Der Schriftzug des Wohnungsunternehmens «Vonovia» leuchtet an der Firmenzentrale | picture alliance/dpa

Mögliche Mieterhöhung SPD und IG Bau kritisieren Vonovia

Stand: 05.06.2022 15:03 Uhr

Die hohe Inflation könnte sich nach Einschätzung von Deutschlands größtem Immobilienunternehmen Vonovia auch auf das Mietpreisniveau durchschlagen. Beim Mieterbund, der IG Bau und der SPD sorgt die Äußerung für Kritik.

Nach den Äußerungen zu möglichen Mieterhöhungen beim Wohnungskonzern Vonovia reißt die Kritik an dem Unternehmen nicht ab. Eine Anhebung der Mieten sei derzeit "absolut unverantwortlich", sagte SPD-Chef Lars Klingbeil den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) sprach von einer "inflationären Unverschämtheit" von Deutschlands größtem Vermieter.

Vonovia: Keine konkrete Ankündigung

Der Vonovia-Vorstandsvorsitzende Rolf Buch hatte im Interview mit dem "Handelsblatt" gesagt: "Wenn die Inflation dauerhaft bei vier Prozent liegt, müssen auch die Mieten künftig jährlich dementsprechend ansteigen." Buch hatte dabei auf die Frage "Worauf müssen sich die Mieter der 500.000 Wohnungen von Vonovia einstellen?" geantwortet.

Eine Vonovia-Sprecherin betonte, dass es bei den Äußerungen um die wirtschaftliche Entwicklung gehe und nicht um eine konkrete Ankündigung. Der Bochumer Immobilienriese besitzt rund 565.000 Wohnungen, überwiegend in Deutschland.

SPD-Linke fordern staatliche Eingriffe

Angesichts der Einschätzung von Buch betonte SPD-Chef Klingbeil: "Wir sind gerade gefordert, als Land in dieser schwierigen Situation zusammenzustehen." Dies sei eine nationale Anstrengung. "Wenn Vonovia aber in dieser Lage darüber nachdenkt, wie es seinen Profit noch weiter steigern kann, stellt sich das Unternehmen ins Abseits", unterstrich der Parteivorsitzende.

Unterdessen wollen Vertreter des linken Flügels der SPD Mieter mit staatlichen Eingriffen vor inflationsbedingten Mieterhöhungen schützen. "Vonovia und andere Immobilienkonzerne zeigen regelmäßig, dass sie vor allem Dollarzeichen in den Augen haben und völlig verantwortungslos agieren", sagte der Co-Vorsitzende des Forums Demokratische Linke in der SPD (DL21), Sebastian Roloff, dem "Handelsblatt".

Wohnen sei aber "eine der sozialen Fragen unserer Zeit". Deshalb müsse der Staat eingreifen, wenn der Markt erheblich im Ungleichgewicht sei: "Ein temporärer Mietenstopp, ein kommunales Vorkaufsrecht und eine Entprivatisierung von Immobilienkonzernen sind dafür notwendige und geeignete Mittel, die jetzt geboten sind."

Die Bundesvorsitzende der Jusos, Jessica Rosenthal, sagte dem "Handelsblatt": "Wohnen ist ein Menschenrecht und darf niemals zum Gegenstand von Spekulationen werden." Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki warnte in der Zeitung hingegen vor einer Intervention. "Die Verstaatlichung von Immobilienkonzernen schafft keine einzige Wohnung, sondern führt nur dazu, dass der knappe Wohnraum in andere Hände überführt wird."

"Vonovia macht Mieter zu Sonderopfern der Inflation"

IG Bau-Chef Robert Feiger sagte den Funke-Zeitungen: "Vonovia macht die Mieter zu Sonderopfern der Inflation." Die Ankündigung ziele auf eine Gewinnmaximierung auf Kosten der Mieter. Gerade Vermieter müssten dazu beitragen, den sozialen Frieden zu wahren. "Einen Fehler muss Deutschland jetzt vermeiden: Großvermieter dürfen die Inflation nicht weiter anheizen", mahnte Feiger: "Sie dürfen nicht über die Mietschraube weiter an der Inflationsspirale drehen."

Auch der Präsident der Eigentümergemeinschaft Haus und Grund, Kai Warnecke, erklärte, "nicht alle Kostenpositionen entwickeln sich parallel zur Inflation". Es gebe "keinen Automatismus", dass die Mieten bei höherer Inflation auf breiter Front steigen müssten.

In den vergangenen Tagen hatten bereits Sozialverbände und der Deutsche Mieterbund Kritik an Vonovia geübt. "Dass Mieterinnen und Mieter für den eingebrochenen Aktienkurs von Vonovia und höhere Zinsen am Kapitalmarkt herhalten müssen, zeigt, dass die Geschäftsmodelle börsennotierter Wohnungskonzerne unsozial und spekulativ sind", hatte Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten erklärt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Juni 2022 um 10:23 Uhr.