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Bahnstreik Unverständnis und Kritik an der GDL

Stand: 11.08.2021 18:37 Uhr

Es sind harte zwei harte Tage für Bahnkunden: Denn der Streik der Lokführer sorgt dafür, dass viele Züge nicht fahren. "Völlig überzogen" findet die Bahn den Arbeitskampf. GDL-Chef Weselsky verteidigt sich gegen die Kritik.

Der Streik der Lokführer sorgt weiter für massive Probleme bei der Bahn. Im Fernverkehr wurden drei Viertel der Fahrten gestrichen, auch im Regionalverkehr und bei der S-Bahn müssen Fahrgäste erhebliche Einschränkungen hinnehmen.

Für die Bahn ist der Streik "völlig überzogen und völlig unangemessen", wie Unternehmenssprecher Achim Stauß bei tagesschau24 sagte. Dennoch tue die Bahn alles, was möglich sei. Er forderte die GDL auf, Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu nehmen. In Richtung der Lokführergewerkschaft GDL sagte Stauß: "Wir müssen weiter verhandeln." Man sei nicht weit voneinander entfernt.

In dem durch die aktuellen Streiks eskalierten Tarifstreit warf Stauß der GDL vor, Eigeninteressen gegenüber anderen Bahngewerkschaften zu verfolgen. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will die GDL in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky offenbar auch bei den Mitarbeitern im Machtkampf mit der EVG punkten.

Streit um Laufzeit

Die GDL fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. "Wir erwarten Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit", sagte Weselsky. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen.

Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Neues Angebot gefordert

Weselsky fordert ein neues Angebot von der Bahn. Die Offerte mit einer Laufzeit von 40 Monaten bedeute eine Entwertung des Tarifs über die Länge der Laufzeit von unter einem Prozent im Jahr. "Das ist für uns nicht verhandelbar", sagte Weselsky. Ob es zu weiteren Streiks kommen wird, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. "Das entscheidet das Bahnmanagement", sagte Weselsky. Wenn das Angebot der Bahn sich verbessern sollte, würde die GDL an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Gegen Kritik des Fahrgastverbands Pro Bahn, die Streiks seien zu kurzfristig angekündigt worden, wehrte sich Weselsky. "Es gibt keinen Zeitpunkt, wo ein Streik gut ist für die Kunden." Die GDL habe das Wochenende im Blick gehabt und sich deswegen für einen Streik unter der Woche entschieden. Zudem habe die GDL bewusst auf Streiks im Winter und Frühling verzichtet aufgrund der Corona-Situation.

EVG: Viel Unverständnis für den Streik

Kritik an der GDL gibt es auch von der EVG. "Für den Streik haben nach unseren Berechnungen so um die 5000 Bahnbeschäftigte gestimmt", erklärte der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Klaus Hommel. Ihm sei aus dem Unternehmen sehr viel Unverständnis für den Streik der Lokführer vermittelt worden, sagte er. In dem Arbeitskampf gehe es nicht um eine normale Tarifrunde, sondern um den Existenzkampf der GDL. Deren Chef Weselsky habe das Ziel ausgegeben, die EVG aus dem Unternehmen zu drängen, meinte Hommel.

Probleme für die Lieferketten und volle Züge

Laut Bahn gefährdet der Streik auch die Lieferketten der deutschen und europäischen Industrie. Momentan stünden rund 190 Güterzüge im Stau, berichtete das Unternehmen. Mit großem Aufwand und enger Zusammenarbeit mit anderen Bahnbetrieben fahre die Güterverkehrs-Tochter DB Cargo die versorgungsrelevanten Züge etwa zu Kraftwerken oder großen Industriebetrieben.

Sorgen bereitet in Corona-Zeiten der Platzmangel in den wenigen verbliebenen Zügen. "Die Züge werden dadurch natürlich voller als sie es sonst sind. Das macht die Sache nicht gerade leichter, denn wir versuchen ja in Pandemiezeiten möglichst viel Abstand zu bieten", sagte ein Bahnsprecher.

Für die Kunden dürfte es bis zum Ende des Streiks in der Nacht zum Freitag weiter eng und unbequem bleiben: Auch am Donnerstag rechnet die Bahn mit vielen Zugausfällen. Laut Ersatzfahrplan werden erneut drei Viertel der Fernzüge nicht fahren, während es in den Regio-Netzen zu unterschiedlich Störungen kommen soll. Die Bahn setzt nach eigenen Angaben alles daran, am Freitag wieder den Regelbetrieb zu fahren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. August 2021 um 15:00 Uhr.