Fahnen der USA und Taiwans | Bildquelle: DAVID CHANG/EPA-EFE/Shutterstock

US-Handelsabkommen als Ziel Taiwan will Früchte der Trump-Ära ernten

Stand: 20.11.2020 11:45 Uhr

US-Präsident Trump hat Taiwan in seiner Amtszeit aufgewertet. Daher fiel die dortige Reaktion auf seine Abwahl zurückhaltend aus. Taiwan dringt auf ein Handelsabkommen mit den USA.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Taiwans Schweinezüchter sind sauer auf ihre Chefin, Präsidentin Tsai Ing-wen. Die hatte im Sommer den Weg für Schweinefleisch aus den USA freigemacht. Die Taiwaner fürchten nicht nur die Billigkonkurrenz, sondern auch die mindere Qualität. Denn in den USA wird dem Schweinefutter ein Wachstumsförderer beigemischt.

Doch Taiwan war unter Zugzwang, die Fleischimporte waren eines der Haupthindernisse für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. Wenn dieses Problem aber beseitigt sei, so der Präsident der Amerikanischen Handelskammer Taiwan, Leo Seewald, dann könne man auf ein Handelsabkommen hinarbeiten.

Eine Hand greift nach einer Fleischpackung in einem Supermarkt in Taiwan | Bildquelle: AP
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Die Öffnung für US-Fleischimporte sorgte nicht nur bei den Schweinezüchtern in Taiwan für Ärger.

Annäherung in Trumps Amtszeit

Und weil US-Fleisch vom dem nächsten Jahr an nun auf taiwanische Teller kommt, ist man dem ein ganzes Stück näher gekommen. Unter US-Präsident Donald Trump haben sich beide Länder erheblich angenähert. Nicht zuletzt durch den Handelskrieg zwischen den USA und China ist die Pazifikinsel mit seinen Mikrochips und der Elektronik ein wichtiger und verlässlicher Zulieferer für Hochtechnologie geworden.

"Die Vereinigten Staaten waren schon immer ein wichtiger Wirtschaftspartner für Taiwan", sagte Präsidentin Tsai Anfang November in einer Rede in der Amerikanischen Handelskammer in Taiwan. "In der ersten Jahreshälfte betrug Taiwans Handel mit den USA mehr als der Indiens. Taiwan wurde zum neuntgrößten Handelspartner und elftgrößten Exportmarkt für die USA."

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen spricht in ein Mikrofon | Bildquelle: REUTERS
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Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen betont immer wieder die Bedeutung der Wirtschaftsbeziehungen zu den USA.

Handelsstreit zwischen China und den USA genutzt

Taiwan hat im Handelskrieg zwischen den Großmächten geschickt eine Lücke besetzt: So sperrte es von Anfang an seinen Markt für den chinesischen Mobilfunkanbieter Huawei und empfahl sich dadurch als Partner in sicherheitskritischen Bereichen.

TSMC aus Taiwan, einer der weltweit größten Halbleiterhersteller, will im US-Bundesstaat Arizona für umgerechnet zehn Milliarden Euro eine Chipfabrik bauen. Andersrum wollen die US-Konzerne Google und Microsoft Rechenzentren auf der Insel bauen und viele tausend Arbeitsplätze schaffen.

Präsidentin wirbt für Handelsabkommen

Ein bilaterales Handelsabkommen könnte diese Partnerschaft noch verstärken, so Präsidentin Tsai. "Durch ein solches Abkommen könnten Taiwan und die USA sicherlich Kapital daraus schlagen, dass sich unsere Industrien miteinander ergänzen und letztendlich beiden Ländern Vorteile bringen", sagte sie. Taiwan profitiert zudem davon, dass viele Staaten weltweit ihre Lieferketten überdenken und sich unabhängiger von China machen wollen.

Und dennoch: Trotz aller Erfolge hat Taiwans Wirtschaftspolitik gerade erst einen Dämpfer erhalten. Bei der neuen Regionalen Umfassenden Wirtschaftspartnerschaft (RCEP), einem Freihandelsabkommen zwischen 15 Ländern aus der Region, muss es draußen bleiben, weil schon China Mitglied ist und damit aus Sicht der Volksrepublik automatisch auch Taiwan.

Doch selbst wenn Taiwan verärgert sein sollte, so ließ sich Wirtschaftsministerin Wang Mei-hua davon Anfang der Woche nichts anmerken. "Zum jetzigen Zeitpunkt sollten wir unsere Bemühungen nicht auf eine Mitgliedschaft in der RECP richten", sagte sie.

Ziel ist engere Zusammenarbeit mit Indien

Taiwan arbeitet eher an einer engeren Zusammenarbeit mit Indien, das ebenfalls auf Distanz zu China gegangen ist und sich auch nicht dem Freihandelsabkommen angeschlossen hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

Erstmal konzentriert sich Taiwan jetzt auf die USA und darauf, dass der Wirtschaftsdialog mit den Vereinigten Staaten auch im kommenden Jahr mit dem künftigen Präsidenten Joe Biden weitergeht und vertieft wird.

Wirtschaftsdialog zwischen Taiwan und USA
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
20.11.2020 08:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. November 2020 um 06:50 Uhr.

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