Auf der Einkaufsstraße und Fußgängerzone Ossenreyer Straße sind zahlreiche Passanten unterwegs. (Archivbild: 14.05.2021) | picture alliance/dpa

Einzelhandel vor Weihnachten Manche haben schon fast alle Geschenke

Stand: 08.11.2021 19:11 Uhr

Die anhaltenden Lieferprobleme im Handel haben viele Verbraucher vor Weihnachten alarmiert. Experten empfehlen in diesem Jahr frühzeitige Käufe - vor allem von bestimmten Geschenken.

Von Philipp Wundersee, WDR

Vier bunte Einkaufstüten trägt Sylvia Conzen in der rechten Hand und ist sichtlich zufrieden. "Dieses Jahr bin ich schon fast durch mit den Geschenken zu Weihnachten", sagt die Apothekerin aus Köln. "Ich hatte Sorge, dass Bestellungen über das Internet nicht ankommen würden oder die Läden wieder dicht machen." Also habe sie sich in den vergangenen Tagen mehrmals in die Kölner Innenstadt aufgemacht und die Geschenke für Freunde und Familie im Einzelhandel gekauft. "Es macht dieses Jahr richtig Spaß, einkaufen zu gehen und für Weihnachten zu shoppen. Corona hat da bei mir irgendwie für ein Bedürfnis gesorgt, wieder durch die Läden zu ziehen."

Philipp Wundersee

Die deutschen Einzelhändler erwarten für das Weihnachtsgeschäft ein ähnliches Verhalten bei anderen Kundinnen und Kunden. Sie rechnen mit einem Umsatzwachstum von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Die letzten beiden Monate sind nach den Corona-Lockdowns im ersten Halbjahr für viele Händler wichtiger als je zuvor", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Traditionell machen klassische Geschenke-Branchen wie der Spielwarenhandel mehr als ein Fünftel ihres Jahresumsatzes in November und Dezember."

Jedes zehnte Geschenk ein Ticket

Sylvia Conzen hat in Köln Bücher und Klamotten zum Verschenken gekauft, Gutscheine verschenke sie nur ungern. Das beliebteste Geschenke, das unter dem Baum landen wird, ist laut HDE allerdings der Gutschein - gefolgt von Büchern und Spielwaren. Jedes zehnte Geschenk soll ein Ticket sein für Konzerte oder Kultur, ergab die Umfrage des Verbands zum Weihnachtsgeschäft.

Fast jeder zweite Händler rechnet laut HDE mit Umsatzsteigerungen im Vergleich zum Vorjahr. "Die hohen Sparguthaben und die gute Verbraucherstimmung stellen die Weichen für einen versöhnlichen Jahresausklang nach einem für viele Händler mit den Lockdowns existenzbedrohenden ersten Halbjahr", sagt Stefan Genth.

Engpässe nicht nur bei Spielkonsolen

Im Durchschnitt planen die Kunden laut Handelsverband Deutschland zu Weihnachten Geschenkausgaben in Höhe von 273 Euro. Der Online-Handel wachse besonders stark, rechnet der HDE vor und erwartet hier für die letzten beiden Monate im Jahr eine Umsatzsteigerung. Besonders beliebte Produkte wie zum Beispiel Spielekonsolen, Outdoor-Kleidung oder Fahrräder sollten laut Verbraucherzentralen wegen der Chipkrise und Lieferengpässen besser frühzeitig gekauft werden.

"Verbraucherinnen und Verbraucher sollten bereits frühzeitig Geschenke besorgen, wenn man sich jetzt schon sicher ist, was man schenken möchten", sagt Iwona Husemann von der Vebraucherzentrale NRW. "Es empfiehlt sich auch, Preise im stationären Handel zu vergleichen, da hier bereits sehr rechtzeitig Ware eingekauft wird und die Waren nicht so starken Preisschwankungen unterliegen."

Blick auf Pandemie-Verkauf

Jonas Malinkrodt schlendert mit einem Freund durch die Kölner Innenstadt - beide ohne Einkaufstasche. "Ich bestelle meine Geschenke immer online auf den letzten Drücker", sagt der Kölner Student. "Ich hoffe, dass ich auch dieses Jahr damit gut fahre und die Händler auch noch Ende Dezember coole Geschenke liefern."

Der HDE warnt vor einem Lockdown mit erneuten Zwangsschließungen von Geschäften. "Das kann sich keiner mehr erlauben", sagt Stefan Genth. "Die Auswirkungen wären gravierend." Sicheres Einkaufen in der Pandemie sei auch zu Weihnachten möglich. Die meisten deutschen Einzelhändler blicken indes optimistisch auf das Weihnachtsgeschäft, wenngleich sie auch Risiken für den Jahresendspurt sehen. "Alles hängt vom weiteren Verlauf der Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen ab", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Genth.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. November 2021 um 11:00 Uhr.