Der Arzt Klaus Weiner applaudiert der Leiterin des Seniorenzentrums Albrecht Dürer in Bamberg, Christine Lechner (l), zur Impfung gegen das Coronavirus. | dpa

Kampf gegen Covid-19 Betriebsärzte stehen für Impfungen bereit

Stand: 17.03.2021 09:04 Uhr

Beim Impfen gegen Corona hinkt Deutschland anderen Ländern hinterher. Das könnte sich ändern, wenn auch Betriebsärzte impfen dürften. Dafür sind aber noch einige Hürden zu überwinden.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Die 12.000 Betriebsärzte in Deutschland wollen ebenso wie die Hausärzte beim Voranbringen der deutschen Covid-19-Impfkampagne eine große Rolle spielen. Etwa fünf Millionen Beschäftigte könnten sie nach eigenen Angaben pro Monat impfen. "Betriebsärzte haben das Know-how, um auch große Gruppen zu impfen“, schrieb kürzlich Wolfgang Panter, Präsident des Deutschen Verbands der Betriebs- und Werksärzte, VDBW in einer Pressemitteilung. Dabei verwies er auf die Erfahrung der Betriebsärzte mit den jährlichen Grippeschutzimpfungen.

Konkrete Zusagen seitens der Bundesregierung lassen allerdings bis heute auf sich warten. Zwar habe das Bundesgesundheitsministerium die Betriebsärzte in der Coronaimpfverordnung sowie bei der Impfempfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission des RKI) als Akteure aufgeführt, wie und wann die Einbindung in der Praxis konkret erfolgen soll, sei bislang nicht geklärt, beklagt der VDBW. Deshalb bedürfe es dringend Regelungen und klarer Signale aus der Politik.

Gespräch mit Spahn

Durch die Nutzung der vorhandenen betriebsärztlichen Strukturen in den Unternehmen sei in jedem Fall eine Entlastung der regionalen Impfzentren möglich, und die Durchimpfung von Beschäftigten auch in systemrelevanten Unternehmen könne beschleunigt werden, betont der Verband. In einem Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der vergangenen Woche hatten Verbandsvertreter der Betriebsärzte sowie der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) Gelegenheit, ihre Forderungen darzulegen.

  • Dabei ging es neben Fragen zur Vergütung und der Haftung auch um die ungelöste Problematik der Logistik, also wie der Impfstoff zu den Unternehmen gebracht werden soll. Zudem plädierte der VDBW für eine Änderung der derzeitigen Impfverordnung, weil sie den Impffortschritt erheblich behindere und einen höheren Aufwand erfordere. Stattdessen schlägt der Verband eine Priorisierung nach Lebensalter vor, beginnend mit der Gruppe der über 60-jährigen Beschäftigten, anschließend die über 50-Jährigen.

    Weitere Beratungen auf Ende April vertagt

    VDBW-Vizepräsidentin Anette Wahl-Wachendorf sprach gegenüber tagesschau.de von einem sehr freundlichen und positiven Gespräch, Gesundheitsminister Spahn habe aber darauf hingewiesen, dass es zunächst darauf ankomme, die bestehenden Impfzentren der Länder auszulasten. Da es weiterhin an einer flächendeckenden Impfstoffversorgung mangelt, wurde eine Fortsetzung der Gespräche mit den Betriebsärzten auf Ende April vertagt. Durch den Stopp der Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca werde der Zeitplan der Bundesregierung noch weiter nach hinten verschoben. Wahl-Wachendorf hält es dennoch für "denkbar, dass die entstandene Lücke ein Stück weit von den anderen Herstellern kompensiert werden kann".

    "Dessen ungeachtet stehen die Betriebsärzte bereit", sagte Wahl-Wachendorf. "Sobald genügend Impfstoff bereitsteht, werden wir auch impfen, da bin ich mir ganz sicher", so die Vizepräsidentin des Verbands.

    "Wir wollen helfen"

    Unterstützung erhalten die Betriebsärzte auch von den Arbeitgebern. "Die machen Druck und schicken uns ganze Listen von Standorten wo geimpft werden könnte", sagt Wahl-Wachendorf. Tatsächlich sind die meisten Großunternehmen längst für Impfungen gerüstet. Dazu zählen auch die Autohersteller Volkswagen, BMW und Daimler. "Wir wollen helfen, dass Deutschland in den nächsten Wochen beim Impfen schneller wird", heißt es bei VW.

    Auch beim Versicherungskonzern Allianz stehen Ärzte und Krankenschwestern bereit. Der leitende Betriebsarzt, Berthold Schröder, rechnet fest damit, dass Betriebsärzte auch gegen Corona werden impfen dürfen. "Das ist bereits Bestandteil der nationalen Impfstrategie, nur der genaue Startzeitpunkt ist noch nicht klar", sagte er der "Ärzte-Zeitung". Dabei verweist er auf die guten Erfahrungen mit den Grippeschutzimfungen in den vergangenen Jahren, auch im Corona-Jahr 2020.

    Lindner fordert Einbeziehung der Betriebsärzte

    Orientieren will sich der Mediziner dabei am Aufbau der öffentlichen Impfzentren. "Das ist die Blaupause, um unser eigenes Impfzentrum aufzustellen." Geplant sind momentan bis zu 25 solcher Impfstraßen an allen großen Allianz-Standorten bundesweit. Wichtig sei natürlich, dass genügend Impfstoff verfügbar ist. Dabei komme es nicht darauf an, von wem der Impfstoff komme. "Für uns sind alle in Deutschland zugelassen Impfstoffe gleich gut", betont der Betriebsarzt in dem Gespräch. "Wir nehmen das, was wir bekommen können." Trotz der vielen offenen Fragen, bereitet sich das Allianz-Team darauf vor, bereits Anfang April loslegen zu können.

    FDP-Chef Christian Lindner fordert die Bundesregierung auf, den Bürgern eine Garantie für eine Corona-Erstimpfung bis zum Beginn der Sommerferien zu geben. "Insbesondere erwarte ich, dass schneller über Haus-, Fach- und Betriebsärzte geimpft wird", sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur. Merkel hatte davon gesprochen, dass allen Erwachsenen bis zum kalendarischen Sommerende am 21. September ein Impfangebot gemacht werden solle. Die Sommerferien beginnen je nach Bundesland unterschiedlich, die ersten am 21. Juni.

    Über dieses Thema berichtete NDR 1 am 11. März 2021 um 07:30 Uhr.