Anton Schlecker und Meike Schlecker | dpa
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Schlecker-Prozess Warum die Urteile so verschieden sind

Stand: 27.11.2017 18:04 Uhr

Bewährungsstrafe für Anton Schlecker, fast drei Jahre Haft dagegen für seine beiden Kinder - so endet vorerst der Prozess um die Insolvenz der Drogeriekette. Wieso fallen die Urteile so unterschiedlich aus?

Von Kolja Schwartz, ARD-Rechtsredaktion

Wie lauten die Urteile?

Das Landgericht Stuttgart hat den Drogeriemarkt-Unternehmer Anton Schlecker wegen vorsätzlichen Bankrotts zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 54.000 Euro verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Schlecker als Inhaber der gleichnamigen Drogeriekette in den Monaten vor der Pleite Vermögen in Millionenhöhe zugunsten seiner Familie beiseite geschafft hatte - Geld, das am Ende für die Gläubiger fehlte. Seinen Kindern Lars und Meike Schlecker verwehrten die Richter dagegen Bewährungsstrafen: Lars Schlecker muss zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis, Meike Schlecker zwei Jahre und acht Monate, unter anderem wegen Insolvenzverschleppung und Betrugs.

Kolja Schwartz

Worum ging es?

Es war eine der größten Unternehmenspleiten in der deutschen Geschichte. 2012 meldete der Drogeriekönig Anton Schlecker Insolvenz an. Alle Schlecker-Filialen in Deutschland mussten geschlossen werden, fast 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Drogeriekette verloren ihren Job. Vor dem Landgericht Stuttgart ging es jedoch nicht um die Pleite an sich, sondern um die Frage, wann Schlecker die drohende Zahlungsunfähigkeit erkannt hatte oder hätte erkennen müssen. Von diesem Zeitpunkt an hätte Schlecker dem Unternehmen keine Vermögenswerte mehr entziehen dürfen - als sogenannter Einzelkaufmann haftete er mit allem, was er besaß. Lars und Meike Schlecker standen vor allem wegen deren Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Logistikunternehmen LDG, über welches Anton Schlecker die gesamte Logistik der Drogeriefilialen abwickelte, vor Gericht.

Warum wurde Anton Schlecker verurteilt?

Anton Schlecker habe trotz drohender Zahlungsunfähigkeit Vermögen in Millionenhöhe für seine Familie aus dem Unternehmen abgezweigt, urteilten die Richter. Deshalb habe er sich wegen vorsätzlichen Bankrotts strafbar gemacht. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Familie Schlecker spätestens Anfang Februar 2011 wusste, dass die Zahlungsunfähigkeit drohte. Insolvenz meldete Schlecker aber erst im Januar 2012 an. Laut Urteilsbegründung ließen sich die Schleckers Millionenbeträge auszahlen, obwohl die Drogeriemarktkette zu diesem Zeitpunkt nur noch Verluste schrieb. Zudem übertrug Anton Schlecker seine Villa an seine Ehefrau.

Warum wurden Lars und Meike Schlecker verurteilt?

Die beiden Kinder Lars und Meike Schlecker hätten ihrem Vater Beihilfe zum Bankrott geleistet, so die Richter. Darüber hinaus sollen Lars und Meike die eigene Logistikfirma LDG in die Insolvenz getrieben haben, indem sie Vermögen beiseite schafften. Wenige Tage vor dem Insolvenzantrag hätten sich Meike und Lars Schlecker per Blitzüberweisung sieben Millionen Euro aus dem Vermögen ihrer Firma gesichert, obwohl ihnen laut Gericht hätte klar sein müssen, dass sie den Betrieb damit überschuldeten.

Wie begründet das Gericht das Strafmaß?

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer für Anton Schlecker noch eine Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert. Dem folgte das Gericht allerdings nicht. Dass es am Ende nur zwei Jahre Haft auf Bewährung geworden sind, begründete das Gericht vor allem damit, dass Schlecker deutlich weniger Vermögenswerte beiseite geschafft habe als von der Staatsanwaltschaft ursprünglich angenommen, nämlich lediglich etwa drei Millionen Euro. Außerdem habe Schlecker im Rahmen des Insolvenzverfahrens sowie danach über zehn Millionen Euro zurückgezahlt - auch das habe sich strafmildernd ausgewirkt. Außerdem dürfe man sein Vorleben nicht außer Acht lassen, so die Richter. Schlecker sei nicht vorbestraft. Er habe sein ganzes Leben lang gearbeitet und sich dabei bis zur Insolvenz nichts zuschulden kommen lassen.

Aus den genannten Gründen könne die Strafe im Fall von Anton Schlecker auch auf Bewährung ausgesetzt werden, so das Gericht. Denn das Strafgesetzbuch ermöglicht bei einer Haftstrafe zwischen einem und zwei Jahren die Aussetzung auf Bewährung, wenn nach der Gesamtwürdigung von Tat und Persönlichkeit des Verurteilten besondere Umstände vorliegen. Diese sah das Gericht als gegeben an.

Im Fall von Lars und Meike Schlecker konnte das Gericht die Haftstrafen nicht auf Bewährung aussetzen. Denn liegt die Strafe über zwei Jahren Haft, lässt das Strafgesetzbuch eine Aussetzung auf Bewährung nicht mehr zu. Im Hinblick auf die Strafhöhe fielen bei Lars und Meike Schlecker laut Urteilsbegründung vor allem die hohe Summe von sieben Millionen Euro ins Gewicht, die sie veruntreut haben.

Ist die Entscheidung endgültig?

Nein, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Gegen die Entscheidung kann Revision zum Bundesgerichthof eingelegt werden.

Landgericht Stuttgart Az. 11 KLs 152 Js 53670/12

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 27. November 2017 um 05:30 Uhr und um 08:14 Uhr sowie die Tagesschau um 12:00 Uhr.