Auch für die Baubranche sah das erste Konjunkturpaket der USA Hilfen vor. | Bildquelle: dpa

Erholung der US-Wirtschaft Was Trump aufs Spiel setzt

Stand: 07.10.2020 17:27 Uhr

Für Präsident Trump kennt die US-Konjunktur nur eine Richtung: aufwärts. Ökonomen halten das politische Gezerre um ein neues Hilfspaket für gefährlich. Was verkraftet die größte Volkswirtschaft der Welt?

Von Philipp Jaklin, tagesschau.de

Donald Trump will keine Zweifel aufkommen lassen: Kurz vor der US-Wahl macht nicht nur seine eigene, sondern auch die ökonomische Genesung des Landes rasante Fortschritte. "Unserer Wirtschaft geht es sehr gut", twitterte der Präsident kurz nach seiner Ankündigung, die Verhandlungen mit den Demokraten über ein neues Hilfspaket für die Konjunktur zu stoppen - während gleichzeitig die Aktienkurse fielen.

"Wir sind weltweit führend in der wirtschaftlichen Erholung", verkündete Trump, der erst vorgestern nach seiner Infektion mit dem Coronavirus wieder ins Weiße Haus zurückgekehrt war, mit dem üblichen Nachdruck. Die Börsen bewegten sich auf Rekordniveau, und auch die Beschäftigung kehre gerade im Rekordtempo zurück, so der Republikaner. Überall Rekorde.

Aber ist die größte Volkswirtschaft der Welt tatsächlich auf einem so strammen Erholungskurs, dass ein neues Konjunkturpaket für die USA viele Wochen oder sogar Monate warten kann - ohne dass schwerer Schaden entsteht für die Vereinigten Staaten oder sogar die Weltwirtschaft?    

Zumindest die US-Notenbank scheint erhebliche Zweifel zu haben. Ohne beherzte neue Hilfen für die Wirtschaft könnten die Folgen "tragisch" sein, warnte Jerome Powell, Chef der Federal Reserve, nur wenige Stunden zuvor. Es drohe weiterhin eine Abwärtsspirale, mit wieder wachsender Arbeitslosigkeit und schwindendem Konsum. Unternehmen wären dazu gezwungen, noch mehr Stellen abzubauen.

Die Alarmsignale sind eindeutig. Zwar hat sich die US-Wirtschaft in den vergangenen Monaten nach dem schweren Einbruch im Frühjahr einigermaßen berappelt. Doch Ökonomen halten den Aufwärtstrend für brüchig und gefährdet. Unternehmen in vielen Branchen sind immer noch weit von dem Geschäft entfernt, das sie aus Zeiten vor Ausbruch der Pandemie kennen.   

Verkehrsunternehmen und Restaurants hart getroffen

So zeigten jüngst Daten der Restaurantbuchungs-Plattform OpenTable, dass es der Gastronomie in den USA besser geht und wieder mehr Gäste essen gehen. Doch die Reservierungen liegen aktuell noch mehr als 40 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

Auch in der Verkehrsbranche sind die Einbußen weiterhin schmerzhaft. Die Fluggesellschaften erreichen bislang nur ungefähr ein Drittel ihres Geschäfts aus der Zeit vor Corona. Der öffentliche Nahverkehr, der in den USA oft von privaten Unternehmen betrieben wird, stagniert bei ungefähr halber Auslastung. Der Stromverbrauch im Land - ein Indikator für wirtschaftliche Aktivität - ist zuletzt wieder etwas zurückgegangen.

Dass der Aufschwung der US-Wirtschaft möglicherweise keine unaufhaltbare Erfolgsgeschichte ist, zeigen auch die letzten Meldungen vom Arbeitsmarkt. Zwar stellen die Unternehmen im Saldo nach wie vor ein. Im September kamen nur noch 661.000 neue Jobs dazu. Im Juli waren es noch 1,8 Millionen zusätzliche Stellen gewesen, im August 1,5 Millionen. Zugleich wächst in den USA wieder die Langzeitarbeitslosigkeit.

"Wenn es keinen weiteren konjunkturellen Impuls gibt, droht ein Ende der wirtschaftlichen Erholung. So einfach ist es", sagte der Ökonom Peter Morici von der University of Maryland der "Washington Post". "Bis nach der Wahl damit zu warten, wäre viel zu spät."

Deutsche Exporte hängen an der US-Konjunktur

Donald Trumps Szenario für den Aufschwung ist eine V-förmige Erholung: also die Erwartung, dass es nach dem heftigen Einbruch ebenso steil wieder bergauf geht. Ob es so kommt, ist aber unter Ökonomen höchst umstritten. Möglich wäre auch eine "W-Kurve" - also eine längere Phase wirtschaftlicher Unsicherheit, in der es immer wieder zu Rückschlägen kommt.

Wie gut sich die USA von der Rezession erholen, ist für die gesamte Weltwirtschaft von enormer Bedeutung. So ist das Land der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Für rund 120 Milliarden Euro exportierten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr Waren in die USA. Viele heimische Jobs hängen daran - zusätzlich zu den rund 700.000 Arbeitsplätzen, die deutsche Unternehmen vor Ort in den Vereinigten Staaten geschaffen haben.  

Airlines hoffen auf Hilfen

Trumps Signale indes sind, einmal mehr, widersprüchlich. So schob der Präsident nach der anfänglichen Verunsicherung an den Märkten per Twitter die Ankündigung hinterher, er sei sofort bereit zu einer Neuauflage der 1200-Dollar-Schecks zur Ankurbelung der Konjunktur. Diese Zahlung an die Haushalte in den USA war Teil des ersten Hilfspakets gewesen, das der Kongress verabschiedet hatte. Auch müsse es "sofort" ein 25-Milliarden-Dollar-Programm zur Unterstützung der Fluggesellschaften geben, so der Republikaner.

Allerdings war die demokratische Oppositionsführerin Nancy Pelosi bislang stets dagegen, einzelne Gesetze aus dem Hilfspaket herauszulösen. Teil des neuen Pakets wären unter anderem auch eine Aufstockung der Unterstützung für Arbeitslose und Notkredite für Kleinunternehmen. Die Parteien müssen sich einigen, weil die Republikaner im Senat die Mehrheit stellen, während die Demokraten im Repräsentantenhaus dominieren.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Oktober 2020 um 11:40 Uhr in der Wirtschaft.

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