Am Bürogebäude des Wirtschaftsprüfers in Berlin hängt das Logo "EY"  | HAYOUNG JEON/EPA-EFE/Shutterstoc

Wirecard-Affäre Neue Zweifel an Wirtschaftsprüfern

Stand: 12.11.2021 13:24 Uhr

Im vergangenen Jahr beauftragte der Bundestag Sonderprüfer damit, mögliche Versäumnisse der Wirtschaftsprüfer von EY im Fall Wirecard zu untersuchen. Nun hat eine Zeitung ihren bislang als geheim eingestuften Bericht veröffentlicht.

Kritiker haben dem Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen EY immer wieder vorgeworfen, im Wirecard-Skandal eine unrühmliche Rolle gespielt und nicht genau genug hingesehen zu haben. Im Auftrag des Bundestags-Untersuchungsausschusses zur Wirecard-Affäre nahmen Sonderermittler die Arbeit von EY bei dem früheren DAX-Konzern genauer unter die Lupe. Ihren Sonderbericht stufte die Geheimschutzstelle des Bundestags als geheim ein - weil EY darauf pochte, dass der Bericht Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse enthalte.

Zwar beantragten die Anwälte des Untersuchungsausschusses beim Bundesgerichtshof (BGH) die Aufhebung der Geheimhaltung. Doch der BGH urteilte im August, dass das Dokument geheim bleiben müsse. Begründung: Der Ausschuss habe sich inzwischen aufgelöst, der Antrag sei unzulässig. Nun hat das "Handelsblatt" diesen Bericht, über den auch tagesschau.de bereits im Sommer berichtete, im Wortlaut veröffentlicht und auf seine Internetseite gestellt.

Milliarden-Schaden für Anleger

"Wirecard ist der größte Wirtschaftsskandal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Milliarden wurden vernichtet", begründete das Blatt seine Entscheidung. "Der Sonderbericht zur Rolle von EY bei Wirecard wurde von Abgeordneten, den gewählten Vertretern der deutschen Bürger, in Auftrag gegeben und vom Steuerzahler bezahlt. Er darf der Öffentlichkeit nicht verschlossen bleiben."

Zudem zeige die von Anwalt Martin Wambach von der Nürnberger Kanzlei Rödl & Partner erstellte Untersuchung, dass die Prüfer von EY ihre Arbeit nicht konsequent genug gemacht hätten. Der Vorwurf: Hätte sich die Prüffirma an die gesetzlich vorgeschriebenen Normen des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) gehalten, wären das Geschäftsgebaren bei Wirecard und der Betrug möglicherweise viel früher aufgedeckt worden. EY habe das ab 2018 wertvollste Finanzunternehmen Deutschlands dem Sonderbericht zufolge weder tief genug noch mit der nötigen kritischen Grundhaltung durchleuchtet, so das "Handelsblatt". Genau dazu seien Wirtschaftsprüfer jedoch gesetzlich verpflichtet.

"Vernichtendes Urteil"

Noch deutlicher hatten sich bereits im Frühjahr mehrere Bundestagsabgeordnete geäußert. Sie urteilten, dass die Wirecard-Wirtschaftsprüfer von EY durch das Sondergutachten - intern Wambach-Bericht genannt - stark belastet worden sind. "Der Wambach-Bericht ist ein vernichtendes Urteil für EY", sagte die SPD-Finanzpolitikerin Cansel Kiziltepe, die im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu dem milliardenschweren Finanzskandal saß, der Nachrichtenagentur Reuters. "Eine kritische Grundhaltung fehlte, banalste Rechnungslegungs- sowie Qualitätsstandards wurden vernachlässigt und Warnsignale wurden geflissentlich übersehen."

EY hat den Vorwurf des Fehlverhaltens zurückgewiesen. Gleichzeitig verweist das Unternehmen immer wieder auf Schulungen, die intern durchgeführt worden seien, um Mitarbeiter besser für Betrugsfälle zu sensibilisieren. Seinem letzten Transparenzbericht zufolge konnte EY trotz seiner Rolle im Fall Wirecard die Zahl seiner wichtigen Prüfungskunden nach dem Auffliegen der Affäre sogar noch erhöhen. Insgesamt 180 "geprüfte Unternehmen von öffentlichem Interesse" führt die Firma für das Geschäftsjahr bis Ende Juni 2021 auf. Für das Vorjahr hatte EY 163 solche wichtigen Mandanten genannt, die beispielsweise börsennotiert sind.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2021 um 13:42 Uhr.

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Moderation 12.11.2021 • 17:24 Uhr

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