Schriftzug eines Vapiano-Restaurants | Bildquelle: dpa

Solider Start Vapiano ist jetzt an der Börse

Stand: 27.06.2017 09:37 Uhr

So bitte nicht! Aktien der Restaurant-Kette Vapiano haben an ihrem ersten Börsentag zeitweise ins Minus gedreht. Anleger haben durchaus Grund, die Aktie zu meiden.

23,95 Euro lautete der erste Kurs der Vapiano-Aktie. Bei 24 Millionen Aktien kam das Unternehmen damit auf einen anfänglichen Marktwert von rund 575 Millionen Euro.

Weitere Kursinformationen zu Vapiano

Doch schon im Laufe der ersten Handelsstunde rutschte die Vapiano-Aktie unter ihren Ausgabepreis, bis auf 22,52 Euro. Der Ausgabepreis hatte mit 23 Euro ohnehin schon eher am unteren Ende der ursprünglichen Preisspanne von 21 bis 27 Euro gelegen - und war damit ein erstes Indiz für eine eher maue Nachfrage nach dem Papier gewesen. Zum Ende des Xetra-Handels notierte der Börsenneuling bei 24,00 Euro.

Negatives Signal

Dass die Konsortialbanken am ersten Handelstag Schwierigkeiten hatten, den Kurs über Ausgabepreis zu halten, ist eindeutig ein negatives Signal.

Ein Blick in den Börsenprospekt verrät indes, warum Anleger guten Grund haben, bei dieser Aktie zurückhaltend zu agieren: Denn das groß propagierte Umsatzwachstum der letzten zwei Jahre von 28 Prozent hält einer näheren Betrachtung nicht stand.

Die Wahrheit hinter den 28 Prozent

Das hohe Wachstum beruht nämlich lediglich auf dem aggressiven Rückkauf der Lizenzen von Franchisenehmern: 2014, als sie noch Franchisenehmern gehörten, fanden sich die Umsätze dieser Restaurants noch nicht in der Vapiano-Bilanz wieder. 2016 tauchen sie dann plötzlich auf.

Näher dran an der für die Vapiano-Aktionäre relevanten Wahrheit sind da schon die "Total System Sales", die Gesamtumsätze aller Vapiano-Restaurants: Diese wuchsen 2014 bis 2016 mit einer jährlichen Rate von lediglich 8,6 Prozent.

Von wegen Gewinn!

Hinzu kommt: Dieses Wachstum wurde teuer erkauft: Der Gewinn der Gruppe brach von 6,9 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 0,3 Millionen Euro im Jahr 2016 ein.

Und dabei handelt es sich um den Gewinn der Gruppe. Der den Aktionären zurechenbare Gewinn fiel mit minus 0,57 Millionen Euro zuletzt sogar negativ aus!

Geldsegen für Altaktionäre

Unterm Strich hat die Restaurantkette mit ihrem Börsengang rund 184 Millionen Euro bei den Anlegern eingesammelt. Über eine Kapitalerhöhung wurden knapp 3,7 Millionen Anteile platziert. Dem Unternehmen selbst fließen damit brutto 85 Millionen Euro zu.

Der Rest geht an die Alteigentümer, darunter Firmengründer Gregor Gerlach. Er hatte Vapiano vor 15 Jahren in Hamburg gestartet; mittlerweile betreibt die Pizza- und Pastakette 185 Restaurants in 31 Ländern rund um den Globus.

Lackmustest für Freitag

Der Vapiano-Börsengang gilt vielen Marktbeobachtern als Lackmustest für den Börsengang von Delivery Hero an diesem Freitag. Der Essenslieferant aus dem Rocket-Internet-Reich will bis zu einer Milliarde Euro bei den Anlegern einsammeln.

ag

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: