Johnson & Johnson-Schild "Our History 1886"
Hintergrund

US-Konzern Johnson & Johnson Alles begann mit Verbandsmaterial

Stand: 11.03.2021 14:50 Uhr

Bislang war Johnson & Johnson in Deutschland vor allem für Mundspülungen und Hygieneartikel bekannt. Seit einiger Zeit baut das traditionsreiche US-Unternehmen sein Pharmageschäft nach und nach aus.

Der Ursprung des heute milliardenschweren Konzerns Johnson & Johnson (J&J) liegt im 19. Jahrhundert. Im Jahr 1886 gründeten die Brüder Robert Wood Johnson, James Wood Johnson and Edward Mead Johnson das Unternehmen in New Brunswick im US-Staat New Jersey. Deshalb wirbt der Konzern mit "mehr als 130 Jahre Pflege". Seit dem Jahr 1944 ist J&J börsennotiert.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte der Brüder mit sterilem Wund- und Verbandsmaterial, das sie für Ärzte produzierten, um die hygienischen Zustände zu verbessern. Dabei blieb es nicht. Kurz darauf ergänzten Zahnpflegeprodukte wie Zahnweiß die Produktpalette, Babypflegeprodukte oder Damenbinden kamen dann hinzu.

Johnson & Johnson-Gründer James Wood Johnson

Johnson & Johnson-Gründer James Wood Johnson

Auch frühe kommerzielle Erste-Hilfe-Sets gehen auf Ideen des Unternehmens zurück. Die frühe Ausrichtung auf medizinische Konsumartikel ist noch heute an den Geschäftsbereichen des Konzerns abzulesen.

Arzneimittel sind die erfolgreichste Sparte

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte begann J&J die Expansion auf den Weltmarkt, seit dem Jahr 1973 ist der Konzern in Deutschland tätig. Die Pharmasparte wurde immer wichtiger. Seit Mitte der 1980er-Jahre baute J&J schließlich das Geschäft mit Biotechnologie zunehmend aus.

Heute besteht das Geschäft aus drei Sparten: Konsumgüter, Medizintechnik und Arzneimittel. Zu den Konsumgütern gehören Hautpflegeprodukte und Produkte für die medizinische Alltagspflege. Hierzulande dürften die Listerine-Mundspülung, Tampons von o.b., das Schmerzmittel Dolormin und die Durchfalltabletten Imodium am bekanntesten sein.

Zur Medizintechnik gehören unter anderem die Bereiche Orthopädie und Chirurgie. Das Pharmasegment umfasst neben Immunologie, Herz- und Kreislaufkrankheiten noch Neurowissenschaften und Impfstoffe.

Bereits vor der Corona-Krise war Janssen, die Pharmasparte des Unternehmens, im Bereich Vakzine tätig. Im Juli des vergangenen Jahres ließ die EU einen Ebola-Impfstoff zu. Außerdem arbeitet der Konzern seit langem an einem Impfstoff gegen HIV.

Den größten Anteil am Umsatz hatte im vergangenen Jahr die Sparte Arzneimittel - mit mehr als 45 Milliarden Dollar. Die Medizintechnik erwirtschaftete Erlöse in Höhe von rund 23 Milliarden Dollar, bei den Konsumgütern waren es 14 Milliarden. Der Konzern wirbt damit, mit seinen Produkten erreiche er nahezu jeden Haushalt und Verbraucher in allen Lebensphasen.

Verwickelt in die Opioid-Krise

In den vergangenen Jahren stand J&J zusammen mit anderen Gesundheitskonzernen im Blickpunkt der sogenannten Opioid-Krise in den Vereinigten Staaten. Nach Daten der US-Regierung sind in den Jahren 1999 bis 2018 etwa 450.000 Menschen durch eine Überdosis an Schmerzmitteln ums Leben gekommen. Der Vorwurf lautete, dass die Unternehmen die Suchtgefahren der Opioide aus Profitstreben gegenüber den Patienten verschleiert hätten.

J&J und drei weitere beteiligte Pharmakonzerne haben im November einer Zahlung von insgesamt 26 Milliarden Dollar zugestimmt. Die wirtschaftlichen Gesamtkosten der Krise sollen Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2040 mehr als 2000 Milliarden Dollar betragen.

Global tätiger Konzern

Im Jahr 2020 erzielte J&J einen Umsatz von fast 83 Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 14,7 Milliarden Dollar. Der aktuelle Börsenwert des Konzerns, der rund 130.000 Mitarbeiter beschäftigt, beträgt rund 420 Milliarden Dollar.

Johnson & Johnson-CEO Alex Gorsky

Johnson & Johnson-CEO Alex Gorsky

Das ist mehr, als die Konkurrenten Pfizer und Novartis zusammen wert sind. Aktuell kostet eine Aktie knapp 160 Dollar, im Verlauf der vergangenen zehn Jahre hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Größter Einzelaktionär ist der Finanzdienstleister Vanguard Group, der über seine Aktienfonds etwas mehr als acht Prozent am Konzern hält.

J&J ist in insgesamt 60 Ländern in 275 Gesellschaften tätig. In Deutschland arbeiten rund 4000 Mitarbeiter für das Unternehmen.