Ein Pilot läuft am Flughafen in Phoenix an einer United-Airlines-Maschine vorbei

Corona-Krise US-Airlines schicken Tausende in Zwangsurlaub

Stand: 01.10.2020 09:47 Uhr

Da ein staatliches Hilfspaket für die US-Luftfahrtbranche ausgelaufen ist, schicken zwei Airlines etwa 32.000 Mitarbeiter in Zwangsurlaub. Sie hoffen auf weitere Hilfen - sonst drohe eine Entlassungswelle.

Wegen der Unsicherheit über weitere staatliche Corona-Hilfen wollen die beiden US-Fluggesellschaften American Airlines und United Airlines 32.000 ihrer Mitarbeiter in den Zwangsurlaub schicken. Beide Airlines sicherten den Beschäftigten in einem Brief zu, sie wieder zurückzuholen, sobald sich die Regierung auf Staatshilfen für die Fluggesellschaften geeinigt hätte. Die US-Airlines und Gewerkschaften fordern eine weitere staatliche Finanzspritze von 25 Milliarden Dollar, um auch in den kommenden sechs Monaten durch die Corona-Krise zu kommen.

Hoffen aufs Hilfspaket

Doug Parker, Vorstandschef von American Airlines, erklärte in dem Brief an die Beschäftigten, Finanzminister Steven Mnuchin habe ihm mitgeteilt, dass er und die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, über ein parteiübergreifendes Covid-19-Hilfspaket verhandelten. Eine Einigung könne in den kommenden Tagen erzielt werden. "Leider gibt es keine Garantie dafür, dass diese Bemühungen erfolgreich sind", schrieb Parker.

Die US-Regierung hat derweil im Ringen um weitere Hilfen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie ein Kompromissangebot gemacht. Man habe den Demokraten ein Paket mit einem Volumen von mehr als 1,5 Billionen Dollar vorgeschlagen, worin auch 20 Milliarden für die Flugbranche enthalten seien, sagte der Stabschef des Weißen Hauses, Mark Meadows.

Entlassungswelle droht

Den US-Airlines standen bis Ende September 25 Milliarden Dollar an staatlicher Unterstützung zur Verfügung, um Gehälter bezahlen und Jobs sichern zu können. Branchenvertreter und Gewerkschafter fordern weitere 25 Milliarden Dollar für den Zeitraum ab Oktober. Die US-Fluggesellschaften hatten sich im Gegenzug für die Staatshilfen in der Corona-Krise verpflichten müssen, bis Ende September keinen Personalabbau vorzunehmen.

Doch nun droht eine Entlassungswelle. American Airlines hatte den Abbau von 19.000 Arbeitsplätzen bereits Ende August angekündigt, sollte es keine weiteren Hilfen geben. Dies soll unter anderem mehr als 6900 Flugbegleiter betreffen. United Airlines hatte schon Anfang September angekündigt, im Oktober rund 16.000 Stellen zu streichen. Sara Nelson, Präsidentin der Vereinigung von Flugbegleitern, sagte, für die Regierung sei es billiger, die Arbeitsplätze von Mitarbeitern zu sichern, als sie während der Pandemie in die Arbeitslosigkeit rutschen zu lassen.

Kritiker bemängeln eine Vorzugsbehandlung von Fluggesellschaften. Die Bezuschussung verzögere lediglich die Anpassung der Airlines an die geringe Reiseaktivität, von der selbst die Luftfahrtbranche glaubt, dass sie drei bis vier Jahre andauern wird.

Dieser Beitrag lief am 01. Oktober 2020 um 08:15 Uhr auf NDR Info.