Hochspannungsleitungen im Schein der untergehenden Sonne | dpa

Steigende Strompreise Verbrauchern droht weiterer Aufschlag

Stand: 24.09.2021 05:35 Uhr

Die Strompreise in Deutschland könnten schon bald nochmals kräftig anziehen - sehr zum Ärger von Verbrauchern und Industrie. Viele sehen die Bundesregierung in der Verantwortung, den Höhenflug zu stoppen.

Die Haushalte in Deutschland müssen sich auf weiter steigende Strompreise einstellen. "Die Beschaffungskosten, die die Energieversorger für Strom zahlen müssen, sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen", sagte die Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, der Nachrichtenagentur dpa.

Bei langfristigen Lieferungen hätten sich die Großhandelspreise seit Jahresbeginn verdoppelt, kurzfristig gekaufter Strom sei sogar drei Mal so teuer geworden. Mit Verzögerung schlagen die gestiegenen Beschaffungskosten auf den Endkundenpreis beim Verbraucher durch. 

Umlagen als Treiber?

Auch der Preis für CO2-Zertifikate habe sich in den vergangenen 24 Monaten mehr als verdoppelt. Zudem beeinflussten die hohen Preise im Gas-Großhandel auch den Strompreis, da sich die Erzeugung in Gaskraftwerken verteuere. "Diese Effekte können derzeit durch die sinkenden Kosten der Erneuerbaren Energien nicht kompensiert werden", sagte Andreae.

Hauptpreistreiber ist laut Branchenverband BDEW aber nicht die teurer gewordene Erzeugung. "Von 100 Euro Stromrechnung sind mehr als 50 Euro staatlich verursacht", sagte Andreae. Zwischen 2010 und 2020 sei die Belastung für Stromkunden durch Steuern, Abgaben und Umlagen um rund 70 Prozent gestiegen. "Das ist nicht nur eine enorme Belastung für die Verbraucher, sondern behindert auch die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes und hemmt umweltfreundliche strombasierte Anwendungen wie die Elektromobilität oder Wasserstoff."

Womöglich 63 Euro Mehrkosten im Jahr

Schon jetzt ist der Preis für Haushaltsstrom nach Angaben des Vergleichsportals Verivox auf ein Rekordhoch geklettert. Aktuell koste eine Kilowattstunde Strom durchschnittlich 30,54 Cent - so viel wie noch nie zuvor. Vor einem Jahr lagen die Kosten noch bei 28,65 Cent. In den vergangenen 12 Monaten habe sich Strom damit um 6,6 Prozent verteuert. Laut einer Umfrage für Verivox fordern drei Viertel der Deutschen von der nächsten Bundesregierung schärfere Maßnahmen gegen den Preisanstieg. Dafür würde jeder Dritte (31 Prozent) sogar an der Atomkraft festhalten - das seien 11 Prozentpunkte mehr als noch vor drei Jahren.

Das Portal Check24 berichtet, acht Grundversorger hätten bereits die Strompreise erhöht oder Erhöhungen angekündigt. Im Durchschnitt betrügen die Preiserhöhungen 3,7 Prozent. Für einen Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden bedeute das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 63 Euro pro Jahr.

Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie, sagte, der aktuelle Höhenflug der Strompreise schade der Industrie massiv. Die nächste Bundesregierung müsse als eine ihrer ersten Aufgaben die hohen Strompreise angehen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. September 2021 um 08:11 Uhr.