Herbert Diess | dpa

Machtkampf bei VW Diess bleibt, aber mit neuer Rolle

Stand: 09.12.2021 16:05 Uhr

Nach allerlei Gemunkel gibt es nun Klarheit: Herbert Diess bleibt Vorstandsvorsitzender bei Volkswagen. Das entschied der Aufsichtsrat. Diess muss aber etwas Macht abgeben und erhält einen neuen Aufgabenschwerpunkt.

Nach einem mehrwöchigen Machtkampf mit Teilen des Aufsichtsrats soll VW-Konzernchef Herbert Diess sein Amt behalten. Diese Entscheidung geht allerdings mit einem Umbau im Vorstand einher. Diess selbst kümmert sich demnach künftig vor allem um strategische Themen in der größten europäischen Autogruppe, etwa die neue Software-Sparte Cariad. Auch die Steuerung der besonders erfolgreichen VW-Produktlinien soll der Vorstandsvorsitzende behalten. Er büßt damit nicht ganz so viel an Einfluss ein, wie Insider zuvor vermutet hatten.

Brandstätter leitet China-Geschäft

Zusätzlich wird im neuen Jahr der Leiter der Kernmarke Volkswagen, Ralf Brandstätter, in den Vorstand aufrücken, teilte der Konzern nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Brandstätter wird von August 2022 an das wichtige und zuletzt deutlich schwächere China-Geschäft verantworten, das bisher Diess zugeordnet war.

Die Zuständigkeit für die Hauptmarke VW Pkw im Konzernvorstand soll dann Skoda-Chef Thomas Schäfer übernehmen. Den Entscheidungen waren Spekulationen über Diess' Zukunft vorausgegangen. Die gefundene Mischlösung soll nun ein Kompromiss sein.

Zudem wurden zwei weitere wichtige Personalien beschlossen. Zum 1. Februar wird Hauke Stars als Vorständin für das neu geschaffene Ressort IT und Organisation ins Spitzengremium einziehen. Für den Bereich Vertrieb sitzt die Audi-Managerin Hildegard Wortmann im Vorstand. Damit steigt die Zahl der Mitglieder auf elf.

Affront gegen den Betriebsrat

Seit Ende September war die Lage bei VW äußerst angespannt. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch musste intensiv zwischen allen Beteiligten vermitteln. Diess hatte Betriebs- undAufsichtsrat durch Überlegungen über einen möglichen Abbau von Zehntausenden Arbeitsplätzen brüskiert.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo griff Diess darauf öffentlich scharf an. Auch das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Anteilseigner hatte angedeutet, nicht mehr voll hinter dessen Kommunikationskurs zu stehen. Die Porsche- und Piech-Familie stellten sich als Mehrheitseigner nach Informationen des NDR aber hinter den VW-Chef.

VW stockt Investitionen auf

Analysten äußerten sich erleichtert, dass der wochenlange Machtkampf zwischen Konzernchef und Betriebsrat nun beigelegt sein könnte. Betriebsratschefin Cavallo schrieb in einem Brief an die Beschäftigten, mit den jüngsten Personalentscheidungen des Aufsichtsrats sollte nun wieder mehr Ruhe einkehren.

Obwohl Diess einen Machtverlust in Kauf nehmen muss, kann er trotzdem die Transformation des Wolfsburger Autokonzerns vorantreiben: Der Aufsichtsrat segnete mit dem Betriebsrat ein knapp 160 Milliarden Euro schweres Budget für die kommenden fünf Jahre ab. Diess will vor allem im Wettstreit mit Tesla und den Konkurrenten aus China aufschließen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Dezember 2021 um 16:00 Uhr.