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Ende für UKW-Radios? Digitalradio-Pflicht für Neuwagen

Stand: 21.12.2020 14:42 Uhr

Seit Montag sind Autohersteller verpflichtet, in Neuwagen den Zugang zum DAB+-Signal zu ermöglichen. Damit soll die Verbreitung des digitalen Radios gefördert werden.

Deutsche Autobauer sind ab heute dazu verpflichtet, alle Neuwagen mit DAB+ auszustatten - dazu zählen neben Autos auch Wohnmobile, Krankenwagen, Rettungsfahrzeuge und Busse. Befürworter erhoffen sich dadurch einen enormen Schub für die Verbreitung des Digitalradios. Mit der Änderung des Telekommunikationsgesetzes vom November 2019 setzt der Bund geltendes EU-Recht um.

Künftig müssen Radios in Fahrzeugen sowie neue stationäre Radiogeräte mit Display den Empfang und die Wiedergabe von DAB+ möglich machen. Das soll einheitliche Standards und einen langfristigen europaweiten Zugang zum digitalen Rundfunk sicherstellen. Zudem wollen Bund und Länder verhindern, dass Streaming-Angebote dem klassischen Rundfunk weiter den Rang ablaufen. Radios, die schon vorher im Handel erhältlich waren, sowie gebrauchte Geräte dürfen jedoch noch verkauft werden.

Bisher kein Datum für UKW-Abschaltung

Seit Jahren wird in Deutschland über den Umstieg des analogen UKW-Radios über Antenne auf das Digitalradio gestritten. Im Vergleich zum UKW-Radio hat der DAB+-Standard eine bessere Qualität im Empfang und Klang sowie eine größere Sendervielfalt. Auch die Verbreitungskosten sind geringer. Kritiker sind der Meinung, bei der Digitalisierung des Rundfunks solle direkt auf Internet-Streaming gesetzt werden. Zudem werden ein Rückgang der Reichweite und damit sinkende Werbeeinnahmen befürchtet.

In Deutschland sind aktuell mehr als 260 unterschiedliche lokale und überregionale Programme über DAB+ verfügbar. Fast ein Viertel der Haushalte haben laut Digitalisierungsbericht Audio 2020, der im Auftrag der Landesmedienanstalten angefertigt wurde, bereits jetzt einen digitalen Radio-Empfänger mit DAB+-Standard.

Sujetbild Digitalradio |

Viele Menschen in Deutschland nutzen bereits ein digitales Radio.

Die Zahl in deutschen Autos und Haushalten stieg der Studie zufolge im Vergleich zum Vorjahr um eine Million auf knapp zehn Millionen DAB+-Radios. Mit insgesamt über 125 Millionen Geräten liege UKW weiterhin deutlich vor DAB+ (16,6 Millionen). Die Entwicklung gehe aber in Richtung digitaler Empfang.

Für den UKW-Rundfunk ändert sich durch die neue Digitalradio-Pflicht zunächst nichts. Ein Abschaltungsdatum gibt es in Deutschland noch nicht. In anderen Ländern sieht das anders aus: Norwegen etwa hat das landesweite UKW-Netz bereits 2018 abgeschaltet. Die Schweiz plant die Umstellung bis 2023.

100 Jahre Radio in Deutschland

Pünktlich zum 100-jährigen Geburtstag steht das Medium also vor einem technischen Wandel. Am 22. Dezember 1920 hatten sich Postbeamte auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin zu einem Weihnachtskonzert versammelt - die Live-Übertragung ihrer Musik gilt als erste deutsche Rundfunksendung.

Bisher habe das Radio aber jede Neuerung gut überstanden, auch der Konkurrent Fernsehen habe ihm nicht geschadet, sagte Florian Schütz der Deutschen Presse-Agentur. Er ist einer der beiden Kuratoren der Ausstellung "On Air. 100 Jahre Radio" im Museum für Kommunikation Berlin.

"Es gibt Algorithmen, es gibt die Digitalisierung, es gibt Audio on demand und all diese Dinge, die auch wiederum als Bedrohung für das Radio wahrgenommen werden. Aber eigentlich ist es nur Definitionssache, was Radio dann irgendwann sein wird. Der Konsum von Audio als Medium wird bleiben", sagt Schütz. Allein 2020 wurden laut Branchenverband gfu 3,6 Millionen Empfänger verkauft. In 94 Prozent aller Haushalte steht mindestens ein Radio.