Hinweisschild zu einer Corona-Teststation | dpa

Corona-Schnelltests Testzentren vor ungewisser Zukunft

Stand: 16.08.2021 08:08 Uhr

Beim Friseur, in der Bar oder Apotheke - erst gab es überall Stationen für Corona-Schnelltests. Doch dann sanken Vergütung und Inzidenzen. Welche Folgen haben nun die 3G-Regel und das baldige Ende kostenloser Tests?

Von Julia Henninger, SWR

Stäbchen in die Nase und ein paar Minuten warten: Das Prozedere beim Schnelltest ist inzwischen Routine, auch für Studentin Katharina Bauer aus Tübingen. Sie ist doppelt geimpft, lässt sich aber trotzdem mit ihren Mitbewohnern regelmäßig bei der Teststation des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) testen. Zur Sicherheit, erklärt sie, gerade wenn sie ihre Eltern besuchen möchte.

Julia Henninger

Kritik an Abschaffung der kostenlosen Tests

Lisa Federle hat sich schon früh dafür eingesetzt, dass viel und vor allem kostenlos getestet wird. Die Notfallmedizinerin und Pandemie-Beauftragte in Tübingen sieht es kritisch, dass die Schnelltests gemäß dem jüngsten Bund-Länder-Beschluss ab Oktober bundesweit nicht mehr kostenlos sein werden. "Testen ist auch bei einer wachsenden Impfquote immer noch von erheblicher Bedeutung", sagt sie. "Etliche Menschen erkranken selbst nach einer doppelten Impfung an Corona und deswegen ist es wichtig, immer wieder den Erfolg der Impfung zu kontrollieren."

Dies gelte gerade mit Blick auf den Herbst, wenn Husten und Schnupfen wieder zunehmen. "Deshalb sollte jeder die Möglichkeit haben, unkompliziert an einen Schnelltest zu kommen." Dies trage zur allgemeinen Sicherheit in der Bevölkerung bei und reduziere bei einigen Menschen die Sorge, sich angesteckt zu haben oder andere anzustecken, so Federle. Auch seien die Tests eine Möglichkeit, Infektionsherde schneller zu erkennen.

Befürchtung stark nachlassender Testbereitschaft

Sie befürchtet, dass sich die Menschen weniger testen lassen, wenn sie die Schnelltests bezahlen müssen. Nicht jeder könne sich die Schnelltests leisten. Der Plan sei daher in Tübingen, weiter kostenlos zu testen. Wie sie das finanzieren? Der DRK Kreisverband Tübingen habe zweckgebundene Spenden für das Schnelltesten erhalten. Daneben würden sie die Überschüsse aus den Bürgertests dafür verwenden.

Vergütung der Tests seit Juli niedriger

Seit März 2021 wurden die Bürgertests bundesweit über die Kassenärztliche Vereinigung vom Bund bezahlt. Pro durchgeführtem Test wurde die Abstrichleistung mit zwölf Euro vergütet und pro Testkit gab es maximal sechs Euro, in der Summe also 18 Euro - und damit mehr, als die Testzentren pro Test ausgeben mussten. Seit Juli sind es noch acht Euro pro Abstrich und für das Testkit pauschal 3,50 Euro, zusammen also 11,50 Euro. Außerdem lassen sich inzwischen weniger Menschen testen. Die Einnahmen der Testzentren sind also deutlich gesunken.

Aktuell sind bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg für die Abrechnung 8.537 Unternehmen, Einrichtungen und Betreiber von Teststellen registriert. Die vertragsärztlichen Praxen zählen nicht dazu. Das reicht also von Apotheken und Rettungsdiensten bis hin zu Kneipen, Friseurgeschäften oder Supermärkten.

Gewinnbringende Testzentren

Familie Yogurtcu betrieb eine Schnellteststation in ihrem Gastronomiebetrieb im Stuttgarter Westen. Zusammen mit einem Arzt eröffnete sie direkt in ihrem Restaurant ein Schnelltestzentrum. "Für uns war das die Chance wieder Gäste zu empfangen. Die Leute konnten sich testen lassen und danach Platz nehmen", erklärt Yilmaz Yogurtcu. Zu Spitzenzeiten hatten sie etwa 350 Tests pro Tag.

