Ein Kellner in Madrid wartet auf Kunden. | Bildquelle: AP

Corona in Spanien Madrider Unternehmen trotzen der Krise

Stand: 13.10.2020 08:34 Uhr

Keine Touristen - die Innenstadt verwaist: Corona hat Madrid hart getroffen. Viele Geschäfte mussten bereits schließen. Und doch gibt es Unternehmen, die neu aufmachen. Nach dem Motto: Jetzt erst recht.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Für viele ist 2020 ein düsteres Jahr - für Fernando ist es ein schwarzes. Anfang des Jahres hatte er noch drei Coffeeshops in Madrid, sie liefen bestens. Dann kamen lange Wochen der harten Ausgangssperre.

Ende Juni konnte Fernando endlich wieder öffnen, da war er noch voller Hoffnung. Aber die währte nicht lange: Viele seiner Kunden arbeiten in den Büros der Umgebung. Sie trinken morgens vor der Arbeit ihren Kaffee oder gegen 10.00, 11.00 Uhr. Aber die Menschen waren nicht mehr da, weil viele Geschäfte und Büros geschlossen hatten. "Ich habe noch versucht, durchzuhalten - aber dann kamen Tage, an denen ich von morgens bis abends allein im Geschäft stand", sagt der Unternehmer.

Ein Mann geht mit seinem Hund über einen leeren Platz in Madrid | Bildquelle: AP
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Touristen meiden die Innenstadt Madrids - damit fehlen den Bars, Restaurants und Geschäften wichtige Kunden.

Online-Vermarktung statt Cafébar

Fernando: ein Opfer des Homeoffice. Sein Vermieter weigerte sich, die Miete zu senken. Vom Staat kamen keine Hilfen, die Banken verlangten für Kredite große Sicherheiten. Und dann starb im Sommer auch noch Fernandos kleiner Sohn an einem Herzfehler. Fernando war am Boden und entschied sich, die Coffeeshops aufzugeben. Er röstet nun weiter Kaffee - vermarktet ihn aber online.

"Kaffeerösten hat mich immer an Flugstunden erinnert: Je mehr Du fliegst, desto mehr Tricks kennst Du. So geht es mir auch mit dem Kaffee", sagt er. Nach allem, was er erlebt habe, hat er sein Unternehmen "Supernova" getauft. "Denn eine Supernova ist das Aufleuchten, das entsteht, wenn ein Stern explodiert."

Jederzeit drohen Schließungen

Auch Julio braucht dringend einen Lichtstreifen am Horizont. Zusammen mit zwei Freunden besitzt er eine Tapas-Bar in der Innenstadt von Madrid. Wegen der Corona-Beschränkungen darf dort aber nur die Hälfte der Gäste Platz nehmen, eine Terrasse gibt es nicht. Und viele Madrider vermeiden geschlossene Räume, aus Angst vor einer Ansteckung. Die Geschäfte liefen schlecht. Deswegen hat er jetzt das "Anda Jaleo" geöffnet, eine weitere Bar in der Nähe.

Er ist sich des Risikos bewusst, denn es kann ja passieren, dass die Bars in zwei Wochen alle wieder schließen müssen - so wie in Brüssel oder in Marseille. "Dann musst Du trotzdem weiter die Miete zahlen", sagt Julio, aber er wolle die Hoffnung nicht verlieren, dass sich die Dinge zum Besseren wenden.

Anders als bei Fernando zeigte sich Julios Vermieter nachsichtig: Er verlangt für das erste Jahr nur etwa 70 Prozent der Miete. Klar, dass es vor allem Madrider sind, die hier essen gehen.

"Four Seasons" öffnet gegen den Trend

Der Tourismus ist in Madrid völlig zum Erliegen gekommen. Das spürt auch der Schweizer Adrian Messerli, Direktor des Luxushotels "Four Seasons", das gerade in Madrid geöffnet hat: "Wirtschaftlich gesehen hat es keinen Sinn, heute ein Hotel zu eröffnen. Wir haben es jetzt gemacht, weil wir die Arbeitsplätze retten wollten. Und wir wollten gute Neuigkeiten bringen."

Blick in die Hotellobby des "Four Seasons" in Madrid | Bildquelle: David Fernandez/EPA-EFE/Shutters
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Blick in die Hotellobby des "Four Seasons" in Madrid

Die Bauarbeiten mitten im Stadtzentrum haben sieben Jahre lang gedauert, die Anwohner mussten viel Staub und Lärm ertragen. Wohl auch deswegen wollten die Besitzer die Eröffnung nicht noch weiter verzögern. Derzeit haben sich die hauseigene Bar und das Luxus-Restaurant auf Gäste aus Madrid eingestellt. Bis sich das Hotel mit Touristen und Geschäftsleuten füllt, dürfte aber viel Zeit ins Land gehen. Messerli rechnet mit "Mitte bis Ende 2023. Das wird eine Weile dauern".

Wer heute ein Geschäft in Madrid aufmacht, braucht Kreativität und einen langen Atem. Und auch das nötige Geld, damit nicht vorher die Puste ausgeht.

“Jetzt erst recht”: Wie Unternehmer in Madrid der Krise trotzen
Marc Dugge, ARD Madrid
13.10.2020 07:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Oktober 2020 um 05:40 Uhr.

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