Spritpreise werden an der Preistafel einer Tankstelle angezeigt | dpa

Sektoruntersuchung Kartellamt prüft aktuelle Spritpreise

Stand: 12.04.2022 15:16 Uhr

Dass Rohöl-und Spritpreise derzeit stark auseinanderlaufen, hat das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. Es prüft den Sektor und die Preise nun genau. Zudem gab es Autofahrern konkrete Tipps, wie sie am billigsten tanken.

Von Jörg Sauerwein, WDR

Der März war der teuerste Kraftstoffmonat aller Zeiten. Wochenlang haben die Autofahrer an der Zapfsäule kaum gespürt, dass die Rohölpreise schon längst wieder gesunken waren. Und noch immer kostet der Sprit in Deutschland verglichen mit anderen europäischen Ländern sehr viel.

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, spricht von regelrechten Verwerfungen auf dem Kraftstoffmarkt. Deshalb nimmt seine Behörde die Spritpreise jetzt genauer unter die Lupe. "Wir wollen wissen, warum das so ist: Warum laufen im Moment die Rohölpreise, die Raffineriepreise und die Tankstellenpreise so auseinander. Und wir wollen wissen, was sind die Faktoren, die dabei eine Rolle spielen? Welche Kostenstrukturen haben eigentlich diese Raffinerien?", sagt Mundt. "Was dabei rauskommen kann: vor allem mal Transparenz. Dass wir mal verstehen - nicht nur wir als Amt, sondern auch die Autofahrer - warum die Preise sich so entwickeln, wie sie sich im Moment entwickeln. Was man dann tun kann, das ist der zweite Schritt. Aber erstmal geht’s darum, dass wir den Markt richtig erfassen."

Jüngste Preisentwicklung nicht nachvollziehbar

In den vergangenen Jahren stand immer wieder der Vorwurf im Raum, dass sich die wenigen Mineralölkonzerne bei den Preisen absprechen. Dafür aber habe man nie wirkliche Anzeichen gefunden, sagt Mundt. Allerdings handele sich hier um einen sehr transparenten Markt, denn jeder könne jederzeit sehen, wie sich die Preise entwickeln. Deshalb seien Absprachen möglicherweise gar nicht nötig.

Was aber seit Beginn des Ukraine-Kriegs passiert ist, das ist auch für die Kartellwächter nicht nachvollziehbar. Deshalb starten sie jetzt mit einer sogenannten Sektoruntersuchung. Mit den Ergebnissen könnte die Behörde entweder selbst einschreiten. Oder: "Wenn das nicht der Fall ist, dann kann ich nur sagen, gibt es eine ganze Menge Sektoruntersuchungen des Amtes, die in Gesetzgebungen eingeflossen sind - wo also hinterher die Gesetze so geändert worden sind, dass wir hinterher auch vielleicht tatsächlich aktiv werden konnten", so Mundt. "Das kann auch ein Ergebnis der Sektoruntersuchung sein, dass es im Moment einfach die Instrumente nicht gibt, um hier etwas tun zu können, aber dass man sie vielleicht schaffen könnte."

Preise schwanken jeden Tag stark

Für die Autofahrer bedeutet das allerdings erst mal vor allem, genau auf die Preise zu schauen. Denn auch schon vor dem Krieg waren große Schwankungen an der Tagesordnung. Nach dem neuen Bericht der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe konnte der Spritpreis in derselben Stadt je nach Tankstelle und Uhrzeit um bis zu 24 Cent schwanken - an einem einzigen Tag.

Deshalb empfiehlt Kartellamtschef Mundt den Blick auf eine der Spritpreis-Apps, mit denen Autofahrer jeweils live die aktuellen Preise vergleichen können. Außerdem solle man zum Beispiel nach Möglichkeit nie morgens tanken, wenn die Preise am höchsten sind. "Es ist billig zwischen 18 und 22 Uhr - da sollte man nach Möglichkeit immer tanken", erläutert Mundt. Und er gibt den Autofahrern weitere Hinweise: "Eine billige Tankstelle ist meistens immer billig. Man sollte es wirklich vermeiden, an der Autobahntankstelle zu tanken, da sehen wir Preisaufschläge von bis zu 25 Prozent. Und noch mal: immer die App nutzen. Es gibt so ein paar einfache Faustformeln, und wenn man die wirklich einhält, dann kann man gerade bei den Preisen im Moment eine Menge sparen."

Befristete Steuersenkung kommt im Juni

Immerhin eine gute Nachricht gibt es für Autofahrer: Denn ab Anfang Juni soll das Tanken günstiger werden - dank einer Steuersenkung der Bundesregierung. Die gilt dann auf Benzin und Diesel für drei Monate bis Ende August. Wie sich dann aber tatsächlich die Preise entwickeln und ob die Mineralölkonzerne die Senkung komplett weitergeben - auch das will das Bundeskartellamt genau beobachten.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 12. April 2022 um 15:00 Uhr in den Nachrichten.