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Elektronik-Boom im Lockdown Werden Computer und Laptops teurer?

Stand: 01.03.2021 17:22 Uhr

Homeoffice und Homeschooling haben den PC-Markt weltweit beflügelt. Während Hersteller starke Verkaufszahlen melden, sorgen hohe Nachfrage und Chipmangel für Engpässe - und damit für höhere Preise?

Von Till Bücker, tagesschau.de

Zahlreiche Verbraucher und Unternehmen kaufen in der Corona-Krise neue Computertechnik oder rüsten sie auf, um besser von zu Hause aus arbeiten zu können. Nachdem der Erfolg der PCs lange Jahre durch den Siegeszug der Smartphones ausgebremst wurde, haben die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie zu einem Comeback geführt.

Computer oder Laptops sind für Berufstätige, Studierende und Schüler im Lockdown mittlerweile unverzichtbar geworden - sowohl bei der Arbeit, als auch im Privaten. Nach Angaben der Branchenorganisation gfu unter Berufung auf die Marktforschungsfirma GfK schoss der Absatz von Computermonitoren im vergangenen Jahr um fast 60 Prozent auf knapp 4,2 Millionen Geräte in die Höhe. Zudem wurden 10,7 Prozent mehr PCs (1,1 Millionen) und fast ein Viertel mehr Notebooks (4,9 Millionen) verkauft als 2019, hieß es am Montag.

PC-Hersteller profitieren

Das zeigen auch aktuelle Zahlen von Herstellern. Der Hersteller von Computerzubehör Logitech hob zu Wochenbeginn seine Prognose für das Umsatzwachstum im aktuellen Geschäftsjahr von bislang 57 bis 60 Prozent auf 63 Prozent an. Der Gewinn soll ebenfalls höher ausfallen.

Auch die PC-Anbieter HP Inc und Dell profitieren vom Notebook-Boom. HP verkaufte im vergangenen Quartal rund ein Drittel mehr Laptops. Die Einnahmen in der PC-Sparte stiegen insgesamt um sieben Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar (8,7 Milliarden Euro).

Dell stellt sich derweil darauf ein, dass die Corona-Krise den Markt dauerhaft verändern wird. Die Welt, in der man Dinge von überall erledigen könne, werde bleiben, betonte das Unternehmen. Eine Folge davon sei, dass die Zahl der PCs in Haushalten zunehme. Der amerikanische Hersteller nahm im vergangenen Quartal bei den PC-Verkäufen 17 Prozent mehr ein - rund 13,8 Milliarden Dollar.

Trend dürfte anhalten

2020 waren Computer und Laptops nach Angaben der Marktbeobachter von Gartner so begehrt wie seit zehn Jahren nicht mehr. Weltweit wurden demnach 275 Millionen Geräte ausgeliefert und damit 4,8 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Im den letzten drei Monaten 2020 stiegen die Auslieferungen laut Gartner sogar um mehr als zehn Prozent.

"PCs sind wieder zu einem unverzichtbaren Gerät geworden, da die Verbraucher, einschließlich jüngerer Kinder, PCs benötigen, um von zu Hause aus zu arbeiten, zur Schule zu gehen, soziale Kontakte zu pflegen und sich unterhalten zu lassen", erklärte Gartner-Analyst Mikako Kitagawa. Die Entwicklung werde wahrscheinlich mindestens bis zum Ende der ersten Jahreshälfte 2021 andauern. Wie es danach weitergehe, hänge davon ab, ob die Veränderungen auch in der Post-Corona-Ära bestehen blieben.

Die Marktforscher von IDC errechneten für 2020 ein noch größeres Plus. Mit rund 13 Prozent auf 302,6 Millionen Geräte sei der internationale Markt so stark wie seit 2010 nicht mehr. Auch Gaming-PCs wären äußerst beliebt gewesen, um sich die Zeit zu Hause zu vertreiben.

Halbleiter-Knappheit sorgt für Verzögerungen

Es hätte noch besser laufen können, hätten Notebook-Hersteller und Zulieferer nicht permanent mit knappen Komponenten zu kämpfen gehabt, betonen die IDC-Experten. Insofern sei es gut möglich, dass der Nachfragestau noch nicht abgearbeitet ist und die positiven Auswirkungen bis weit ins Jahr 2021 spürbar bleiben.

Der Branche bereitet derzeit die Knappheit von Halbleiter-Komponenten Probleme. HP etwa verwies jüngst darauf, dass die Lieferengpässe das Wachstum in der ersten Jahreshälfte weiter beeinflussen werden. Dell berichtete seinen Kunden, dass angesichts der höheren Kosten für bestimmte PCs und Zubehör mit "Preisänderungen" zu rechnen sei. Offenbar hatten die Anbieter in der Chipindustrie ihre Produktionskapazitäten nicht entsprechend der stark gestiegenen Nachfrage angepasst.

Der Chipmangel in Kombination mit der aktuell extrem hohen Beliebtheit führt auf dem Markt zu Lieferengpässen. "Das Warenangebot ist schon knapper", sagte Steffen Kahnt, Geschäftsführer des Bundesverbands der Elektronik-Einzelhändler BVT, jüngst der "FAZ". An einigen Stellen müsse man Kompromisse eingehen, weil einige Geräte nicht lieferbar seien.

Neben den Herstellern habe auch der Handel die sprunghafte Nachfrage nicht erwartet. "Es war im Sommer nicht klar, dass es noch mal einen so harten Lockdown geben würde, in dem die Regierung gerade das Arbeiten im Homeoffice so forciert", so Kahnt. Demnach seien Händler eher zurückhaltend mit ihren Bestellungen gewesen.

Durchschnittspreise steigen

Laut dem Elektronik-Branchenverband gfu beeinträchtigen die Engpässe bei Halbleitern das Geschäft dagegen bisher kaum. "Das gilt nicht pauschal für alle Geräte. Grundsätzlich ist genügend Produktvielfalt da, sodass Verbraucher alles bekommen können", betont gfu-Sprecher Roland Stehle gegenüber tagesschau.de.

Allerdings gebe es Preiserhöhungen bei Lieferungen aus China durch eine Container-Knappheit, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Kai Hillebrandt der dpa. Durch die Corona-Krise sei der übliche Kreislauf aus dem Gleichgewicht geraten. Leere Container stauten sich in Europa, weil es nicht genug Waren für den Transport nach Asien gebe.

Bereits 2020 kletterten die Durchschnittspreise für PCs um 0,4 Prozent auf 824 Euro und auch für Notebooks um 2,3 Prozent auf 732 Euro leicht. Deutlicher zogen die Preise für Tablet-PCs (12,3 Prozent) an. Das liegt aber offenbar nicht nur an der hohen Nachfrage oder knappen Komponenten.

"Die Menschen haben ein gestiegenes Qualitätsbewusstsein", so Stehle. "Die Kunden kaufen teurere Produkte, weil sie ein Augenmerk auf das private Zuhause legen." Das Geld fließe statt in Reisen in eine bessere Ausstattung.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. März 2021 um 15:35 Uhr.