Das Zoom Logo ist auf dem Display eines Smartphones. | picture alliance / photothek

Videokonferenzen Zoom-Boom vorerst beendet

Stand: 01.03.2022 10:04 Uhr

Durch die Corona-Pandemie ist Zoom zum Sinnbild für das Homeoffice geworden. Doch mittlerweile hat der Anbieter von Videokonferenzen mit scharfem Wettbewerb zu kämpfen, das trübt die Aussichten auf weiteres Wachstum.

Die Zeit des sprunghaften Wachstums in der Corona-Krise ist für den US-Konzern Zoom erst einmal vorbei. Für das laufende Vierteljahr rechnet der Videokonferenzdienst mit einem Umsatz von 1,07 Milliarden Dollar - das wäre im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umsatzplus von etwa zwölf Prozent. Der Ausblick lag damit knapp unter den Schätzungen der Analysten. Ein Jahr zuvor hatten sich die Erlöse noch nahezu verdreifacht, weil zahlreiche Firmen in der Pandemie auf Videokonferenzen umgestiegen waren.

Ausblick unter den Erwartungen

Schon im vergangenen Jahr flaute das Wachstum jedoch merklich ab. Im Ende Januar abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal stieg der Umsatz noch um 21 Prozent auf 1,07 Milliarden Dollar (995 Millionen Euro). Der Quartalsgewinn wuchs von 260,4 Millionen ein Jahr zuvor auf 490,5 Millionen Dollar. Allerdings trug dazu auch eine Steuergutschrift von 352 Millionen Dollar bei.

Zoom profitierte dabei zwar weiter vom Trend zum hybriden Arbeiten zwischen Büro und Homeoffice, kommt aber nicht mehr an das starke Wachstum vom Beginn der Corona-Pandemie heran. Für das abgelaufene Geschäftsjahr erreichte Zoom einen Umsatz von 4,10 Milliarden Dollar - ein Anstieg um 55 Prozent. Für das neue Geschäftsjahr sagt das Unternehmen nun einen Umsatz zwischen 4,53 und 4,55 Milliarden Dollar voraus. Auch hier verfehlte Zoom die Erwartungen: Analysten hatten 4,75 Milliarden geschätzt.

Kampf um Firmenkunden

Zoom ist für viele Menschen im Homeoffice zum Synonym für Videokonferenzen geworden, mit denen sich Mitarbeiter austauschen und Kundengespräche führen können oder sich Schüler mit Lehrern vernetzen. Während der Lockdowns nutzten zeitweise auch viele Verbraucher Zoom - etwa für Familienfeste, Spieleabende oder Yoga-Stunden.

Geld macht die Firma aber vor allem durch das Geschäft mit Unternehmen. Die Strategie von Zoom ist, die starke Position bei Videokonferenzen zu nutzen, um eine Plattform für Kommunikation in Firmen insgesamt zu liefern - zum Beispiel auch für Telefongespräche.

Zoom hatte zuletzt 191.000 Unternehmenskunden, 35 Prozent mehr als vor einem Jahr. Davon bringen 2725 Kunden - rund zwei Drittel mehr - Erlöse von jeweils mehr als 100.000 Euro ein. Einige Messwerte in diesem Bereich, wie etwa die Zahl der Kunden mit mehr als zehn Mitarbeitern, will Zoom künftig nicht mehr veröffentlichen.

Euphorie an der Börse abgekühlt

Allerdings ist die Konkurrenz vor allem auf dem Firmenkunden-Markt groß, wo auch Großkonzerne wie Cisco, Microsoft mit der Plattform Teams und Slack von Salesforce um Abonnenten werben. Im Ringen um Kunden hat Zoom sein Angebot zuletzt unter anderem um eine Konferenz-Plattform und Cloud-Telefonie erweitert. Ein Rückschlag war die fehlgeschlagene Übernahme des Call-Center-Anbieters Five9 für rund 15 Milliarden Dollar.

Am Aktienmarkt ist Zoom in den vergangenen zwölf Monaten deutlich abgesackt. Angesichts des langsameren Wachstums kühlte die einstige Zoom-Euphorie der Anleger merklich ab. Das Papier hatte bis Ende vergangener Woche rund 67 Prozent eingebüßt.

Auch nach dem Ausblick ging die Aktie auf Talfahrt und lag nachbörslich zeitweise zwölf Prozent im Minus. Seit dem Kurshöhepunkt im Oktober 2020 verlor sie damit rund drei Viertel ihres Werts.