Nach Herabstufung der USA 2011 Erstaunlich schnell vom Schock erholt

Stand: 14.01.2012 01:17 Uhr

Auch die USA haben Erfahrung mit einem verlorenen A: Im August 2011 gab es von Standard & Poor's statt der Bestnote AAA nur noch ein AA+. Damals löste das viel Hektik aus, die Börsen überschlugen sich. Dies ist heute fast vergessen - mit der US-Wirtschaft geht es bergauf.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

US-Flaggen an der Wall Street
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Der Dow-Jones-Index verlor nach der Herabstufung im August 5,6 Prozent.

Es war ebenfalls ein  Freitag - nicht der 13., sondern der 5. August 2011. Nach Börsenschluss gab Standard & Poor's bekannt, dass den USA nun ein A fehlt. Der Titel Top-Schuldner war dahin, zum ersten Mal seit 70 Jahren. Die Aufregung war groß. Präsident Barack Obama trat vor die Kamera und beeilte sich zu erklären: "Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika und egal was eine Ratingagentur sagt, wir werden immer ein AAA-Land sein."

Als die Börsen am Montag nach der schlechten Nachricht öffneten, ging es zu wie nach einem Feueralarm: nur raus. Aktien wurden abgestoßen wie stinkender Fisch. Der Dow-Jones-Index verlor 5,6 Prozent,  es war der schwärzeste Börsentag seit drei Jahren. Finanzexperten überschlugen sich mit Analysen, was dies nun für die USA bedeute. Die USA müssten nun viel mehr Zinsen für ihre Staatsanleihen zahlen, die Gefahr einer zweiten Rezession drohe.

Herabstufung der USA auf AA+ vor einem Jahr
Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington
14.01.2012 00:32 Uhr

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Aktienmarkt und Staatsanleihen haben sich massiv erholt

Doch es sollte anders kommen: Die US-Wirtschaft erholte sich erstaunlich schnell von dem Schock. Der amerikanische Aktienmarkt hat seit der Rückstufung wieder 20 Prozent zugelegt. Noch erstaunlicher ist die Entwicklung der Staatsanleihen: Statt mehr Zinsen müssen die Amerikaner heute weniger bezahlen, wenn sie ihre Staatsanleihen verkaufen wollen. Wer den Vereinigten Staaten für zehn Jahre sein Geld leiht, bekommt magere 1,8 Prozent Zinsen. Zum Vergleich: Die Franzosen müssen das Doppelte bezahlen.

Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini, der die Finanzkrise vorhergesagt hatte, äußerte auch damals die richtige Einschätzung. Der Verlust des Topratings müsse nicht zwangsläufig zu höheren Zinsen führen, meinte er: "Es muss keine höheren Zinsen geben, im Gegenteil. Die Menschen flüchten in Staatsanleihen, weil sie das Risiko scheuen und eine sichere Anlage suchen."

Auch mit der US-Wirtschaft geht es seitdem weiter bergauf. Die Arbeitslosenquote ging zurück, die Autohersteller haben zehn Prozent mehr Autos verkauft, das Weihnachtsgeschäft war zufriedenstellend.

Rüffel für streitende US-Politiker

Ist es also gar nicht so wichtig, ob man nun AAA oder AA hat? Zumindest lohnt es sich, die Begründung der Agentur aufmerksam zu studieren. Im Falle der USA schrieb Standard & Poor's: Der politische Streit in Washington um Kreditgrenzen, Steuererhöhungen und Einsparungen behindere das Wachstum. Es war also vor allem ein Rüffel für die Politiker, den Präsident Obama durchaus gehört hatte: "Wir brauchen keine Ratingagentur, die uns sagt, dass der Stillstand der letzten Monate nicht sehr förderlich war."

Seitdem hat sich zwar an der politischen Lage in den USA nicht viel geändert, aber man hat einen neuen Schuldigen entdeckt: Wenn etwas der amerikanischen Wirtschaft gefährlich werden kann, dann die Europäer mit ihrer Schuldenkrise. Darin sind sich Demokraten und Republikaner in Washington ausnahmsweise mal einig.

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