soll die Kosten für die Verbraucher dämpfen. Laut Check24 würde eine Familie ab März durch eine geplante Deckelung des Preises auf 12 Cent je kWh, wie es die Expertenkommission in der vergangenen Woche vorgeschlagen hatte, um 1056 Euro pro Jahr entlastet werden, ein Single (5000 kWh) um 264 Euro. Die Einmalzahlung im Dezember in Höhe eines Monatsabschlags würde demnach eine Entlastung aller Gaskunden von fünf Milliarden Euro bedeuten.

Stromnetz-Gebühren wegen Schwankungen teurer

Auch der Strompreis an der Börse ist seit dem Allzeithoch Ende August (706 Euro pro MWh) deutlich gesunken. Heute liegt der Börsenstrompreis bei 152 Euro pro Megawattstunde. Aufgrund hoher Gaspreise ist er aber weiter auf Rekordniveau. Der durchschnittliche Strompreis für Verbraucher steigt im Oktober im Vergleich zum Vormonat leicht. Ein Musterhaushalt (5000 kWh) zahlt Check24 zufolge im Schnitt 2187 Euro jährlich für Strom. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis von 43,7 Cent pro kWh. Im Vorjahresmonat waren es noch 1556 Euro.

Dazu kommt noch das Nutzungsentgelt für das Stromnetz. Die Tendenz dieser Gebühren zeigt nach Angaben des Vergleichsportals mit einem Plus von 20 Prozent deutlich nach oben. Ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 5000 kWh Strom zahlte 2022 durchschnittlich 438 Euro für die Netznutzung, im kommenden Jahr werden es voraussichtlich 525 Euro sein. "Das liegt daran, dass es diesen Winter für die Netzbetreiber teurer werden könnte, die Netze stabil zu halten, sollte es zu starken Schwankungen im Stromverbrauch und -erzeugung kommen", sagte Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check24.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Oktober 2022 um 14:55 Uhr.