Corona habe die Gastronomie hart getroffen. "Finanziell war das ein Ausgleich. Das hat gut getan bei den ganzen Ausfällen", so Yilmaz Yogurtcu. Doch er findet, die Stationen hätten besser kontrolliert werden müssen. Bei manchen Teststationen sei es nur darum gegangen, Geld zu verdienen. Inzwischen haben sie ihr Schnelltestzentrum wieder geschlossen. Die Nachfrage war zu gering. Es hat sich nicht mehr rentiert.

Auch beim Testzentrum am Stuttgarter Marienplatz ist die Nachfrage gesunken, so die Leiterin Shirin Ramsaier. "Wir waren die allerersten am Marienplatz. Als die Diskussion aufkam, dass man damit Geld damit verdienen kann, kam einer nach dem anderen dazu." Inzwischen seien es wieder weniger geworden.

3G-Regel im Innenbereich - Geimpft, Genesen, Getestet

Das könnte sich jetzt wieder ändern - zumindest vorübergehend. In Baden-Württemberg tritt heute die neue Corona- Verordnung in Kraft. In einer Mitteilung des Sozialministeriums hieß es am Freitag: "Nur noch, wer geimpft, genesen oder getestet ist, kann vollumfänglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Wer keine Impfung nachweisen kann, muss einen negativen Corona-Test vorweisen."

Die Landesregierung habe sich darauf verständigt, dass nur für Clubs und Diskotheken ein PCR-Test verpflichtend sein soll. In allen anderen Bereich (Kultur, Gastro, Friseur etc.), soll ein Antigen-Schnelltest ausreichen.

3G-Regel

Die 3G-Regel dient als Teil des Infektionsschutzes in der Corona-Pandemie der Definition von Personengruppen, bei denen von einem geringen epidemiologischen Risiko ausgegangen wird. Die drei "G" stehen dabei für:
- Geimpfte Personen
- Genesene Personen
- Getestete Personen (also Personen mit einem aktuellen, negativen SARS-CoV-2-Test)

An den Nachweis, zu einer dieser drei Personengruppen zu gehören, können unter anderem Zutrittsberechtigungen zu Einrichtungen oder Einreisegenehmigungen in bestimmte Länder geknüpft sein. Die jeweils zuständigen Behörden definieren, ob und in welchen Fällen die 3G-Regel angewandt wird und wie lange der Nachweis der Zugehörigkeit zu der jeweiligen Personengruppe gültig ist - also zum Beispiel, wie alt ein negatives Testergebnis sein darf oder wie lange die überstandene Infektion her sein darf, um nach einer Genesung von der 3G-Regel zu profitieren.

PCR-Test und Antigen-Schnelltest

Wer einen Corona-Schnelltest braucht, kann zur Schnell-Teststationen und muss nur einige Minuten auf das Ergebnis warten. Bis zum 11. Oktober ist der Bürgertest noch kostenlos. Danach wird der Markt den Preis regeln.

Der PCR-Test gilt als sicherer, die Kosten sind aber auch deutlich höher. Abstriche für den PCR-Test dürfen nach Angaben des Sozialministeriums von geschultem, nicht-ärztlichen Personal abgenommen werden. Wichtig aber sei bei den PCR-Tests, dass die Auswertung im Labor erfolgen muss. Anbieter von PCR-Testangeboten müssen also mit einem akkreditierten Labor in Verbindung stehen.

Shirin Ramsaier rechnet damit, dass die Nachfrage beim Schnell-Testzentrum am Marienplatz wieder steigen könnte, doch den großen Andrang erwartet sie nicht. Yilmaz Yogurtcu könnte theoretisch das Schnelltestzentrum in ein paar Tagen wieder hochfahren. Doch er will erst einmal abwarten, wie sich alles entwickelt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. August 2021 um 08:20 Uhr.