Ein Ferienflieger der Corendon Airlines Europe  landet bei Sonnenschein und blauem Himmel. | dpa

Corona-Mutante Durchkreuzt Delta die Urlaubspläne?

Stand: 28.06.2021 15:47 Uhr

Gerade erst hoffte die Touristikbranche dank steigender Buchungszahlen auf ein Ende der Corona-Krise. Nun stellt sich die Frage: Verhindert Delta den Sommerurlaub? TUI sagte bereits Pauschalreisen nach Portugal ab.

Von Bianca von der Au, ARD-Börsenstudio

Urlaub ist diesen Sommer wieder möglich. In immer mehr europäischen Ländern sind Hotels offen. Die ersten Kreuzfahrtschiffe stechen schon in See. So deutlich die Infektionszahlen sinken, so deutlich steigen die Buchungen bei TUI oder Lufthansa an - und die Reiselust der Deutschen auch, sagt Portfolio-Manager Michael Gierse von der Union Investment: "Ich denke, dass wir im Moment einen enormen Aufholbedarf haben. Die Bevölkerung möchte gerne reisen und steht in den Startlöchern", so Gierse.

Wäre da nicht die Delta-Variante, die sich in Großbritannien ausbreitet. Auch das beliebte Urlaubsland Portugal gilt von morgen an als Virusvariantengebiet. Einreisen von dort nach Deutschland sind dann nur noch mit anschließender 14-tägiger Quarantäne möglich. Reiseexperte Gierse glaubt trotzdem, dass das die Sommerurlaubspläne der meisten Deutschen nicht durchkreuzt: "Die großen Reiseströme von Deutschland, was den Flugverkehr betrifft, gehen Richtung Spanien, Türkei und Griechenland" - und die seien von der Delta-Mutante des Coronavirus noch nicht betroffen, zumindest momentan noch nicht.

Die Lufthansa setzt klare Signale

Doch wie schnell sich so etwas ändern kann, hat schon der vergangenen Sommer gezeigt. Die aktuellen Meldungen zur Ausbreitung der Delta-Variante kommen jedenfalls zur Unzeit für die ohnehin stark gebeutelten Touristik-Unternehmen. Erst vor wenigen Tagen konnten die TUI und Lufthansa Buchungsrekorde vermelden. Seit Mai würden Urlaubsreisen stärker gebucht als im Vor-Corona-Jahr.

Die Lufthansa lässt mit Beginn der hessischen Sommerferien sogar einen Jumbojet von Frankfurt nach Palma de Mallorca fliegen, an vier Samstagen hintereinander - weil die Nachfrage so groß sei. Für den Luftfahrt-Experten Stefan Schöppner von der Commerzbank aber auch eine Art Marketing: "Das ist ein Symbol, dass die Nachfrage sehr hoch ist, es ist aber auch ein Symbol an den Markt, dass alle Menschen wissen: Es wird wieder geflogen", so Schöppner. "Die Menschen steigen wieder in Flugzeuge und man könnte nachdenken darüber, ob man nicht auch wieder eine Flugreise bucht."

Bei den Einnahmen noch Luft nach oben

Aus Sicht der Lufthansa ist es dringend nötig, dass noch mehr Menschen eine Flugreise buchen. Schließlich hat die Airline noch rund 1,2 Milliarden Euro Schulden beim Staat - und die will der Firmenchef noch vor der Bundestagswahl im September zurückzahlen. Dafür müsse Geld am Kapitalmarkt aufgenommen werden, denn die Einnahmen allein reichten noch nicht aus, erklärt Luftfahrtexperte Schöppner: "Die Airline ist noch weit entfernt von alten Zeiten, denn im Moment fliegen ja vor allen Dingen Privatpersonen und nur wenige Geschäftsreisen." Es gebe also noch Luft nach oben: "Der Cashflow von der Lufthansa, der Mittelzufluss, der ist noch nicht so prickelnd, der muss sich noch deutliche verbessern."

Auch wenn viele Menschen momentan bereit sind, Geld für Urlaubsreisen auszugeben, könnte sich die Stimmung schnell wieder drehen. Und auch die Virus-Variante kann neue Fakten schaffen: So hat TUI nach der Einstufung Portugals als Virusvariantengebiet alle Pauschalreisen dorthin bis Ende Juli abgesagt.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 28. Juni 2021 um 15:06 Uhr.

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Moderation 28.06.2021 • 19:28 Uhr

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