Der Gasverbrauch wird auf einem Gaszähler eines privaten Haushaltes angezeigt. | dpa

Hohe Energiekosten Abschlagszahlung verdoppelt - was nun?

Stand: 15.09.2022 08:22 Uhr

Die Energiepreise sind explodiert. Oft müssen Haushalte mit verdoppelten oder vervielfachten Abschlagszahlungen klarkommen, wie ein Fall aus Nordrhein-Westfalen zeigt. Was passiert, wenn man nicht bezahlen kann?

Von Philipp Wundersee, WDR

"Ich muss jetzt Geld bezahlen, das ich nicht habe. Ich glaube nicht, dass ich die Gasrechnung im Winter noch zahlen kann", sagt Tomas Langenhof. Der 56-Jährige steht in Köln vor dem Servicebüro des städtischen Energieversorgers RheinEnergie. In seiner Hand hält er das Schreiben, das ihn kalt erwischt hat. In seinem Gesicht kann man ablesen, dass die Energiekrise zu seiner Krise geworden ist. "Im Moment bezahle ich 230 Euro. Ab dem kommenden Monat werden es mehr als 500 Euro sein", sagt Langenhof. "Woher soll ich das nehmen? Das wird mir beim Essen fehlen." Er habe Sorge, dass der Energieversorger ihm das Gas abdreht, falls er im Winter nicht zahlen kann.

Tomas Langenhof ist einer von vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern, die derzeit bei ihren Energieversorgern klären wollen, was die erhöhten Gebühren für sie bedeuten. Und was passiert, wenn sie nicht bezahlen können.

Vermehrte Zahlungsausfälle möglich

Die Stadtwerke in Deutschland stellen sich wegen der Energiekrise auf viele Zahlungsausfälle ihrer Kundinnen und Kunden ein. Dazu hat der WDR die kommunalen Energieversorger in den zwölf größten Städten Nordrhein-Westfalens befragt. Alle halten vermehrte Zahlungsausfälle für möglich oder sogar sehr wahrscheinlich. In Dortmund rechnet man sogar mit bis zu fünfmal so vielen Ausfällen wie bisher.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) warnt Verbraucherinnen und Verbraucher davor, dass es auch im kommenden Jahr noch deutliche Preissteigerungen geben werde. Schon jetzt betrügen diese "häufig zwischen 30 und 60 Prozent", sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. "Auch im kommenden Jahr wird mit Preiserhöhungen zu rechnen sein, da die Stadtwerke langfristig Gas beschaffen."

Millionen Haushalte haben kaum Rücklagen

Es ist ein Problem, das Tomas Langenhof wütend macht. Er hat die 300 Euro Energiepauschale des Staates bereits erhalten. Doch die sei keine echte Hilfe. "Mit dem Geld kann ich einen Monat abfedern, aber nicht den ganzen Winter", sagt Langenhof. "Es ist ja nicht nur der Strom und das Gas, das teurer wird, sondern auch alles im Alltag. Das wird dann für mich schwierig. Rücklagen habe ich keine."

Damit ist er nicht allein. Jeder dritte Haushalt in Deutschland habe kein nennenswertes Erspartes, erklärt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Damit fehle Geld, auf das die Menschen in diesen Krisenzeiten zurückgreifen könnten, um die höheren Kosten für die Energie abzudecken. Langenhof fordert, dass die Politik neben Unternehmen in der Energiekrise auch die Bürger umfassender unterstützen muss. "Viele haben keine Möglichkeit, sich mehrere Tausend Euro als Reserve unter das Kopfkissen zu legen. Die kommen wie ich so gerade über die Runden." Er überlegt, sich noch in dieser Woche Unterstützung durch eine Energieberatung bei der Verbraucherzentrale zu holen.

Verbraucherzentralen beraten in der Krise

Die berichten im Moment von einer verstärkten Nachfrage bei Energie- und Schuldnerberatungen. Nach dem Preisanstieg für Gas und der Ankündigung der Gasumlage sei ein Anstieg der Anfragen von rund 70 Prozent zu verzeichnen, schreiben die Verbraucherzentralen.

Das Problem, mit dem sich auch Tomas Langenhof auseinandersetzen muss: Sofern Verbraucher mit zwei Abschlagszahlungen und mindestens 100 Euro in Verzug sind, kann der Energieversorger das Gas sperren. Hierfür muss er jedoch zunächst eine Sperrandrohung vier Wochen vorher und eine weitere Sperrankündigung acht Tage vorher schicken. Tomas Langenhof hofft, dass es bei ihm im Winter dazu nicht kommen wird.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 14. September 2022 um 22:15 Uhr.