Yanis Varoufakis

Varoufakis tritt zurück "Minister No More!"

Stand: 06.07.2015 09:42 Uhr

Aus Sicht der Gläubiger war er sicher der umstrittenste Verhandlungspartner: Griechenlands Finanzminister Varoufakis. Einen Tag nach dem Erfolg der Regierung beim Referendum kündigte er nun seinen Rücktritt an. Er begründete dies mit der ablehnenden Haltung der Eurogruppe.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat trotz des eindeutigen Votums der Griechen für den Kurs der Regierung seinen Rücktritt angekündigt. In einer kurzen Stellungnahme teilte er mit, einige Mitglieder der Eurogruppe hätten ihm klar gemacht, dass sie es vorziehen würden, wenn er nicht mehr an ihren Treffen teilnehmen werde.

Sein Abschied sei von Ministerpräsident Alexis Tsipras als "potenziell hilfreich" betrachtet worden, weshalb er heute das Finanzministerium verlasse. "Wir von der Linken verstehen etwas davon, kollektiv zu handeln, ohne sich um Amtsprivilegien zu kümmern", schrieb Varoufakis weiter. "Ich werde Ministerpräsident Tsipras, den neuen Finanzminister und unsere Regierung voll unterstützen." Die Abscheu der Gläubiger wolle er mit Stolz tragen.

Tsipras habe Varoufakis den Rücktritt nahegelegt, bestätigte ARD-Korrespondent Mike Lingenfelser. Gestern Abend soll der Ministerpräsident ziemlich erzürnt über den Fernsehauftritt von Varoufakis gewesen sein, weil er sich wieder mit Kampfrhetorik und aggressiver Gestik gegenüber Brüssel geäußert hat. Tsipras könne sich dies momentan nicht leisten. Er brauche Rückenwind für die Verhandlungen in Brüssel. Für ein besseres Verhandlungsklima stehe ihm Varoufakis einfach im Weg.

Für die EU-Kollegen ein kaum tragbarer Verhandlungspartner

61,31 Prozent der griechischen Wähler stimmten laut offiziellem Endergebnis bei dem Referendum vom Sonntag mit "Nein" und damit gegen die Reformvorschläge, 38,69 dafür. Für den Fall einer Zustimmung zu den Gläubigerplänen hatte Varoufakis bereits im Vorfeld seinen Rücktritt angekündigt, nach dem Nein kam die Entscheidung aber überraschend.

Allerdings sorgt der linke Politiker seit Monaten mit seinem konfrontativen Stil und seiner scharfen Rhetorik beim Internationalen Währungsfonds und in der Eurogruppe für Verärgerung. Unter anderem hatte der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz Varoufakis zuletzt deutlich kritisiert. Im tagesthemen-Interview vom Sonntagabend nannte Schulz Varoufakis nicht einmal mehr beim Namen, sondern sprach nur noch von "diesem Finanzminister" und warf ihm "Kompromisslosigkeit" vor.

Varoufakis in der Nacht auf den Weg in den Amtssitz des griechischen  Ministerpräsidenten Tsipras

Yanis Varoufakis in der Nacht auf dem Weg in den Amtssitz des griechischen Ministerpräsidenten

IWF-Chefin Christine Lagarde sehnte Mitte Juni, nachdem erneut eine Gesprächsrunde zur Griechenland-Rettung gescheitert war, einen "Dialog unter Erwachsenen" herbei.

Erst am Samstag hatte Varoufakis in einem Interview den Geldgebern "Terrorismus" vorgeworfen und sie beschuldigt, auf ein Ja bei der Volksabstimmung zu drängen, um die Griechen "weiter demütigen" zu können. Zugleich hatte er sich zuversichtlich gezeigt, dass es nach einer Ablehnung der Spar- und Reformauflagen der Geldgeber rasch eine Einigung auf weitere Finanzhilfen geben werde.

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KOMMENTARE

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NH278 06.07.2015 • 11:47 Uhr

10:58 von Nachfragerin

"Wenn in einem Land jeder ersparte Euro in die Rückzahlung von Krediten fließt, führt das zwangsläufig zu einem Ruin der Wirtschaft" Irrtum. Griechenland brauchte bisher nur sehr wenig zu tilgen, gerade mal einige Raten an den IWF, die, wenn man nicht rumgebockt hätte, von den europäischen Gläubigern umgeschuldet worden wären. Jetzt allerdings werden Konsequenzen folgen: die EU (in diesem Fall der EFSF) wird 145 Mrd fällig stellen, und Ende Juli folgt dann die EZB mit der Fälligstellung von Krediten, weil die Verträge platzen und diese Institutionen ihren eigenen Statuten folgen müssen. Finanzielle Hilfen wird es nicht geben, lediglich Hilfe humanitärer Art. Und die wird in Kürze bitter nötig sein. An die Zeiten, wo man "nur" das Problem hatte, zu wenig Geld aus den Automaten ziehen zu können, wird man in GR bald wehmütig hinterhertrauern bei dem, was dem Land jetzt bevorsteht.