Werbebanner für die Umweltprämie für E-Autos bei einem Autohändler | picture alliance / Winfried Roth

Kürzung der E-Auto-Prämie Wer noch auf den Umweltbonus hoffen kann

Stand: 29.07.2022 08:18 Uhr

Käufer von Elektroautos erhalten ab 2023 eine geringere Förderung. Problem bei den derzeit langen Lieferzeiten: Wenn sich der Topf zwischenzeitlich leert, bekommen sie gar nichts.

Von Till Bücker, tagesschau.de

Seit Jahren wächst die Zahl an Elektroautos auf deutschen Straßen. Auch die staatlichen Subventionen haben dazu einen großen Teil beigetragen. Ab kommenden Jahr wird die Höhe der Prämien jedoch reduziert - und mit ihr auch der Fördertopf. Ist dieser leer, soll es keine finanzielle Unterstützung mehr geben. Was bedeutet das für potenzielle Käufer?

Till Bücker

Nachfrage nach E-Autos steigt

Immer mehr Menschen kaufen sich hierzulande ein E-Auto. Zwischen Mai 2021 und Mai 2022 wurden laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) im Schnitt 57.000 Fahrzeuge pro Monat neu zugelassen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2019 waren es gerade einmal rund 6000 mehr. Im vergangenen Jahr hat sich der Absatz beinahe verdoppelt. Einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group zufolge könnte die Kurve bald sogar noch steiler werden.

Bereits 2025 könnten demnach knapp 40 Prozent aller verkauften Autos rein batteriebetrieben sein, 2030 sogar zwei Drittel. Im ersten Halbjahr 2022 waren es nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) 13,5 Prozent. Mit 167.263 kamen immerhin 12,5 Prozent mehr batterieelektrische Autos auf die Straße als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auch wenn es im Juni ein kleines Minus gegenüber dem Juni 2021 gab - die Nachfrage bleibt weiterhin hoch.

E-Auto-Prämie kompensiert hohe Anschaffungskosten

"Zu dem Hochlauf tragen verschiedene Faktoren bei: Zum einen ist die Modellvielfalt sehr viel höher, sodass fast jeder Bedarf gedeckt werden kann - vom Kleinwagen bis zum SUV", erklärt ADAC-Sprecherin Katrin van Randenborgh im Gespräch mit tagesschau.de. Zum anderen seien die Unsicherheiten gegenüber der Elektromobilität gesunken und die E-Autos alltagsfreundlicher geworden. "Die größte Sorge der Verbraucher war lange, mit dem E-Auto auf der Strecke plötzlich liegenzubleiben", so die Expertin. In den vergangenen fünf Jahren hätten sich die Reichweiten der Fahrzeuge jedoch verdoppelt, und auch bei der Ladeinfrastruktur habe es Fortschritte gegeben.

Ein großer Pluspunkt sei zudem die Subvention von Elektroautos gewesen. "Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Käufer sich auch deshalb für ein E-Fahrzeug entschieden hat, weil es die hohe Förderung gab", betont van Randenborgh. E-Autos seien in der Anschaffung vergleichsweise teuer. Die Prämien hätten einen großen Teil kompensieren können.

Die deutsche E-Auto-Förderung umfasst den 2016 eingeführten Umweltbonus, der sich aus einem staatlichen Anteil und einem Herstelleranteil zusammensetzt, sowie die Innovationsprämie. Diese wurde 2020 ergänzt und verdoppelt den staatlichen Anteil noch einmal. Somit erhielten Käufer eines batteriebetriebenen Wagens abhängig vom Listenpreis des Modells bislang bis zu 9000 Euro, Besitzer von Plug-in-Hybriden bis zu 6750 Euro.

Förderung sinkt und wird gedeckelt

Nun werden die Subventionen aber gekürzt, wie das Bundeskabinett am Mittwoch offiziell beschloss. Ab 2023 soll laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) die Förderung für Autos, die weniger als 40.000 Euro kosten, von derzeit 6000 auf 4500 Euro sinken. Für Autos, die einen Nettolistenpreis von 40.000 Euro bis 65.000 Euro haben, soll es künftig nur noch 3000 Euro statt bisher 5000 Euro geben. Die Fördersätze beziehen sich jeweils auf den Bundesanteil, bestehend aus Umwelt- und Innovationsprämie. Die Hersteller werden auch weiterhin einen zusätzlichen Anteil übernehmen; allerdings steht noch nicht fest, wie hoch dieser sein wird.

