Gasspeicher

Energieversorgung Gasreserven unter kritischer Marke

Stand: 01.02.2022 16:44 Uhr

Die Füllstände der deutschen Gasspeicher sind unter ein kritisches Niveau gesunken. Auf eine ausgedehnte Kältewelle wäre Deutschland damit nicht mehr ausreichend vorbereitet.

Der Füllstand von Deutschlands Gasspeichern fällt seit Wochen kontinuierlich. Nach Daten des europäischen Verbands der Gasinfrastruktur-Betreiber GIE (Gas Infrastructure Europe) lag der Füllstand am 30. Januar nur noch bei 36,88 Prozent der Gesamtkapazität. Vor zwei Jahren betrug dieser Wert noch rund 90 Prozent.

Nach Angaben der Initiative Energien Speichern (INES), dem deutschen Branchenverband der Speicherunternehmen, liegen die Füllstände schon seit Anfang Mai 2021 deutlich unter den Vergleichswerten seit Aufzeichnungsbeginn 2011.

Eine Woche Extremkälte wäre problematisch

Legt man ein Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums zugrunde, ist mit dem aktuellen Füllstand ein kritisches Niveau unterschritten worden. So wäre zum 1. Februar ein Speicherfüllstand von 40 Prozent erforderlich, um eine siebentägige Extremkälte zu bewältigen. Um eine 30-tägige Kältewelle ohne Einschränkungen des Gasverbrauchs zu überstehen, sieht das Gutachten einen Füllstand von 50 Prozent vor. Läge tatsächlich eine Gasknappheit vor, würde zunächst die Versorgung industrieller Verbraucher, insbesondere von Gaskraftwerken, eingeschränkt werden.

EU kritisiert Moskau

Experten verweisen schon seit längerem auf einen möglichen Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt. Auch die EU-Kommission wirft der Regierung in Moskau vor, trotz gestiegener Erdgasnachfrage die Liefermengen nicht zu erhöhen. Angesichts der rekordhohen Gasnotierungen müssten russische Firmen eigentlich ein Interesse haben, ihre Liefervolumen zu erhöhen. Nach Angaben von EU-Vizekommissionspräsident Valdis Dombrovskis untersucht die EU-Kommission, ob das Vorgehen des staatlichen russischen Energiekonzerns Gazprom marktkonform ist.

Gut zwei Drittel des nach Deutschland importierten Gases stammen aus Russland. Ein Ausgleich möglicherweise fehlender Mengen aus anderen Lieferstaaten ist schwierig. Heute äußerte sich beispielsweise das Emirat Katar, es sehe sich nicht in der Lage, den europäischen Energiebedarf im Falle eines Engpasses im Zuge der Ukraine-Krise alleine zu decken. Das Emirat ist einer der weltgrößten Erdgasexporteure.

Nach Angaben von INES gibt es in Deutschland 47 Untertagespeicher, die von rund 25 Firmen betrieben werden. Sie dienen als Puffer für den inländischen Gasmarkt und sollen Schwankungen beim Gasverbrauch ausgleichen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 26. Januar 2022 um 06:40 Uhr.