Das Logo der "MV-Werften" an der Wand der Volkswerft Stralsund | dpa

Schiffbauer in der Krise Wie weiter bei den MV Werften?

Stand: 14.01.2022 14:20 Uhr

Bei den insolventen MV Werften gibt es weiter Hoffnung. Die Bundesregierung stellt Hilfe in Aussicht, verlangt aber auch einen Beitrag vom Eigentümer. Ein erstes Gespräch ist wohl konstruktiv verlaufen.

Im Ringen um eine Zukunft für die insolvente MV Werften kommt es weiter entscheidend auf den Eigentümer an. Denn die Bundesregierung knüpft ihre Hilfszusagen an die Bedingung, dass der malaysisch-chinesische Hauptgesellschafter Genting sich mit 60 Millionen Euro an der Rettung der Werften beteiligt.

Diese Zusage hat er bisher noch nicht erteilt. Der Insolvenzverwalter hat aber inzwischen ein erstes Gespräch mit Genting geführt, das in "konstruktiver Atmosphäre" stattfand, wie der Hamburger Anwalt Christoph Morgen mitteilte, ohne nähere Einzelheiten zu nennen. Weitere Gespräche seien geplant.

Als Auftraggeber für das in Wismar gebaute Kreuzfahrtschiff "Global Dream" kommt der malaysisch-chinesische Konzern weiterhin als Abnehmer in Frage. Das riesige, knapp 10.000 Passagiere fassende Schiff ist für den chinesischen Markt konzipiert. Es ist zu etwa 75 Prozent fertiggestellt. Allerdings fehlen für den Weiterbau, der über Monate Beschäftigung sichern würde, noch rund 600 Millionen Euro.

Lindner und Habeck beschuldigen Genting

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat den 1900 Beschäftigten die Hilfe der Bundesregierung zugesagt. "Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Wismar, Stralsund und Rostock in dieser schwierigen Lage zu unterstützen und dazu beitragen, ihnen eine Perspektive zu geben", heißt es den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) zufolge in einem Brief Lindners an die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Ines Scheel. 

Lindner betonte laut RND, für das Unternehmen hätten staatliche Hilfen grundsätzlich über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) bereitgestellt werden können. Dies hätte aber zwingend einen Eigenbeitrag des Eigentümers erfordert, was nicht geschehen ist. Auch seien Eigentümer und Gesellschafter nicht bereit gewesen, dem Bund angemessene Sicherheiten zur Minimierung des Ausfallrisikos zu bestellen. "Durch diese Verweigerungshaltung wurde weiteren staatlichen Hilfen die Grundlage entzogen", schrieb der FDP-Politiker und nannte das Verhalten des Eigentümers "sehr bedauerlich".

Zuvor hatte bereits Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) dem Eigentümer der MV Werften vorgeworfen, das Hilfsangebot der Bundesregierung ausgeschlagen zu haben, obwohl Berlin alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, um die Insolvenz der Werften zu vermeiden. Auch Mecklenburg-Vorpommern hat Hilfe für die Werften in Aussicht gestellt. Ministerpräsidentin Schwesig sagte, das Land könne aber nur helfen, wenn dies auch der Bund tue.

Vorsichtiger DGB-Chef

Überraschend zurückhaltend äußerte sich am Morgen der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann. Im Deutschlandfunk sagte er, bei großen Passagierschiffen werde sich erst nach der Pandemie zeigen, ob der Markt gesättigt sei. "Aber es gibt natürlich große Alternativen. Beispielsweise im Gütertransport werden wir auch zukünftig auf Schifffahrt angewiesen sein." Deshalb sei es richtig, dass die IG Metall um den Erhalt der Werften kämpfe.

Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter soll nun ausgelotet werden, inwiefern das in Bau befindliche Kreuzfahrtschiff "Global One" trotz des eröffneten Insolvenzverfahrens noch fertiggestellt werden kann. Ob es darüber hinaus eine Zukunft für die MV Werften mit Standorten in Wismar, Rostock, Stralsund und Bremerhaven geben wird, bleibt abzuwarten. Das Unternehmen mit 1900 Beschäftigten hatte am Montag Insolvenz beantragt. Hintergrund ist, dass das Kreuzfahrtgeschäft durch die Pandemie in die Krise gerutscht ist.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Januar 2022 um 12:11 Uhr.