Windkrafträder vor blauem Himmel | dpa

Windkraftunternehmen Flaute auch an der Börse

Stand: 04.08.2021 16:25 Uhr

Die Zukunft der Energiegewinnung liegt in den Erneuerbaren - also Sonne, Wind und Wasser. Doch hierzulande hakt es vor allem beim Ausbau der Windkraft. Das bekommt die Branche auch an der Börse zu spüren.

Von Samir Ibrahim, ARD-Börsenstudio

Schaut man sich die Aktienkurse deutscher Windenergie-Unternehmen an, dann könnte man glauben, die geplante Energiewende sei verschoben worden. Euphorie spiegeln die Kurse jedenfalls nicht wider. Dabei sollte die Branche in einer Aufbruchstimmung sein - und eigentlich sei sie das auch, meint Matthias Zelinger, Geschäftsführer des Bereichs Klima und Energie beim VDMA, dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer. Es hapere vor allem an den erforderlichen Genehmigungen.

"Dort ist eine der interessantesten Fragen: Wie viel Fläche wird in den Planungen der Landesregierungen bereitgestellt? Wie viele Flächen sind überhaupt für Windenergieanlagen nutzbar?", sagt Zelinger. Hier spielten sowohl die grundsätzliche Landesplanung als auch Themen wie Abstandsregelungen und Naturschutz eine Rolle. "Das ist ein großer Haken. Und die Frage ist, wie komplex und uneinheitlich die Genehmigungsverfahren sind."

Gestiegene Rohstoffe und das ungelöste Trassenproblem

Es ist nicht das einzige Problem, mit dem sich die Unternehmen aktuell herumschlagen. Ein weiteres belastet auch andere Branchen: die gestiegenen Kosten. "So ein Windrad verbraucht viel Stahl, und die Preise für den Rohstoff sind deutlich gestiegen in diesem Jahr", erklärt Stefan Schöppner, Branchen-Analyst der Commerzbank. "Auch andere Vorkosten wie der Transport zum eigentlichen Aufstellort oder Beton - alles ist teurer geworden."

Doch auch die Kosten erklären nicht alles. Investoren gibt es genug. Sie warten nur darauf, dass es vorangeht und sie in Zukunftsprojekte investieren können. Es geht nur nicht voran. Ein regelrechtes Nadelöhr ist nach wie vor der Transport der Windenergie. Die entsteht überwiegend im Norden der Republik und muss von dort über Leitungen vor allem nach Bayern, Baden-Würtemberg und Nordrhein Westfalen transportiert werden, so VDMA-Experte Zelinger:

Wir müssen hin zu den Industrien. Und da gibt es zwei Antworten. Die eine ist, wir brauchen - und da gibt es auch kein Vertun, ohne das geht es nicht - zusätzliche Stromleitungen. Die zweite ist, dass dort, wo Wasserstoff gebraucht wird, dieser Wasserstoff schon direkt an der Küste oder sogar auf See produziert werden kann. So dass da gar keine Leitungen gebaut werden müssen, sondern das per Pipeline zur Industrie gebracht werden kann.

"Ohne Windenergie wird es nicht gehen"

Der Widerstand in der Bevölkerung gegen neue Trassen, aber auch gegen Windräder ist groß; noch dazu ist aktuell Wahlkampf. Da werden südliche Bundesländer gerne auch als sehr sonnige Regionen beschrieben, die die Windenergie nicht bräuchten. Ist die Lösung also Sonnenenergie? Es brauche einen Mix, sagt Zelinger, denn Wind- und Sonnenenergie-Anlagen passten perfekt zusammen: "Sehr oft, wenn die Sonne scheint, dann ist kein Wind da. Und wenn der Wind schwach ist, scheint die Sonne." Dadurch ergänzten sich beide Formen der Energiegewinnung sehr gut. "Und auch was den Netzausbau betrifft, ist nur eine Kombination zwischen beiden wirklich sinnvoll. Und deshalb brauchen wir beides. Und zwar in der ganzen Bundesrepublik beziehungsweise ganz Zentraleuropa."

Die Windenergie sei im Kommen, davon ist der Fachmann überzeugt. Die Energiewende sei anders gar nicht zu schaffen. Der Experte Stefan Schöppner von der Commerzbank stimmt ihm zu: "Ohne Windenergie wird es nicht gehen." Ihre Hoffnung setzen viele Firmen nun in Aufträge aus dem Ausland. In vielen Ländern werden Verfahren bereits vereinfacht, um den Ausbau voranzubringen. Finanziert sind diese Projekte in der Regel schon. Und sie sind für große Anleger nicht nur lukrativ - Investitionen in Erneuerbare Energien verkaufen sich in der Öffentlichkeit auch ziemlich gut.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2021 um 13:36 Uhr.