Straßenschild der Wall Street in New York | dpa

Nach Sturm aufs Kapitol US-Wirtschaft entsetzt über Gewalt

Stand: 07.01.2021 15:39 Uhr

Donald Trump verliert in der Wirtschaft weiter an Rückhalt. Führende Vertreter der US-Konzerne und der Wall Street verurteilen die Gewalt in Washington. Einige fordern den scheidenden Präsidenten zum sofortigen Rücktritt auf.

In der US-Wirtschaft hat der gestrige Sturm wütender Trump-Anhänger auf das Kapitol Entsetzen und Enttäuschung ausgelöst. Die Spitzen der großen Wall-Street-Firmen riefen dazu auf, die Gewalt sofort zu beenden und eine geordnete Amtsübergabe zu ermöglichen.

Jamie Dimon, Chef der größten US-Bank JPMorgan Chase, forderte in einer Email, die gewählten Volksvertreter müssten zum Ende der Gewalt aufrufen, die Ergebnisse akzeptieren und die friedliche Machtübergabe unterstützen, wie es "unsere Demokratie seit Jahrhunderten getan hat". Die Gewalt der Aufrührer sei nicht repräsentativ, weder für das amerikanische Volk noch für das Land. "Wir sind besser als das", so Dimon.

Sogar Trump-Fan Schwarzman spricht von Affront gegen die Demokratie

Selbst Stephen Schwarzman, Chef des Hedgefonds Blackstone und einer der prominentesten Unterstützer Trumps, verurteilte am Morgen den Sturm auf das Kapitol und forderte eine geordnete Machtübergabe an Biden.

"Der Aufstand, der den heutigen Aussagen des Präsidenten folgte, ist entsetzlich und ein Affront gegen die demokratischen Werte, die wir als Amerikaner schätzen", schrieb Schwarzman in einer Erklärung. "Ich bin schockiert und entsetzt über den Versuch dieses Mobs, unsere Verfassung zu untergraben. Wie ich im November sagte, ist das Ergebnis der Wahlen sehr klar, und es muss einen friedlichen Machtwechsel geben."

David Solomon | REUTERS

Goldman Sachs-Chef David Solomon: "Angriff richtet weiteren Schaden an." Bild: REUTERS

Larry Fink: "Angriff auf unsere Nation"

Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, nannte die Gewalt "einen Angriff auf unsere Nation, unsere Demokratie und den Willen des amerikanischen Volkes". "Die friedliche Machtübertragung ist das Fundament unserer Demokratie", so Fink in einer Erklärung. "Wir sind, wer wir als Nation sind, aufgrund unserer demokratischen Institutionen und Prozesse."

David Solomon, Chef der Investmentbank Goldman Sachs, forderte die USA auf, in ihre Demokratie zu investieren und die Institutionen zu stärken, die Amerika zu einer "außergewöhnlichen Nation" gemacht hätten. "Seit Jahren hat unsere Demokratie weltweit ein Reservoir an Wohlwollen aufgebaut, das unseren Bürgern wichtige Vorteile bringt", sagte Solomon. "Vor kurzem haben wir diesen guten Willen in alarmierendem Tempo verschleudert, und der heutige Angriff auf das Kapitol richtet weiteren Schaden an."

Apple-Chef Tim Cook forderte, die Verantwortlichen des Aufruhrs müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Der bekannte Hedgefonds-Manager Bill Ackman ging sogar noch weiter und forderte Präsident Donald Trump auf Twitter zum Rücktritt auf. Zudem solle Trump sich bei allen Amerikanern entschuldigen. "Es ist Zeit zu gehen", schrieb Ackman.

Mark Zuckerberg | AFP

Facebook-Chef Mark Zuckerberg begründete die Sperrung Trumps mit einem "Notstand". Bild: AFP

Facebook rechtfertigt Sperrung von Trump

Facebook-Chef Mark Zuckerberg erklärte einem Sprecher zufolge, Trumps Videobotschaft zu den Ausschreitungen entfernt zu haben, weil diese Situation wie ein Notstand behandelt werden müsse. "Unsere politischen Führer müssen ein Beispiel geben und die Nation an erste Stelle setzen." Auch Twitter hatte Trump für zunächst zwölf Stunden blockiert. Die Chefin des Autobauers General Motors, Mary Barra, forderte auf Twitter dazu auf, das Land wieder zu versöhnen und seine Werte und Ideale wieder zu stärken.

Der Industrieverband National Association of Manufacturers legte Vizepräsident Mike Pence nahe, über eine Amtsenthebung von Trump nachzudenken. Der Chef des Verbands, Jay Timmons, sagte, Trump habe Gewalt angestachelt, um an der Macht zu bleiben. Pence solle "ernsthaft erwägen", mit dem Kabinett auf Basis des 25. Zusatzartikels zur Verfassung Trump des Amtes zu entheben, um die Demokratie zu bewahren. Der Verband vertritt Konzerne wie ExxonMobil, Pfizer und Toyota.

Auch andere Verbände übten scharfe Kritik. Der Business Roundtable, dem die Vorstandschefs großer Konzerne angehören, teilte mit, das Chaos in der Hauptstadt sei "das Ergebnis von unrechtmäßigen Versuchen, die legitimen Ergebnisse einer demokratischen Wahl zu Fall zu bringen". Man fordere Trump und alle wichtigen Regierungsvertreter auf, "das Chaos zu beenden und eine friedliche Machtübergabe zu ermöglichen".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Januar 2021 um 16:41 Uhr und 17:41 Uhr in der Wirtschaft.