Eine Hand hält einen negativen Corona-Schnelltest | dpa

Verkaufsstart der Sets Die Corona-Selbsttests kommen

Stand: 04.03.2021 08:56 Uhr

Ab Samstag sollen die ersten Corona-Selbsttests für zuhause beim Discounter erhältlich sein, ab kommender Woche auch in Apotheken und Drogeriemärkten. Welche Tests werden angeboten - und was kosten sie?

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Seit Wochen wird darüber diskutiert, nun kommen tatsächlich die ersten Covid-19-Sets auf den Markt, mit denen sich jeder durch einen Abstrich in der Nase selbst auf Corona testen kann. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat inzwischen sechs Schnelltests zugelassen, die nun in Kürze gekauft werden können - beim Discounter, in Drogerien und Apotheken.

Als erster prescht der Discounter Aldi vor. Er kündigte an, ab dem 6. März Corona-Schnelltests als Aktionsartikel anzubieten. Die Packung mit fünf enthaltenen Tests soll 24,99 Euro kosten, also knapp fünf Euro pro Stück. Die Abgabemenge ist zunächst auf eine Packung pro Kunde begrenzt.

dm und Müller Drogerie starten nächste Woche

Voraussichtlich von kommender Woche an starten erste Drogeriemärkte mit dem Vertrieb der Nasenabstrich-Sets. Sowohl die Drogeriekette Müller als auch dm wollen ab dem 9. März Corona-Schnelltests zur Selbstanwendung anbieten. "Wir rechnen mit einer Verfügbarkeit für unsere Kunden frühestens ab dem 9. März, sofern die Lieferzusagen des Herstellers eingehalten werden können", erklärte der zuständige Geschäftsführer von dm, Sebastian Bayer. dm will zudem sogar eigene Schnelltestzentren ab Mitte März aufbauen.

Auch in den 571 Filialen der Drogeriegruppe Müller soll es in der nächsten Woche nasale Corona-Schnelltests geben. Die Produkte sind ebenfalls online verfügbar. Eine Woche später folgt dann Rossmann. Voraussichtlich ab dem 17. März stellt die Drogeriekette Schnelltests in die Regale. Wegen der anfangs erwarteten hohen Nachfrage wird die Abgabemenge pro Haushalt zunächst auf vier Stück begrenzt, teilte Rossmann mit.

Lieferverzögerungen wegen Abhängigkeit von China?

Ob beim Verkaufsstart in den Drogerien alles nach Plan funktioniert, ist aber noch etwas ungewiss. Rossmann und dm warnen vor möglichen Lieferverzögerungen, da sie die Schnelltests der Marke Boson Biotech einsetzen. Diese werden in China hergestellt. Und dort standen wegen des chinesischen Neujahrsfests gerade zwei Wochen die Produktionsbänder still.

Einfacher dürfte es vorerst wohl sein, in Apotheken den Corona-Schnelltest für zu Hause zu holen. Gegenüber tagesschau.de bestätigten mehrere Hersteller wie Siemens Healthineers und Roche, zunächst ausschließlich die Apotheken mit den Nasen-Abstrichen zu beliefern. Nach Krankenhäusern und Schulen "werden wir ab der zweiten März-Hälfte voraussichtlich auch weitere Vertriebskanäle hin zum Endverbraucher bedienen - zunächst Apotheken", erklärte ein Sprecher von Siemens Healthineers. Von Roche heißt es: "Wir liefern die Tests diese Woche an den pharmazeutischen Großhandel und rechnen damit, dass bereits nächste Woche die ersten nasalen Antigen-Schnelltests für Laien in Apotheken erhältlich sind."

Covid-Schnelltest von Roche

Sollen ab kommender Woche erhältlich sein: Die Covid-Schnelltest von Roche.

Millionen Tests an Apotheken schon ausgeliefert

In einzelnen Apotheken wird bereits der vom Unternehmen Viromed vertriebene Schnelltest verkauft. Die Hamburger haben nach eigenen Angaben sechs bis acht Millionen Test-Kits an Apotheken ausgeliefert. "Wir waren die Schnellsten", sagt Geschäftsführer Uwe Perbandt gegenüber tagesschau.de. Online sind die Tests ebenfalls bestellbar. Im Online-Shop kostet eine Packung mit 25 Stück 247,50 Euro. Das heißt: 9,90 Euro pro Stück. Die aktuelle Lieferzeit beträgt allerdings sieben Tage.

