Ein Mann geht durch die Lange Straße in der Innenstadt von Oldenburg. | dpa

Kaufverhalten in der Krise Online-Boom gefährdet Innenstädte

Stand: 23.04.2021 09:57 Uhr

Jeder Lockdown und jede Infektionswelle der Pandemie verhilft dem Online-Handel zu weiteren Umsatzsprüngen. Das werde dauerhafte Folgen für die Innenstädte haben, so eine Studie des Ifo-Instituts.

Verbraucher in Deutschland gewöhnen sich einer Studie des Ifo-Instituts zufolge zunehmend an den Online-Kauf von Bekleidung sowie Haushaltswaren und -geräten. Während der Öffnungen nach dem Corona-bedingten Lockdown im Sommer 2020 sei das Verhältnis von Offline- zu Onlinehandel nahezu auf Vorkrisenniveau zurückgekehrt. Doch seitdem habe der Internethandel fast stetig angezogen.

Im Weihnachtsgeschäft habe der Umsatz des Onlinehandels bei Haushaltsgeräten Anfang Dezember bei 250 Prozent des Vorkrisenniveaus gelegen, wie aus der Untersuchung des Ifo-Instituts in Kooperation mit der TU München und der Digitalbank N26 hervorgeht. Im Februar sei dieser Wert sogar auf 350 Prozent gestiegen.

"Massive Strukturverschiebungen"

"Spätestens seit letztem Sommer beobachten wir massive Strukturverschiebungen hin zum Onlinegeschäft auch jenseits der Lockdowns", führte der Leiter des Ifo-Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien, Oliver Falck, aus. "Unsere Daten legen den Schluss nahe, dass die Krise das Sterben der Innenstädte befördert."

Seit Anfang Dezember liegen demnach die stationären Einkäufe in den beiden untersuchten Produktgruppen, die traditionell in innerstädtischen Kaufhäusern und Geschäften erworben wurden, unter dem Niveau des Vorjahres.

Geld zum Ausgeben wäre vorhanden

Eine frühere Studie hatte ergeben, dass die Ersparnisse der Konsumenten im ersten und zweiten Lockdown jeweils kräftig gestiegen sind. Im ersten Lockdown seien sie um rund 20 Prozentpunkte gestiegen, im zweiten Lockdown hätten sie sich um weitere rund 20 Prozentpunkte erhöht.

"In der zweiten Hälfte 2021 werden die Menschen diese aufgestaute Kaufkraft ausgeben", prognostizierte Falck. "Der Handel muss sich etwas einfallen lassen, wenn sie die Leute dann wieder in die Geschäfte locken wollen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. November 2020 um 12:00 Uhr.