Ein Wirt im thüringischen Gera zapft Bier. | dpa

Brauereien wollen Preise anheben Auch das Bier wird teurer

Stand: 19.10.2021 18:05 Uhr

Die führenden deutschen Brauereigruppen wollen im kommenden Jahr die Preise erhöhen. Die Gründe sind weitgehend dieselben wie in anderen Branchen. Das Glas Bier in der Kneipe könnte im Frühjahr dann bis zu 50 Cent mehr kosten als derzeit.

Biertrinkerinnen und Biertrinker müssen sich darauf einstellen, dass ihr Lieblingsgetränk bald teurer wird. Gleich drei führende deutsche Brauereien - die Radeberger Gruppe, Krombacher und Veltins - wollen ihre Preise für die Gastronomie und den Handel im nächsten Frühjahr spürbar erhöhen.

"Nicht mehr aufzufangen"

Deutschlands größte Brauereigruppe Radeberger begründete den Schritt mit Kostensteigerungen. "Neben massiven Umsatz- und Ertragsverlusten in den 18 Monaten der Pandemie fallen nun in allen Unternehmen weitere ganz massive Kostensteigerungen für Energie, Logistik, Leergut sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe an", so eine Unternehmenssprecherin. Diese Kostenerhöhungen ließen sich nicht mehr über reine Effizienzsteigerungen ausgleichen. Daher müssten die Abgabepreise erhöht werden.

Ein Veltins-Sprecher verwies darauf, dass allein im Energiebereich die Kosten in den vergangenen drei Jahren um mehr als 150 Prozent gestiegen seien. "Das ist nicht mehr aufzufangen", sagte er. Die geplante Preiserhöhung gelte deshalb für die Gastronomie ebenso wie für den Einzelhandel. Krombacher verwies darauf, dass die letzte große Preisanpassung immerhin drei Jahre zurückliege.

"Versorgung gesichert"

Auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbundes, Holger Eichele, bestätigte in der "Rheinischen Post", Getränkehersteller seien massiv von der Verknappung und Verteuerung einzelner Komponenten und Rohstoffe betroffen. "In der gesamten Branche sind die Kostensteigerungen auf vielen Feldern so massiv, dass sie sich über kurz oder lang wahrscheinlich auf die Preise auswirken werden."

Der Brauerbund beobachte mit wachsender Sorge die extremen Preissprünge bei einzelnen Rohstoffen. Vor allem Braugerste sei derzeit teuer und knapp. "Auf Jahressicht sind die Preise um etwa 50 Prozent gestiegen", sagte Eichele. Zudem sei die Erzeugung von Malz energieintensiv. "Mit steigenden Energiekosten, wie wir sie derzeit erleben, steigen also auch die Kosten für Malz." Der Hauptgeschäftsführer betonte aber: "Die Versorgung ist gesichert."

Corona trifft auch die Brauereibranche

Nach Darstellung der Brauer ist seit Beginn der Corona-Pandemie auf dem Markt ein deutlicher Preisverfall eingetreten. Denn die Händler hätten Rotstift-Angebote für Bier genutzt, um die Kunden auch in der Pandemie in die Läden zu locken. Der Aktionspreis für den Kasten Premium-Pils befinde sich bereits wieder an der Zehn-Euro-Schwelle. Damit koste Bier nicht mehr als zu D-Mark-Zeiten, als der Kasten im Sonderangebot für 19,99 Mark angeboten worden sei.

Außerdem tranken die Menschen in Deutschland in der Corona-Krise so wenig Bier wie noch nie seit der Wiedervereinigung. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres sei der Absatz im Inland um fast fünf Prozent auf den Tiefstwert von 3,3 Milliarden Liter gefallen, berichtete das Statistische Bundesamt im Sommer. Der Brauwirtschaft fehlte vor allem das Geschäft in der Gastronomie und auf den vielen Großveranstaltungen. Einziger Lichtblick war der Verkauf von Flaschenbier im Einzelhandel, von dem aber nur wenige große Brauereien profitierten.

Ein Euro mehr pro Kasten?

Nach Schätzungen des Branchendienstes "GetränkeNews" dürften die in Schreiben an die Abnehmer angekündigten Preiserhöhungen das Glas Bier in der Kneipe zwischen 30 und 50 Cent verteuern. Der Preis für Kasten Bier werde im Handel voraussichtlich um einen Euro steigen. Für die Branchenkenner ist absehbar, dass andere Brauereien dem Vorbild von Radeberger und Co. folgen werden. Erfahrungsgemäß trauten sich nach einer Preiserhöhung der großen Brauer auch die regionalen Brauer von Kölsch, Weißbier und Hellem aus der Deckung und zögen auf breiter Front nach. "Bier wird im Frühjahr 2022 flächendeckend teurer", prognostizierten die Experten.

Allerdings haben Bierliebhaber noch eine Schonfrist: Radeberger will erst im Februar mit den Preisanhebungen beginnen. Die Preise für den Einzelhandel sollen sogar erst im Mai steigen. Krombacher und Veltins wollen Anfang April an der Preisschraube drehen. Und es bleibt immer noch die Hoffnung, dass einige Brauereien angesichts des harten Wettbewerbs bei der Preiserhöhungswelle am Ende doch nicht mitziehen.

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Moderation 20.10.2021 • 00:30 Uhr

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