Weihnachtsfeier Dekoration | picture alliance / Swen Pförtne

Firmen-Reaktion auf Inzidenz Weihnachtsfeiern schüren Sorgen

Stand: 12.11.2021 16:00 Uhr

Die Corona-Infektionszahlen steigen rasant. Welche Folgen hat das für geplante Weihnachtsfeiern in Unternehmen? Gibt es eine Absagewelle? Und welche Chancen bieten Online-Weihnachtsfeiern?

Von Thomas Spinnler, tagesschau.de

Die vierte Corona-Welle hat Deutschland erfasst. Die 7-Tage-Inzidenzwerte erreichten in der vergangenen Woche mehrmals neue Rekordwerte. Die Angst vor einer Ansteckung wächst bei vielen und das Land fragt sich, mit welcher Strategie man der Pandemie nun begegnen sollte.

Das Robert Koch-Institut (RKI) fordert bereits die Rückkehr zu massiven Einschränkungen: Man rate "dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren", heißt es im neuen Wochenbericht.  

Wirtschaftsweise rät von großen Weihnachtsfeiern ab

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer macht sich ebenfalls Gedanken über Einschränkungen und rät Unternehmen zur Absage von großen Weihnachtsfeiern. Sie halte sie in der aktuellen Lage nicht für angebracht, sagte die Ökonomin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "2G mit tagesaktuellem Test wäre eine Überlegung, um kleine Feiern stattfinden zu lassen", räumt Schnitzer ein.

Bei den Unternehmen wird die Frage, wie die Mitarbeitenden gemeinsam Weihnachten feiern können, derzeit breit diskutiert, wie Nils Hirschfeld berichtet. Er ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Eventagentur und Eventvermittlerplattform hirschfeld.de: "Bis vor wenigen Tagen gab es auf organisierte Weihnachtsfeiern einen regelrechten Run", so Hirschfeld gegenüber tagesschau.de. "Wir sind eine B2B-Plattform, die die verschiedenen Anbieter zusammenbringt. Deshalb haben wir einen sehr guten Überblick über den gesamten Markt."   

Der Unternehmer hatte eine signifikante Steigerung der Nachfrage beobachtet: "Das hängt damit zusammen, dass die Menschen einfach das Bedürfnis haben, sich zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Schließlich gab es nach dem Lockdown über Weihnachten im vergangenen Jahr einen riesigen Nachholbedarf." 

Vom Buchungsboom zu den ersten Stornierungen

Das hat sich in den vergangenen Tagen mit der bundesweiten Verschärfung der Pandemielage aber völlig geändert. "Seit etwa zwei oder drei Tagen lässt die Nachfrage nicht nur deutlich nach, es kommen auch die ersten Stornierungen", beobachtet Hirschfeld.

Der Grund ist klar. Auf Weihnachtsfeiern lassen sich enge Kontakte kaum vermeiden, sodass trotz ausgefeilter Hygienekonzepte das Infektionsrisiko steigen dürfte. Damit nimmt auch das Risiko der Unternehmen zu, dass Mitarbeiter erkranken. Was die Zurückhaltung für die Veranstalterbranche bedeute, könne man sich leicht ausmalen, meint der Geschäftsführer: "Es ist ein echtes Schlamassel."

Eine Umfrage, die der Deutsche Hotel- und Gaststättenverbandes vor einigen Tagen unter fast 400 Unternehmern in Nordrhein-Westfalen durchgeführt hat, bestätigt diese Einschätzung: Mehr als zwei Drittel der Gastronomen und Hoteliers gaben an, dass es weniger Buchungen für Weihnachtsfeiern und andere Veranstaltungen im Dezember gebe als 2019.

"Die Verunsicherung wächst"

Dem Großteil der kleinen und mittleren Unternehmen sei bewusst, dass Weihnachtsfeiern, wie wir sie kennen, auch in diesem Jahr nur wieder unter besonderen Umständen stattfinden können, stellt Marc S. Tenbieg, geschäftsführender Vorstand beim Deutschen Mittelstands-Bund (DMB), gegenüber tagesschau.de fest. "Obwohl nahezu alle Unternehmen längst tragfähige und gute Hygienekonzepte umgesetzt haben, können wir in Gesprächen eine steigende Zurückhaltung gegenüber Weihnachtsfeiern feststellen, so Tenbieg. Die Verunsicherung wachse, denn die Sicherheit der Mitarbeiter stehe an oberster Stelle.

Klar sei, dass Großveranstaltungen angesichts der steigenden Infektionszahlen nicht möglich seien. "Weihnachtsfeiern könnten aber auch auf die Teamebene runtergebrochen werden und somit im kleinen Rahmen stattfinden", unterstreicht der DMB-Vorstand.

DAX-Konzene bei Weihnachtsfeiern zurückhaltend

Bei den DAX-Konzernen ist die gemeinsame Weihnachtsfeier ebenfalls Thema. Wie das "Handelsblatt" jüngst bei einer Umfrage ermittelt hat, würden beispielsweise Deutsche Bank, Munich Re, Zalando sowie die Gesundheitskonzerne Fresenius und Fresenius Medical Care nicht auf dem Betriebsgelände feiern. Siemens empfehle von "Feierlichkeiten abzusehen", RWE gehe von einer "geringen Zahl" an Abteilungsfeiern aus.

Laut "Handelsblatt" sollen etwa bei der Allianz, Bayer, Continental, Covestro, Henkel oder Merck Weihnachtsfeste einzelner Abteilungen stattfinden können - natürlich unter Wahrung strenger hygienischer Vorschriften und mit 2G- oder 3G-Nachweis.

Virtuell beisammen sein

Wenn sich die Corona-Lage nicht wieder deutlich entspannt, sieht es danach aus, als müssten viele Beschäftigte die gemeinsamen Weihnachtsfeiern mit den Kollegen also so verbringen, wie ihre Arbeitszeit - vor dem Bildschirm. Das beobachtet auch Hirschfeld: Die Nachfrage nach Online-Weihnachtsfeiern über Videokonferenzen steige wieder. Bei digitalen Veranstaltungen könnten Erinnerungen gesammelt und gemeinsame Erlebnisse geschaffen werden, weiß Tenbieg, der auch den sozialen Aspekt von Weihnachtsfeiern herausstellt.

Bereits im vergangenen Jahr haben viele Unternehmen moderne Varianten virtueller Geselligkeit genutzt. "Da gibt es auch viele Möglichkeiten zusammenzukommen und Spaß zu haben, aber das ist natürlich kein Ersatz für echten menschlichen Kontakt." Ob virtuelles Weihnachten für den Zusammenhalt und die Stimmung des Mitarbeiterteams so förderlich ist, wie ein echtes Weihnachtsfest, bleibt deshalb zumindest zweifelhaft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. November 2021 u.a. um 11:00 Uhr, 12:00 Uhr, 14:00 Uhr und 15:00 Uhr in den Nachrichten.