Smart Home Anwendung zur Steuerung der Heizung | picture alliance / Jochen Tack

Kriegsfolgen Deutsche sparen Energie

Stand: 25.04.2022 14:12 Uhr

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs versucht laut einer Umfrage jeder zweite deutsche Haushalt, Energie zu sparen. Denn die Energiepreise sind auf einem Rekordhoch.

Die Hälfte der Deutschen schaut wegen des Ukraine-Kriegs stärker auf ihren Energieverbrauch. Das geht aus einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom hervor. Danach sagten 48 Prozent der Befragten, sie gingen bewusster mit Energie um - etwa indem sie weniger Strom verbrauchen, weniger heizen oder auf Ökostrom umgestiegen sind. "Durch den Krieg in der Ukraine sind viele Menschen zusätzlich motiviert, Energie einzusparen", erklärte Bitkom-Präsidiumsmitglied Matthias Hartmann.

Vor allem die hohen Preise dürften ein Antrieb für den bewussteren Energieverbrauch sein, denn sie sind auf Rekordniveau: Im März dieses Jahres kostete eine Megawattstunde an der Leipziger Strombörse EEX laut dem Vergleichsportal CHECK24 durchschnittlich 283 Euro. Zum Vergleich: im Februar lag der Preis für eine Megawattstunde noch bei rund 123 Euro. Das ist ein Plus von 130 Prozent. "Die hohen Energiepreise im Großhandel werden erst mit etwas Verzögerung vollumfänglich bei privaten Strom- und Gaskunden ankommen", sagt Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei CHECK24.

Ähnlich ist die Lage bei den Gaspreisen: In Folge des Ukraine-Krieges kostete eine Megawattstunde an der europäischen Gasbörse (European Gas Spot Index THE) im März laut CHECK24 durchschnittlich 158 Euro, im Februar waren es noch 82 Euro pro Megawattstunde - ein Plus von 93 Prozent. Bei vielen Endverbraucher in Deutschland dürfte sich das in der nächsten Gasrechnung niederschlagen, denn laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) heizten 2021 drei Viertel der Deutschen mit Gas oder mit Öl.

Digitale Helfer im Alltag

Wohl um die kommende Energierechnung etwas zu senken, achten nun mehr Menschen hierzulande auf ihren Strom- und Gasverbrauch: 42 Prozent aktivieren laut der Bitkom-Umfrage vermehrt die Energiesparfunktion bei Geräten wie Laptops oder Monitoren, 22 Prozent reduzieren die Helligkeit von Bildschirmen, um Energie einzusparen. "Auch kleine Maßnahmen, die den täglichen Komfort nicht einschränken, können in der Summe einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass das Klima geschützt und die Abhängigkeit von russischen Energieimporten verringert wird", erklärte Bitkom-Präsidiumsmitglied Hartmann.

Auch "digitale Tools" können dabei helfen, den Energieverbrauch zu senken. Dazu zählen etwa WLAN- oder Funksteckdosen, um Geräte komplett auszuschalten, wenn sie nicht genutzt werden. Eine Funksteckdose ist eine Zwischensteckdose, in deren Gehäuse ein Funkempfänger integriert, welcher sich über eine separate Fernbedienung, ein Smartphone oder Tablet steuern lässt. Dadurch können elektronische Geräte per Fernsteuerung über Smartphone oder Tablet bedient werden, um Stand-By-Zeiten zu vermeiden. Denn auch wenn sich Geräte in der sogenannten Stand-By-Funktion befinden, verbrauchen sie weiter Strom. Dies wird bereits von 59 Prozent der von Bitkom Befragten beachtet, indem sie nun etwa ihre Geräte stets komplett abschalten. Dazu gehöre auch, dass Licht häufiger ausgeschaltet zu lassen oder den Warmwasserverbrauch zu verringern. 

22 Prozent der Befragten heizen weniger

Auch mit intelligenten Heizkörperthermostaten können Verbraucher Geld sparen: So werden die Heizzeiten und die Vorlaufzeiten optimiert, denn mit jedem Grad Raumtemperatur ungefähr sechs Prozent weniger Heizenergie verbraucht. Laut Bitkom drehen etwa 22 Prozent der Befragten die Heizung bereits häufiger runter. Die Bundesverbraucherzentrale rät außerdem dazu, Heizung regelmäßig zu entlüften und keine Möbel vor die Heizungen zu stellen. Außerdem sollten intelligente Zähler für Strom, Gas oder Wasser genutzt werden.

Zusätzlich raten Verbraucherschützer dazu, Eco-Programme an Spül- und Waschmaschinen zu nutzen, ebenso wie einen Sparduschkopf und einen wassersparenden WC-Spülkasten. Dadurch könne der Wasserverbrauch deutlich gesenkt werden. 40 Prozent derjenigen, die ihren Energieverbrauch laut Bitkom bewusst reduzieren, sparen aktuell außerdem Warmwasser, indem sie etwa duschen anstatt zu baden. 

Unabhängigkeit von Russland gefordert

Damit spiegelt sich die Einstellung der Deutschen auch in ihrem Verhalten wider, denn neun von zehn Deutschen sind laut Umfrage der Meinung, man müsse so schnell wie möglich unabhängig von russischem Gas werden. Einen wichtigen Beitrag dazu könne auch die Energiewende leisten, die geht 74 Prozent allerdings zu langsam - das sind drei Prozentpunkte mehr als Anfang 2022.

Auch in der Politik arbeitet man an Plänen, unabhängig von russischem Gas zu werden und den Verbrauch Schritt für Schritt zurückzufahren. Laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist es aber noch zu früh, um vollständig auf die Lieferungen aus Russland verzichten zu können, denn ein Stopp würde die deutsche Industrie hart treffen. So ist etwa die Chemiebranche abhängig vom Gas aus Russland: Für mehr als 2000 chemisch-pharmazeutischen Unternehmen ist Gas der wichtigste Energieträger und Rohstoff für viele Produkte. Man braucht etwa für die Herstellung der Chemikalie Ammoniak, die als Ausgangsstoff für Düngemittel oder medizinische Produkte gebraucht wird, Gas.