Ein KFZ-Mechaniker wartet in einer Werkstatt einen elektrisch angetriebenen Jaguar I-Pace. | picture alliance/dpa

Allianz-Untersuchung Elektroautos in der Reparatur teurer

Stand: 22.09.2021 15:06 Uhr

Kommt es bei Elektroautos zu Unfällen oder sonstigen Schäden, so kommt das die Besitzer teuer zu stehen: Elektroautos haben laut einer Untersuchung der Allianz im Schnitt deutlich höhere Reparaturkosten als Verbrenner.

Die Anzahl der Elektroautos auf deutschen Straßen steigt rasant. Allein im Juli 2021 wurden in Deutschland über 50 Prozent mehr Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride zugelassen als im Vorjahresmonat. In den ersten sieben Monaten des Jahres nahmen sie fast ein Viertel des Neuwagenmarktes ein.

Bis zu 50 Prozent höhere Kosten

In der Anschaffung sind Elektroautos in der Regel immer noch teurer als vergleichbare Verbrenner. Und auch bei einer Reparatur müssen Elektroauto-Besitzer mehr Geld auf den Tisch legen, wie eine Untersuchung des Allianz Zentrums für Technik (AZT) nun zeigt. Die Unfall- und Sicherheitsforscher haben dafür Schadendaten aus den Jahren 2018 bis 2020 ausgewertet.

Laut AZT liegt in der Vollkasko-Versicherung der durchschnittliche Schadenaufwand bei reinen Elektroautos um zehn Prozent höher, bei Plugin-Hybriden sogar um 50 Prozent. Nach Kollisionen sind die Reparaturkosten reiner Elektroautos im Schnitt um 30 Prozent teurer.

Airbag-Auslösung und Marderbisse können teuer werden

Doch woher rühren diese deutlichen Unterschiede? Vor allem Normen und Herstellervorgaben verteuern der Allianz zufolge die Reparatur von Elektrofahrzeugen. So käme es beispielsweise schnell zu einem wirtschaftlichen Totalschaden, wenn die Vorgaben des Herstellers zwingend vorsehen, dass die Batterie nach Airbag-Auslösung entsorgt werden muss.

Bei einem Marderbiss in ein Hochvolt-Kabel könne dieses nicht repariert, sondern müsse ausgetauscht werden. Ein notwendiger neuer Kabelsatz koste bis zu 7000 Euro. Es geht aber auch anders: Durch die Verwendung von tauschbaren Schutzummantelungen, wie es einige Hersteller praktizieren, ließen sich die Reparaturkosten um bis zu 97 Prozent reduzieren.

Keine höhere Brandgefahr

Eine weitere wichtige Frage ist - nicht nur für Besitzer, sondern auch für Feuerwehr, Polizei und Helfer bei Unfällen -, ob Elektroautos brandgefährlicher sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

In Deutschland werden der Allianz zufolge jährlich circa 15.000 Pkw-Brände gemeldet. Der Anteil der Elektrofahrzeuge daran liege weit unter einem Prozent. "In unserer Untersuchung sehen wir weiterhin keine höhere Brandwahrscheinlichkeit bei Elektrofahrzeugen im Vergleich zu konventionellen Benzinern oder Dieselfahrzeugen", betont Carsten Reinkemeyer, Leiter Sicherheitsforschung im AZT.

Auch nach Angaben des Autoindustrieverbands VDA ist das Brandrisiko bei E-Autos nicht höher als bei einem Verbrenner - allerdings dauert laut VDA das Löschen länger, und der Löschmittelbedarf ist in der Regel höher.