Ein 9-Euro-Ticket ist vor einem Fahrkartenautomaten zu sehen | dpa

Nachfolger für 9-Euro-Ticket 69 Euro - oder wie viel darf es kosten?

Stand: 15.07.2022 13:51 Uhr

Die Ampelregierung feiert das 9-Euro-Ticket als vollen Erfolg und will einen Nachfolger. Doch wie soll der aussehen? Auf den Vorschlag der Verkehrsunternehmen für ein 69-Euro-Ticket reagiert das Verkehrsministerium eher verhalten.

Das Bundesverkehrsministerium hat zurückhaltend auf den Vorschlag für ein bundesweites 69-Euro-Ticket im Anschluss an das laufende 9-Euro-Ticket reagiert. Es gebe ein festes Verfahren für die Beratungen zu Zukunft und Finanzierung des Nahverkehrs, teilte das Ministerium mit.

Das 9-Euro-Ticket und seine Auswirkungen müssten genauer analysiert und auch der Frage nachgegangen werden, was der größte Anreiz des Tickets sei. Es sei mit mehr als 31 Millionen Verkäufen aber bereits jetzt ein Riesenerfolg.

Zwei Milliarden Mehrkosten pro Jahr

Der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) hatte vorgeschlagen, ab September als Anschluss ein Ticket für 69 Euro pro Monat anzubieten. Es soll - wie das 9-Euro-Ticket - in ganz Deutschland in allen Regionalzügen, U- und S-Bahnen, Trams und Bussen gelten.

Die Verkaufszahlen des 9-Euro-Tickets und weitere Erkenntnisse zeichneten bereits ein scharfes Bild von den Möglichkeiten und Grenzen einer bundesweit gültigen Anschlusslösung, sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. "Diese muss bundesweit gültig sein, entlastend wirken - und darf nicht in Konkurrenz zum Ausbau des Angebots im Öffentlichen Nahverkehr stehen."

Klar sei, dass ein Ticket für neun Euro nicht länger als drei Monate finanzierbar sei. Die Branche sei aber in der Lage, ab September ein solches Klimaticket für 69 Euro anzubieten. Die jährlichen Mehrkosten würden bei etwa zwei Milliarden Euro liegen. Für dieses Jahr ließen sich diese Kosten noch über den mit der Politik ausgehandelten Rettungsschirm für die Verkehrsunternehmen finanzieren. "Für das neue Jahr braucht es dann eine neue Regelung", so Wolff.

Lang: "Es braucht eine Anschlussregelung"

Auch aus den Reihen von SPD und Grünen kamen bereits Forderungen nach einem Nachfolgeangebot für das 9-Euro-Ticket. So signalisierte Grünen-Chefin Ricarda Lang Unterstützung für das nun vorgeschlagene 69-Euro-Ticket: "Über das Modell werden wir in der Koalition beraten, klar ist aber: Es braucht eine Anschlussregelung, die wie vom Bundesverkehrsminister vorgeschlagen möglichst bundeseinheitlich gilt und dabei günstig ist, also auch sozial", sagte sie der "FAZ".

Dabei stehe die Regierung aber vor der Aufgabe, zwei Ziele gleichzeitig erreichen zu müssen. "Wir wollen ein günstiges Ticket und gleichzeitig die Qualität des Angebots verbessern, das heißt in die Infrastruktur investieren."

Müller: "Es muss sich lohnen, das Auto stehen zu lassen"

Auch SPD-Fraktionsvizechef Detlef Müller plädierte im Gespräch mit dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" für eine Nachfolgeregelung. "Ob ein Anschlussticket dann 39, 49 oder 69 Euro kostet, ist zweitrangig", sagte er. "Es muss aber in einem Rahmen sein, der psychologisch wirkt und sich für Menschen lohnt, ihr Auto stehen zu lassen."

Müller schlug vor, bis zur Verkehrsministerkonferenz im Herbst einen Vorschlag für eine Fortsetzung des Tickets und deren Finanzierung zu entwickeln. "Ich fände es gut, wenn Bund und Länder sich auf ein dauerhaftes Modell verständigen könnten, an dem sich die Länder jedoch ähnlich beteiligen wie bei dem Corona-Rettungsschirm." Die Frage der Finanzierung sei wichtiger als die Frage, wann ein neues Angebot starte. "Denn klar ist, dass ein preiswertes Ticketangebot nicht zulasten des Ausbaus und des Betriebs im ÖPNV finanziert werden kann."

Linke und Greenpeace fordern niedrigeren Preis

Der Linken-Abgeordnete Bernd Riexinger schrieb auf Twitter, ein 69-Euro-Ticket sei zu teuer.

Auch die Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete den Vorschlag der Verkehrsunternehmen als zu teuer. "Es ist eine gute Nachricht, dass sich auch der VDV für eine dauerhafte Nachfolge des 9-Euro-Tickets ausspricht, doch der vorgeschlagene Preis liegt viel zu hoch", betonte Greenpeace-Verkehrsexpertin Marissa Reiserer.

"Damit ein Klimaticket Haushalte wirklich entlastet und gleichzeitig eine wirtschaftlich attraktive Alternative zum eigenen Auto bietet, darf es nicht mehr als einen Euro pro Tag kosten." Angesichts der für viele Haushalte bedrohlich steigenden Nebenkosten müsse ein solches Ticket sofort auf den Weg gebracht werden, damit es im Herbst weiter verfügbar sei, so Reiserer.

Über dieses Thema berichteten am 15. Juli 2022 die tagesschau um 14:00 Uhr und Deutschlandfunk um 14:00 Uhr in den Nachrichten.