Eine Katze hält eine Pfote hoch. | dpa

Investor will Zooplus kaufen Milliardengebot für Tierfutter-Händler

Stand: 13.08.2021 17:54 Uhr

In der Corona-Pandemie haben sich viele Deutsche ein Haustier angeschafft. Davon profitiert eine gesamte Branche. Nun will ein US-Investor den Online-Händler Zooplus übernehmen - für 2,8 Milliarden Euro.

In immer mehr Häusern und Wohnungen miaut, bellt und zwitschert es. Zahlreiche Bürger haben sich in der Corona-Pandemie ein Haustier gekauft. Nach Zahlen des Industrieverbands Heimtierbedarf und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe kamen im vergangenen Jahr rund eine Million Katzen und 600.000 Hunde zusätzlich in die deutschen Haushalte. Gut 35 Millionen Hunde, Katzen, Vögel und sonstige Kleintiere leben inzwischen unter deutschen Dächern.

Der Haustier-Boom trieb den Markt für Heimtierbedarf kräftig an - vom Kratzbaum bis zur Hundeleine. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf über fünf Milliarden Euro. Ausgaben für Tierärzte und Versicherungen sind dabei nicht eingerechnet.

Fressnapf, einer der führenden Tierfutter-Hersteller in Europa, verzeichnete 15 Prozent mehr Umsatz. Noch stärker wuchs Zooplus. Das Unternehmen, das Futter und Ausrüstung über das Internet vertreibt, steigerte die Erlöse um 18 Prozent auf das Rekordniveau von 1,8 Milliarden Euro. Drei Mal hob der Münchner Online-Händler für Tierbedarf die Jahresprognose an.

Hellman & Friedman bietet 390 Euro pro Aktie

Zooplus lockt inzwischen nicht mehr nur Katzen- und Hundebesitzer an, sondern auch Investoren, die nach Rendite suchen. So hat der US-Investmentfonds Hellman & Friedman nun Gefallen an der Online-Firma gefunden. Die Amerikaner wollen Zooplus übernehmen und bieten den Aktionären 390 Euro pro Aktie. Insgesamt wären das rund 2,8 Milliarden Euro.

Das Management von Zooplus unterstützt die Offerte. Beide Unternehmen unterzeichneten eine Investitionsvereinbarung. Der Vorstand sowie der langjährige Zooplus-Investor Maxburg Beteiligungen dienten Hellman & Friedman bereits rund 17 Prozent der Aktien an. "Wir glauben, dass das Unternehmen den richtigen Partner gefunden hat", sagte Maxburg-Partner Moritz Greve.

Zooplus-Chef hofft auf mehr Investitionen

"Durch Hellman & Friedman können wir zeigen, was wir drauf haben", erklärte Firmenchef und -gründer Cornelius Patt. Er erhofft sich durch die Übernahme vor allem Investitionen für die weitere Expansion. Diese seien in der derzeitigen Struktur nicht immer im großen Stil möglich gewesen.

Mit Hilfe von Hellman & Friedman will Zooplus nun in Eigenmarken, Technologie, Marketing und Logistik investieren und nicht mehr so stark auf "kurz- und mittelfristige Gewinne" schauen. Das Potenzial sei riesig, so Vorstandschef Patt. "Ein Drittel aller Europäer besitzt ein Haustier." Schätzungen zufolge soll der Markt für Tierbedarf bis 2030 auf 50 Milliarden Euro in Europa anwachsen.

Hart umkämpfter Markt

Allerdings ist der Markt stark umkämpft. Fressnapf und Pets at Home bauen zunehmend ihr Online-Geschäft aus. Hinzu kommt der US-Versandriese Amazon, der zunehmend in den Markt für Tier- und Katzenfutter und den sonstigen Heimtierbedarf vorstößt.

Die Anleger reagierten euphorisch auf das Übernahmeangebot. Die Papiere sprangen um bis zu 43 Prozent auf 398,20 Euro in die Höhe und lagen damit über der Hellman-Offerte. Offenbar spekulieren Investoren auf eine noch höhere Abfindung.

Unternehmen könnte bald von der Börse verschwinden

Hellman & Friedman will mindestens 50 Prozent plus eine Aktie übernehmen. Gelingt das, kann die Übernahme noch im laufenden Jahr über die Bühne gehen. Danach soll das 1999 gegründete und in mehr als 30 europäischen Ländern aktive Unternehmen dann von der Börse genommen werden.

Der US-Investor hat bereits in andere deutsche Unternehmen investiert. So beteiligte sich Hellmann & Friedman unter anderem an Axel Springer, ProSiebenSat.1 und Scout24.