Markus Braun, Ex-Vorstand von Wirecard | dpa

Wirecard-Skandal Anklage gegen Markus Braun erhoben

Stand: 14.03.2022 11:24 Uhr

Anderthalb Jahre nach der Insolvenz des Zahlungsdienstleisters Wirecard sind der Ex-Chef des Unternehmens und zwei weitere frühere Manager angeklagt worden. Die Vorwürfe sind massiv.

Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen den ehemaligen Wirecard-Chef Markus Braun erhoben. Ihm und zwei weiteren ehemaligen Wirecard-Managern werfen die Ermittler "bandenmäßiges Vorgehen" vor.

Neben Bandenbetrug gehören auch Veruntreuung des Wirecard-Vermögen, Bilanzfälschung und die Manipulation des Aktienkurses des Unternehmens zu den Vorwürfen in der mehr als 470-seitigen Anklageschrift.

Angeklagte sollen von Fälschungen gewusst haben

Braun, der Bilanzchef und ein Vertreter des Unternehmens in Dubai sollen spätestens seit 2015 gewusst haben, dass Wirecard Verlust mache, davon gehen die Ermittler aus. Um dies zu vertuschen, sollen Braun und seine Mitangeklagten mit vorgetäuschten Geschäften die Bilanzen des Zahlungsdienstleisters gefälscht und kreditgebende Banken so um insgesamt 3,1 Milliarden Euro geschädigt haben.

"Hierzu erfanden sie angeblich äußerst ertragreiche Geschäfte, vor allem in Asien", heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Braun soll die falschen Bilanzen laut Anklage wissentlich unterschrieben haben. Von seinem Anwalt gibt es bislang keine Stellungnahme.

Vorwürfe gegen Wirecard gab es schon länger

Manipulationsvorwürfe gegen Wirecard gab es seit vielen Jahren, aufgedeckt worden war der Skandal von der britischen "Financial Times". Ende Juni 2020 meldete Wirecard Insolvenz an, nachdem das Unternehmen Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt hatte - das Geld war nicht auffindbar und ist bis heute verschwunden. Der mutmaßliche Bilanzbetrug hatte Wirecard 2018 auch zum Aufstieg in den Dax verholfen.

Braun sieht sich wohl selbst als Opfer

Im Juli 2020 wurde Braun festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Zuletzt hatte das Münchner Oberlandesgericht angemahnt, bald Anklage zu erheben, damit Braun nicht zu lange ohne Urteil in Haft sitzt. Nun muss das Landgericht entscheiden, ob es die Anklage zulässt.

Soweit bekannt, sieht Braun sich selbst als Opfer: In Zivilprozessen vor dem Münchner Landgericht wurde bereits deutlich, dass er davon ausgeht, dass die vermissten 1,9 Milliarden tatsächlich existieren würden. Er ist durch den Kollaps seines Unternehmens selbst ruiniert worden, da er nahezu sein gesamtes Vermögen in Wirecard-Aktien angelegt hatte.

Wo ist Marsalek?

Als Schlüsselfigur des Skandals gilt der frühere Vertriebsvorstand Wirecards, Jan Marsalek. Er ist im Sommer 2020 ins Ausland geflohen und seitdem untergetaucht. Auch gegen ihn wird ermittelt, er ist bislang aber noch nicht angeklagt worden.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 14. März 2022 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.