Kopfzerbrechen bereiten Perbandt nicht die Lieferketten oder die Logistik, sondern die Behörden. Obwohl der Nasen-Schnelltest bereits im Januar zugelassen war, verlangte das BfArM eine erneute Studie. Da der Test im Januar für Laien nur mit Aufklärungs-Video bestimmt war und ab März nun für alle ohne Schulung gelte, sei eine erneute Zulassung erforderlich gewesen. Zudem musste Viromed für die Sonderzulassung bei der BfArM die für den vorher zugelassenen Schnelltest erforderliche CE-Kennzeichnung entfernen und die Verpackungen neu drucken. Die doppelte Zulassung mit erneutem Studiennachweis habe das Testkit für Laien unnötig verteuert und verzögert, klagt Perbandt.

Neben Viromed will auch die österreichische Technomed die Apotheken mit Millionen Laientests beliefern. Die Firma aus Graz vertreibt die vom chinesischen Unternehmen Boson Biotech hergestellten Antigen-Schnelltests, die in der zweiten März-Woche auch in den Drogeriemärkten von dm und Rossmann erhältlich sein sollen. Laut Technomed-Chef Moritz Bubick kann das Grazer Unternehmen pro Woche zehn Millionen Tests anbieten.

Die meisten Supermärkte warten noch ab

Bis Corona-Schnelltestkits flächendeckend in die Supermärkte kommen, dürfte es aber noch eine Weile dauern. Gegenüber tagesschau.de konnte außer Aldi keiner der großen Einzelhändler einen konkreten Termin für den Verkaufsstart nennen. Aldi-Konkurrent Lidl prüft derzeit eine entsprechende Sortimentserweiterung.

Auch bei der Rewe-Gruppe (Rewe, Penny und Toom Baumarkt) gibt man sich bedeckt. Ein Sprecher erklärte, der Einzelhändler beobachte hinsichtlich der Zulassungen und der faktischen Verfügbarkeit von Selbsttest die Entwicklung und prüfe ein entsprechendes Angebot. Edeka macht ebenfalls den Verkauf von der Verfügbarkeit der Testkits abhängig.

Preise bleiben gut gehütetes Geheimnis

Ähnlich ungewiss sind die Preise der Selbsttests für zu Hause im Einzelhandel. Die großen Anbieter wie Roche und Siemens Healthineers wollen nicht sagen, wie viel ihre Antigen-Schnelltests kosten werden. Einzig bei Viromed und Technomed sind die Preise bekannt, da sie ihre Kits über das Internet verkaufen. Lukrativ sei das Geschäft ohnehin nicht, sagt Viromed-Chef Perbandt. "Mit Schnelltests für Laien wird kein Geld verdient."

Die Drogerieketten dm und Müller versprechen, die Tests so günstig wie möglich anzubieten. Der Discounter Kodi gibt sogar an, man werde die Schnelltets zum Selbstkostenpreis abgeben.

Covid Schnelltest von Siemens Healthineers

Zunächst nur in der Apotheke zu bekommen: Der Covid-Schnelltest von Siemens Healthineers.

Von der Nachfrage und den Preisen macht es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) abhängig, ob und wie viel der Bund subventioniert. "Für mich macht es einen Unterschied, ob ein Test zwei Euro oder zehn Euro kostet", sagte er. Entsprechend müsse man auch die Frage nach der Bezuschussung besprechen, und ob die Tests auch für jedermann kostenfrei sein sollten. "Kostenlos ist nichts - einer zahlt immer."

Vorbild Österreich?

Ein Vorbild könnte Österreich sein. Dort werden schon seit Januar Corona-Selbsttest-Kits frei verkauft - für bis zu 15 Euro. Seit Anfang März gibt es nun pro Person fünf kostenlose Antigentests zur Eigenanwendung pro Monat. Diese können über alle Apotheken bezogen werden. Die Rechnung zahlt der Staat.

Für mehr Preiswettbewerb in Deutschland könnten in den nächsten Wochen weitere Hersteller sorgen, die die Schnellzulassung durch das BfArM erhalten. Gut 50 Anträge wurden gestellt. Bisher wurden erst sechs Präparate zugelassen.

Dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) dauert das alles zu lange. Er hat zur Wiedereröffnung der Friseurläden am 1. März 20.000 Antigen-Schnelltests zur Verfügung gestellt. Die Stadt übernimmt die Kosten von fünf Euro pro Stück. "Drei Wochen lang habe ich aus Berlin nur gehört, dass die Schnelltests noch nicht zugelassen sind", so Palmer dazu. "Ja, dann sperrt mich doch ein. Ich warte doch nicht auf eine Erlaubnis zum Nasebohren."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. März 2021 um 09:00 Uhr.