Autounfall | picture alliance / Geisler-Fotop

Schnäppchenjagd hat begonnen Autoversicherungen werden günstiger

Stand: 20.10.2021 08:17 Uhr

Alles wird teurer. Alles? Nicht ganz. Die Preise für Autoversicherungen zum Beispiel sind zuletzt gesunken. Das hängt mit der alljährlichen Wechselsaison zusammen. Was sollten Verbraucher beachten?

Alle Jahre wieder, wenn es Herbst wird und die Blätter von den Bäumen fallen, tobt die Schlacht der Autoversicherer um neue Kunden. Denn bis zum 30. November können Versicherte fristgerecht zum Jahreswechsel kündigen, um zu einem neuen Anbieter zu wechseln.

Preise schon um bis zu acht Prozent gesunken

Die Schnäppchenjagd nach günstigeren Tarifen bei Autoversicherungen hat bereits begonnen. Wie das Vergleichsportal Verivox in seinem von ihm berechneten Versicherungsindex herausgefunden hat, sind die Preise für neue Kfz-Verträge im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Im mittleren Preissegment beträgt das Minus in den ersten zehn Oktober-Tagen drei bis vier Prozent, im unteren Preissegment liegt der Rückgang sogar bei sieben bis acht Prozent.

Eine ähnliche Entwicklung hat Check24 beobachtet. Demnach ist der durchschnittliche Kfz-Haftpflichtbeitrag um 2,4 Prozent zum Vorjahr auf 279 Euro gefallen. Im Juli waren die Preise noch um 14 Prozent teurer gewesen.

Dank Corona: weniger Fahrten, weniger Unfälle

Als Grund für den Preisrutsch wird die Corona-Pandemie genannt. Wolfgang Schütz, Geschäftsführer von Verivox Versicherungsvergleich, spricht von einer "verzögerten Corona-Entlastung, die im letzten Jahr noch ausgeblieben war". 2020 gingen die Ausgaben für Schäden in der Autoversicherung um rund neun Prozent zurück. Die so genannte Schadenkostenquote fiel von 98,4 auf 90 Prozent. Kein Wunder: Im Lockdown wurde weniger mit dem Auto gefahren, folglich gab es auch weniger Unfälle auf deutschen Straßen.

Ein paar Versicherer gaben die Einsparungen an die Kunden weiter. Der größte Autoversicherer, die HUK-Coburg, erstattet seinen über acht Millionen Kunden rund 185 Millionen Euro. Die DEVK schreibt ihren Versicherten insgesamt 13 Millionen Euro gut. Allerdings bekommen nur die Kunden, die keinen Schaden gemeldet hatten, Geld zurück.

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Nicht bei allen Versicherern erfolgt eine automatische Rückzahlung. Der zweitgrößte Autoversicherer, die Allianz lehnt eine Rückerstattung ab. Viele Versicherer erstatten nur dann einen Teil des Beitrags, wenn der Versicherte weniger Kilometer gefahren ist als erwartet.

Finanztip: großes Sparpotenzial bei Wechsel

Dank des "Corona-Effekts" lässt sich also in diesem Jahr viel Geld sparen bei einem Wechsel der Autoversicherung. "Vor allem, wenn der letzte Versicherungswechsel lange her ist, ist das Sparpotenzial groß", weiß Kathrin Gotthold, Versicherungsexperten des Portals Finanztip. Sie rät dazu, im Internet die Angebote der Kfz-Versicherer zu vergleichen. Den besten Preis fand Finanztip durch die Kombination der Angebote des Vergleichsportals Verivox und des Direktversicherers HUK24.

Damit die neue Autoversicherung nicht zum bösen Erwachen führt, sollte sie eine Kfz-Haftpflicht mit 100 Millionen Euro für Sachschäden und 15 Millionen Euro je geschädigter Person beinhalten. Das empfiehlt der ADAC. Ebenso sollte ein erhöhter Haftpflichtschutz für Mietwagenschäden im europäischen Ausland eingeschlossen sein. Zudem rät der ADAC, für Unfälle wegen Kollisionen mit Tieren aller Art versichert zu sein. Auch der Schutz bei grober Fahrlässigkeit sollte nicht eingeschränkt sein.

Kosten sparen auch ohne Tarifwechsel

Selbst ohne Wechsel lassen sich die Kosten für die Kfz-Versicherung senken. Wer zum Beispiel die gesamte Police nicht monatlich, sondern jährlich mit einem Schlag zahlt, spart zehn Prozent Geld. Und wer das Auto selbst fährt und es nicht mit anderen Familienmitgliedern teilt, für den verbilligt sich ebenfalls die Police. Besitzer von älteren Fahrzeugen (älter als zwölf Jahre) sollten sich überlegen, ob eine Kaskoversicherung noch Sinn macht.

Außerdem können bei Tarifen mit Werkstattbindung die Kosten um zehn bis 20 Prozent gedrückt werden. Für vorsichtige Autofahrer können sich auch Telematik-Tarife rechnen. Hier gewähren die Versicherer Nachlässe von zehn bis 30 Prozent. Einziger Nachteil: Der Autofahrer wird überwacht. Er muss einen digitalen Sensor im Wagen oder eine Handy-App installiert haben, die den Fahrstil des Autolenkers prüfen.

Über dieses Thema berichtete HR-Fernsehen am 19. November 2020 um 18:45 Uhr.