Mitarbeiter der Müllabfuhr rollen Tonnen zum Müllauto | dpa

Weniger Wettbewerb Kartellamt warnt vor Müll-Verteuerung

Stand: 21.12.2021 16:42 Uhr

Der Wettbewerb um Aufträge für Abfallentsorgung lässt nach. Als mögliche Folge der geringeren Konkurrenz warnt das Bundeskartellamt vor steigenden Preisen bei der Sammlung von Haushaltsabfällen.

Bei der Sammlung und dem Transport von Haushaltsabfällen gibt es nach einer Untersuchung des Bundeskartellamts immer weniger Wettbewerb. "Für die Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Es kann teuer werden", warnte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Bereits Ende 2006 hatte die Behörde eine Sektoruntersuchung zum Thema Haushaltsabfälle gestartet. Dabei wurde sowohl Verpackungsmüll privater Haushalte (Altglas und Leichtverpackungen) als auch kommunaler Abfall wie Rest- und Biomüll, Papier sowie Sperrmüll analysiert. Das Ergebnis: In allen Bereichen hat der Wettbewerb in den vergangenen Jahren abgenommen.

Kartellamt will "wenn nötig einschreiten"

Besonders bei Verpackungsabfällen und Altglas sind die Märkte demnach regional teils stark konzentriert. Zwischen 2012 und 2018 seien die Preise für die Erfassung inflationsbereinigt um rund ein Viertel gestiegen. Zudem ist die Anzahl der bietenden Unternehmen im Rahmen von Ausschreibungen rückläufig: von vier bis fünf Bietern 2006 auf zwei bis drei Bieter im Jahr 2018. Auch bei der Erfassung von Haushaltsabfällen wie Rest- und Biomüll, Papier sowie Sperrmüll sinke die Wettbewerbsintensität, erklärte das Bundeskartellamt. Die Ausschreibungen von Sammlung und Transport stießen auf immer weniger Interesse.

Dabei sei ein funktionierender Wettbewerb der Garant für effizientere Produktion, bessere Preise, höhere Qualität und mehr Innovationsdynamik. "Die Entsorgungsmärkte haben eine enorme wirtschaftliche Bedeutung", sagte Mundt. Für die steigenden Kosten auf Entsorgungsmärkten müssten letztlich die Verbraucher in Form von höheren Produktpreisen oder Abfallgebühren aufkommen. Auch wegen Löchern in den kommunalen Kassen durch die Corona-Krise wollen etwa 40 Prozent der Städte und Gemeinden einer EY-Umfrage zufolge die Abgaben für die Wasserversorgung und die Müllabfuhr erhöhen.

"Im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten werden wir deshalb die Marktentwicklung aufmerksam im Blick behalten und wenn nötig einschreiten", so das Kartellamt. Allerdings unterlägen viele Übernahmen kleiner Entsorgungsunternehmen derzeit noch nicht der Fusionskontrolle durch das Bundeskartellamt, da die übernommenen Unternehmen oft nicht die für eine behördliche Kontrolle gesetzlich vorgegebenen Mindestumsätze erzielten.

Pro Haushalt 476 Kilogramm Abfall

Im Jahr 2020 ist der Abfall der privaten Haushalte in Deutschland um vier Prozent auf insgesamt 39,6 Millionen Tonnen gestiegen, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte. Das Pro-Kopf-Aufkommen sei nach vorläufigen Daten um 19 Kilogramm auf 476 Kilogramm geklettert. Steigerungen gab es bei allen Abfallarten - vor allem bei Bioabfällen sowie Wertstoffen. Dazu zählen etwa Papier, Pappe und Plastikabfälle.

Die beiden Bereiche legten 2020 jeweils um sechs Kilogramm zu. Beim Hausmüll (Restmüll) gab es ein Plus von vier Kilogramm und beim Sperrmüll von drei Kilogramm. Jeweils rund ein Drittel der eingesammelten Abfälle waren Restmüll oder Wertstoffe. 27 Prozent waren Bioabfälle, sieben Prozent Sperrmüll und weniger als ein Prozent waren sonstige Abfälle wie Batterien und Farben.

Auch für 2021 erkennt der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) die Zunahme von Glas-, Papier- und Kunststoffmüll durch ein verändertes Verbraucherverhalten. Seit Beginn der Pandemie habe die Altglasmenge insgesamt um fast sieben Prozent sowie Leichtverpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundmaterialien im Schnitt um 6,5 Prozent zugenommen, wie aus einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen hervorgeht. Ein besonderes Ärgernis sei, dass Kartons aus dem Online-Versand oft nicht mehr zusammengefaltet würden und die Disziplin bei der Mülltrennung generell nachlasse. Zu Weihnachten erwartet der BDE eine noch stärkere Zunahme des Haushaltsmülls.

Über dieses Thema berichtete NDR1 Niedersachsen am 07. Dezember 2021 um 08:00 Uhr.