Vom 1. Januar 2024 an sollen die staatlichen Kaufprämien schließlich weiter reduziert werden, auf dann 3000 Euro - allerdings lediglich noch für Autos, die maximal 45.000 Euro kosten. Für teurere Fahrzeuge gibt es dann keine staatliche Prämie mehr. Des Weiteren ist ein Förderdeckel geplant. Für die kommenden zwei Jahre stehen insgesamt 3,4 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) zur Verfügung. Für 2023 sind 2,1 Milliarden eingeplant, für das Folgejahr 1,3 Milliarden. Ist das Geld weg, endet auch die Förderung.

Inwiefern die Kürzungen Einfluss auf die Nachfrage nach E-Autos nehmen, bleibt abzuwarten. "Die gute Nachricht für Verbraucher und die Verkehrswende ist natürlich erstmal, dass die Förderung fortgesetzt wird", sagt ADAC-Sprecherin van Randenborgh. Bis zuletzt hatte auch eine Abschaffung im Raum gestanden. Finanzminister Christian Lindner (FDP) wollte die Kaufprämie komplett streichen. Das ist nun erst einmal vom Tisch.

Planung für Käufer wegen langer Lieferzeiten schwierig

Und dennoch: "Je geringer die Förderung ist, umso größer wird das Problem hoher Anschaffungskosten wieder. Einer der Anreize, ein E-Auto zu kaufen, fällt ein Stück weit weg", so van Randenborgh. Ein weiterer Störungsfaktor für den Markthochlauf sei die Unsicherheit, welche Fördersumme potenzielle Käufer tatsächlich erwarten können. "Bei den aktuell hohen Lieferzeiten von E-Autos können Verbraucher nur schwer planen." Besonders für diejenigen, die noch den hohen Zuschuss von bis zu 9000 Euro einkalkuliert hatten, mache die neue Regelung einen riesigen Unterschied.

Tatsächlich kann die Berechenbarkeit für Verbraucher zum Problem werden. Denn die Förderung bekommen Käufer von Elektroautos nicht beim Abschluss des Kaufvertrags, sondern erst bei der Zulassung des Fahrzeugs. Der Zeitraum dazwischen kann lang sein. Die überraschend hohe Nachfrage, brüchige Lieferketten infolge des Ukraine-Kriegs und der anhaltende Chipmangel erfordern bei der Auslieferung derzeit Geduld - vor allem bei beliebten Modellen.

Mit 7587 Neuzulassungen lag das Hyundai-Elektromodell Kona 2021 auf Platz drei der am häufigsten verkauften E-Autos. Auf den koreanischen Wagen müssen Interessenten derzeit jedoch lange warten. So schreibt Hyundai gegenüber tagesschau.de: "Bei individuellen Neubestellungen beträgt die Lieferzeit für den Hyundai KONA Elektro ab sechs Monate." Eine genaue Prognose, wie es weitergeht, sei schwierig.

Ladesaeule fuer Elektroautos an einem Autohof | picture alliance / SvenSimon
So funktioniert der Förderantrag beim E-Auto

Den Antrag auf Förderung eines Elektroautos müssen Verbraucher künftig weiterhin online auf der Website des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) stellen. Zuvor muss das Fahrzeug allerdings gekauft oder geleast sowie zugelassen sein. Ab der Zulassung haben Interessierte dafür ein Jahr Zeit. Auf der BAFA-Website steht detailliert, welche Autos gefördert werden und welche Unterlagen elektronisch eingereicht werden müssen - etwa die Rechnung.

Anschließend müssen die Nutzer im Portal nur noch die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) eingeben und dem Datenaustausch zwischen dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) und dem BAFA zustimmen. Weitere Daten wie Hersteller, Modell und Halterhistorie werden anschließend beim KBA abgerufen. Dazu kommt abschließend noch eine "Erklärung der wahrheitsgemäßen Angaben", die ausgedruckt, unterschrieben und hochgeladen werden muss werden. Hat alles geklappt, kommt eine Bestätigungsmail mit Zugangsnummer und Link zum Antrag.

