Eine Mitarbeiterin der Deutschen Post trägt eine Kiste mit Briefen | dpa

Für Verzicht auf Flüge Post will mehr Zeit für Briefzustellung

Stand: 17.12.2021 10:32 Uhr

Braucht die Deutsche Post noch Brief-Transportflüge im Inland? Der Konzern könnte sich deren Ende vorstellen - will dafür aber die Erlaubnis der Politik, dass mehr Briefe erst einen Tag später ankommen dürfen.

Die Deutsche Post denkt über ein mögliches Ende von Inlandsflügen zur Briefbeförderung nach. Es gebe noch drei Flugzeuge, die von montags bis freitags jede Nacht unterwegs seien und deren Einsatz in Sachen Klimaschutz fragwürdig sei, sagte der Post-&-Paket-Deutschlandchef Tobias Meyer. Es geht um drei Hin- und Rückflüge auf den Verbindungen Hannover-München, Hannover-Stuttgart und Berlin-Stuttgart.

Ein Hinderungsgrund ist Meyer zufolge allerdings die gesetzliche Verpflichtung zur schnellen Beförderung der Sendungen, die geändert werden müsste: "Solange wir verpflichtet sind, mindestens 80 Prozent aller Briefe bereits am nächsten Werktag zuzustellen, kommen wir um Nachtflüge nicht herum", so der Logistik-Manager. Meyer wies darauf hin, dass der Gesetzgeber tätig werden müsste.

      

Denn bestünde die Verpflichtung nicht, würde die Post diese Langstrecken-Sendungen auf Lastwagen verlagern, bei denen die CO2-Bilanz pro Sendung wesentlich besser sei als im Flugzeug, sagt Meyer. Der Konzernmanager machte keine Angaben darüber, ob ein Transport per Lkw auch billiger für die Post ist.

Post unter Zeitdruck

Laut Post-Universaldienst-Verordnung muss die Deutsche Post DHL mindestens 80 Prozent der Briefe, die an einem Tag in die Briefkästen eingeworfen werden, am nächsten Tag zustellen. Diese Regel heißt "E+1" (Einwurftag plus 1 Werktag). Für 95 Prozent der Briefe gilt "E+2", sie müssen also spätestens zwei Tage nach Einwurf beim Adressaten landen.

Die Post regt an, den "E+1"-Mindestwert auf 50 Prozent abzusenken, aber die 95-Prozent-Vorgabe für "E+2" beizubehalten. Dann wäre der Zeitdruck nicht so groß und die Briefe könnten auch auf der Langstrecke per Lkw transportiert werden.

Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Post 88,7 Prozent der Briefe am nächsten Werktag beim Verbraucher an und 98 Prozent am übernächsten Werktag. Laut Bundesnetzagentur liegt der Schnitt hingegen nur bei 84,1 Prozent (E+1) und 97,3 Prozent (E+2). Der Unterschied der Angaben liegt an unterschiedlichen Messarten. Es ist unklar, welche Angaben rechtsgültig sind. Dies ist noch nicht abschließend geklärt worden, da die Post den Mindestwert nach beiden Messungen immer erfüllt hat.

Vorgabe würde wohl verfehlt

Derzeit liegt die Zahl der Briefe, die im Inland mit Flugzeugen transportiert werden, nach Angaben der Post bei einem mittleren einstelligen Prozentbereich ihrer gesamten Briefmenge. Würde sie schon jetzt auf die Flüge verzichten und diese Menge per Lkw quer durch Deutschland schicken, würde die gesetzliche Vorgabe möglicherweise verfehlt. Um das zu vermeiden, hält Post-Vorstand Meyer geänderte Regeln für notwendig.

"Die Langdistanz vom Briefkasten bis zum Empfänger mit Lastwagen oder gar mit Güterzügen über Nacht zu schaffen, ist nicht machbar", sagt der Manager, der im Frühjahr 2023 an die Spitze des Post-Vorstands rücken soll. Kämen einige Briefe erst einen Tag später beim Empfänger an, wäre dies aus seiner Sicht mit Blick auf die Vermeidung von unnötigen Emissionen hinnehmbar. Viele Kunden würden sicherlich akzeptieren, wenn der Transport deshalb umweltfreundlicher würde, so Meyer.

"Wird erörtert werden"

Die Politik will sich mit dem Thema befassen. Die Ampelkoalition im Bund hat im Koalitionsvertrag festgehalten, das Postgesetz um sozial-ökologische Standards weiterentwickeln zu wollen. Hierauf bezieht sich auch das inzwischen grün geführte Bundeswirtschaftsministerium in seiner Antwort auf die Frage, was es von einer Absenkung der E+1-Vorgabe halte. "Fragen zum zukünftigen Universaldienst werden im Rahmen der ohnehin notwendigen Diskussion um die im Koalitionsvertrag angekündigte Novellierung des Postgesetzes erörtert werden", so eine Sprecherin. "Dabei werden auch sozial-ökologische Aspekte mit in die Diskussion einfließen und zu berücksichtigen sein."

Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Reinhard Houben, zeigte sich dagegen wenig begeistert von einer Abschwächung der E+1-Vorgabe. Der Liberale weist darauf hin, dass dann viele Briefe erst einen Tag später beim Adressaten ankämen. Es gebe auch im Digitalzeitalter viele Menschen, denen eine möglichst schnelle Zustellung von Briefen wichtig sei.

"Um auf ihre Inlandsflüge zu verzichten, könnte die Post auf andere innovative Wege setzen, die keinen Nachteil für den Verbraucher haben", sagt Houben. So könnte die Post mit der Deutschen Bahn kooperieren, um die Langdistanz-Briefe in Zügen zu transportieren.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 17. Dezember 2021 um 10:30 Uhr.