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Vor EZB-Zinsentscheid Viele Banken schaffen Negativzinsen ab

Stand: 15.07.2022 09:12 Uhr

Die Zeit der Negativzinsen nähert sich dem Ende. Die Zahl der Banken, die das sogenannte Verwahrentgelt für Privatkunden ganz oder teilweise abschaffen, steigt. Lohnt sich jetzt das Sparen wieder?   

Immer weniger Banken erheben Negativzinsen. Schon vor der erwarteten ersten Leitzinserhöhung im Euroraum seit elf Jahren haben mindestens 49 Geldhäuser das sogenannte Verwahrentgelt für Privatkunden ganz oder teilweise abgeschafft. Das geht aus einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox von rund 1300 Banken und Sparkassen hervor.

Viele Kreditinstitute warten allerdings noch ab. Den Daten zufolge verlangen aktuell immer noch mindestens 426 Kreditinstitute Negativzinsen ab bestimmten Summen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto (Stand: 14. Juli). "Sobald die Notenbank den Strafzins auf Bankeinlagen streicht, werden auch die Negativzinsen für Sparer auf breiter Front wegfallen", erwartet Oliver Maier Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Ein historisches Zinsphänomen geht zu Ende".

EZB strafft Geldpolitik

Hintergrund ist die erwartete Straffung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag (21. Juli). Angesichts der Rekord-Inflation will die EZB die Leitzinsen im Euroraum um jeweils 0,25 Prozentpunkte anheben. Im September hat die Notenbank einen weiteren, womöglich größeren Zinsschritt in Aussicht gestellt. Noch müssen Banken 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Gelder bei der EZB parken. Die Kosten dafür geben viele Geldhäuser an Kunden weiter.

Mehrere große Institute, darunter auch die Deutsche Bank, haben bereits angekündigt, die Negativzinsen für ihre Kunden entsprechend der EZB-Entscheidungen zurückzufahren. Bei vielen Banken und Sparkassen reduzieren sich die Negativzinsen Verivox zufolge bei einer Zinsanpassung ohnehin automatisch, weil sie das Verwahrentgelt ausdrücklich an den Einlagezins der EZB gekoppelt haben.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Der Auswertung zufolge haben seit Ende April bereits 34 Finanzhäuser ihre Negativzinsen komplett abgeschafft. Bei weiteren 15 Instituten wurden die Freibeträge deutlich angehoben, so dass zumindest ein Großteil der Kunden keine Negativzinsen mehr zahlen muss. Ein weiteres Institut hat die vollständige Abschaffung beschlossen, die Negativzinsen entfallen zum 1. August.

Unter den Geldhäusern, die die Wende eingeleitet haben, sind demnach neben Online-Banken vor allem viele regionale Institute, darunter mehrere Sparda- und PSD-Banken sowie auch Volksbanken und Sparkassen.

Lohnt sich das Sparen wieder?

Für Bankkunden ist das absehbare Ende der Negativzinsen eine gute Nachricht. Auch können Sparerinnen und Sparer wegen der EZB-Zinswende auf steigende Zinsen für Festgeld und Co. hoffen. "Wenn die Zinsen künftig steigen, wird das Geschäft mit Spargeldern für die Banken wieder attraktiv. Die ersten Institute bringen sich dafür jetzt schon in Stellung", erläuterte Maier. 

Allerdings nagt nun die hohe Inflation am Ersparten, sie frisst die Zinserträge auf. Denn der sogenannte Realzins - also das, was von der Verzinsung unter Berücksichtigung der Inflationsrate übrigbleibt - liegt deutlich im negativen Bereich. Um reale Rendite zu erwirtschaften, müsste der Zins über der Inflationsrate liegen, sonst verliert das angelegte Geld weiter an Wert.        

Die Deutsche Bundesbank rechnet für das Gesamtjahr 2022 mit einer Inflationsrate von 7,1 Prozent in Europas größter Volkswirtschaft. Die EU-Kommission rechnet laut ihrer gestern aktualisierten Prognose für das laufende Jahr nun mit einer Inflation von 7,6 Prozent im Euroraum und sogar 7,9 Prozent in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juli 2022 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.