Werbeaufsteller für das 9-Euro-Ticket steht vor Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn | AP

Vorschlag der Verkehrsunternehmen Kommt ab September das 69-Euro-Ticket?

Stand: 15.07.2022 09:00 Uhr

Das 9-Euro-Ticket ist ein großer Erfolg - aber wie es ab September weitergehen soll, ist noch unklar. Geht es nach den Verkehrsunternehmen, soll es weiterhin ein bundesweites Ticket geben. Allerdings zu einem deutlich höheren Preis.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat sich für ein dauerhaftes 69-Euro-Ticket als Nachfolger des 9-Euro-Tickets ausgesprochen. Die Fahrkarte soll bundesweit für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gelten. Auch aus der SPD kamen Forderungen nach einem Nachfolgeangebot. Zunächst müsse aber die nachhaltige Finanzierung geklärt sein.

"Ausgehend von der Prämisse, dass die ÖPNV-Tarife der Verkehrsverbünde für das Gros der Fahrgäste weiterhin attraktiv sein werden, schlagen wir insbesondere für diejenigen, die sich in der Marktforschung als relevante Zielgruppe erwiesen haben - zahlungswillige Autofahrerinnen und -fahrer - ein bundesweit gültiges ÖPNV-Klimaticket für 69 Euro pro Monat als einfache Fahrtberechtigung der 2. Klasse vor", teilte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff mit. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) darüber berichtet.

Kosten auf zwei Milliarden Euro jährlich geschätzt

Anders als das 9-Euro-Ticket würde die 69-Euro-Fahrkarte nicht automatisch für Abonnenten gelten, hieß es. Fahrgäste müssten vielmehr abwägen, welches Abo für sie am besten passe. "Die Branche ist in der Lage, ab dem 1. September ein solches Klimaticket anzubieten", sagte Wolff. "Dafür bräuchten wir allerdings sehr schnell den entsprechenden Auftrag seitens der Politik."

Die Kosten für ein solches Angebot bezifferte Wolff auf rund zwei Milliarden Euro im Jahr. Für dieses Jahr ließen sich diese Kosten noch über den mit der Politik ausgehandelten Rettungsschirm für die Verkehrsunternehmen finanzieren. "Für das neue Jahr braucht es dann eine neue Regelung."

Mit dem 9-Euro-Ticket können Fahrgäste noch bis Ende August für 9 Euro pro Monat im ÖPNV durch ganz Deutschland fahren. Im Juni nutzten laut VDV 31 Millionen Menschen den günstigen Tarif, unter ihnen zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die das vergünstigte Ticket automatisch erhalten. 

"Es muss sich lohnen, das Auto stehen zu lassen"

Grünen-Chefin Ricarda Lang signalisierte Unterstützung für eine Nachfolgeregelung: "Über das Modell werden wir in der Koalition beraten, klar ist aber: Es braucht eine Anschlussregelung, die wie vom Bundesverkehrsminister vorgeschlagen möglichst bundeseinheitlich gilt und dabei günstig ist, also auch sozial", sagte sie der "FAZ". Dabei stehe die Regierung aber vor der Aufgabe, zwei Ziele gleichzeitig erreichen zu müssen. "Wir wollen ein günstiges Ticket und gleichzeitig die Qualität des Angebots verbessern, das heißt in die Infrastruktur investieren."

Auch SPD-Fraktionsvizechef Detlef Müller plädierte im Gespräch mit dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" für eine Nachfolgeregelung. "Ob ein Anschlussticket dann 39, 49 oder 69 Euro kostet, ist zweitrangig", sagte er. "Es muss aber in einem Rahmen sein, der psychologisch wirkt und sich für Menschen lohnt, ihr Auto stehen zu lassen."

Müller schlug vor, bis zur Verkehrsministerkonferenz im Herbst einen Vorschlag für eine Fortsetzung des Tickets und deren Finanzierung zu entwickeln. "Ich fände es gut, wenn Bund und Länder sich auf ein dauerhaftes Modell verständigen könnten, an dem sich die Länder jedoch ähnlich beteiligen wie bei dem Corona-Rettungsschirm." Die Frage der Finanzierung sei wichtiger als die Frage, wann ein neues Angebot starte. "Denn klar ist, dass ein preiswertes Ticketangebot nicht zulasten des Ausbaus und des Betriebs im ÖPNV finanziert werden kann."

Der Linken-Abgeordnete Bernd Riexinger schrieb auf Twitter, ein 69-Euro-Ticket sei zu teuer.

Über dieses Thema berichteten am 15. Juli 2022 die tagesschau um 09:00 Uhr und BR24 ebenfalls um 09:00 Uhr sowie um 09:30 Uhr.