Um sich vor einem Subventionsbetrug zu schützen, empfiehlt der ADAC, sich vor dem Kauf eines E-Autos eine Musterrechnung zuschicken zu lassen und die konkrete Förderfähigkeit vorab zu prüfen. Einige Händler würden E-Fahrzeuge demnach überteuert anbieten, unzulässige Verträge nutzen und sich damit die Prämie des Bundes erschleichen.

ADAC fordert Bestandsschutz

Damit ist Hyundai nicht allein. Laut einer Auswertung des Vergleichsportals Carwow liegen die E-Auto-Lieferzeiten zwischen zwei und 20 Monaten. Für das mit 11.278 Neuzulassungen im vergangenen Jahr populärste Modell der Deutschen, der Fiat 500 Elektro, gibt es sogar einen Bestellstopp. Die Lieferzeit für Teslas Model 3, auf Platz zwei der Beliebtheitsskala, beträgt Carwow zufolge sechs bis neun Monate. Auf die ID.-Modelle von VW müssen Käufer mindestens ein Jahr warten.

Der ADAC plädiert daher für eine Reservierung der Fördersumme. "Wir fordern, dass es für diejenigen, die jetzt schon ein Fahrzeug bestellt haben und mit der hohen Prämie rechnen konnten, einen Bestandsschutz gibt", meint van Randenborgh. Außerdem solle in Zukunft die volle Summe schon zum Zeitpunkt der Bestellung bewilligt werden. Die Auszahlung könne dann bei der Zulassung erfolgen, um Missbrauch zu verhindern. "Sobald man da Klarheit schafft, besteht eine gute Chance, dass weiterhin Elektrofahrzeuge nachgefragt werden."

Wann ein Antrag im Rahmen der neuen Modalitäten genehmigt wird, scheint noch offen. Medienberichten zufolge ist aber aus Koalitionskreisen zu hören, dass der Zeitpunkt bei der Übergabe des Autos beibehalten werden soll. So schreibt es auch das BMWK in der Pressemitteilung: "Maßgeblich für die Förderung soll auch zukünftig das Datum des Förderantrags bleiben, der die Fahrzeugzulassung voraussetzt." Für die Verbraucher stellt sich neben der Höhe der Summe also die Frage, ob das Geld überhaupt generell ausreicht - oder ob Antragsteller leer ausgehen, wenn der Topf alle ist.

Fördermittel für 2023 reichen offenbar aus - vorerst

ADAC-Expertin van Randenborgh gibt vorsichtig Entwarnung: "Wir rechnen damit, dass mit den 2,1 Milliarden Euro grob überschlagen 460.000 Fahrzeuge gefördert werden können." 2021 wurden rund 356.000 E-Autos neu zugelassen. Das heißt, für das kommende Jahr sollten die Haushaltsmittel für die Umweltbonus-Anträge vermutlich ausreichen. "2023 sollte jeder, der ein E-Auto zulassen kann, die Förderung noch bekommen."

Hinsichtlich der positiven Entwicklung der Absatzzahlen und der weiter sinkenden Fördersumme könnte es 2024 allerdings eng aussehen. In Koalitionskreisen wurde darauf verwiesen, dass ab 2023 keine Plug-in-Hybridfahrzeuge mehr gefördert und diese Gelder daher eingespart werden. Laut dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wurden mit Stand 1. Juli 2022 bisher für den Umweltbonus insgesamt mehr als 1,3 Millionen Anträge gestellt - davon für reine Elektrofahrzeuge rund 741.000 und für Plug-in-Hybride rund 576.000. Die Finanzmittel für 2022 betragen fünf Milliarden Euro.

Dass potenzielle Käufer noch mit der nur noch in diesem Jahr geltenden erhöhten Förderung rechnen können, hält van Randenborgh dagegen für unwahrscheinlich. "Dann müsste man sich auf dem Markt sehr genau umschauen und nehmen, was verfügbar ist. Sowohl das Modell als auch die Farbe oder Größe sollten dabei egal sein." Wenn stattdessen ein Wagen neu konfiguriert oder bestellt wird, könne der Verbraucher die vollen 9000 Euro wohl vergessen.