Schild vor der Vonovia-Firmenzentrale | dpa
Hintergrund

Gescheiterter Übernahmeversuch Vonovia und Deutsche Wohnen - war's das?

Stand: 26.07.2021 15:12 Uhr

Die größte Übernahme im deutschen Immobiliensektor ist erneut gescheitert. Nach der schweren Schlappe hat Vonovia nun vier Möglichkeiten. Anleger spekulieren indes auf den nächsten Anlauf.

Von Detlev Landmesser, tagesschau.de

Nach einer ersten Ankündigung am Freitag hat Vonovia die Übernahme der Deutsche Wohnen nun offiziell für gescheitert erklärt. Der Bochumer Wohnungskonzern hat nur 47,6 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien eingesammelt und das Ziel 50 Prozent damit verfehlt. Schon vor fünf Jahren hatte der deutsche Marktführer vergeblich versucht, den Branchenzweiten aus Berlin zu übernehmen.

In der anstehenden nächsten Runde des strategischen Pokers am deutschen Wohnungsmarkt lässt sich Rolf Buch nicht in die Karten schauen. Der Vonovia-Chef hat aber einen neuen Anlauf nicht ausgeschlossen. Auch wenn die bereits angedienten Aktien wieder zurückgebucht werden müssen, bleibt Vonovia mit 18,36 Prozent der Anteile weiterhin der größte Aktionär von Deutsche Wohnen.

Kritik an den Hedgefonds

Wie könnte es nun weitergehen? Grundsätzlich bleiben Vonovia vier Handlungsoptionen. Neben der Beibehaltung des Status Quo, also dem Nichtstun, könnte der Wohnungsriese seinen Anteil am Konkurrenten abstoßen. Das würde nicht zuletzt die Hedgefonds, die schätzungsweise rund ein Drittel der Papiere halten, schwer treffen. Buch hatte deren Hinhaltetaktik für das Scheitern der Offerte verantwortlich gemacht. Aber ein Aktienpaket mit einem Volumen von rund 3,4 Milliarden Euro zu verkaufen, ist eine schwierige und langwierige Transaktion.

Vonovia könnte drittens versuchen, über den Markt weitere Aktien des DAX-Wettbewerbers hinzuzukaufen - ebenfalls eine langwierige und diffizile Aufgabe.

Neue Offerte in wenigen Wochen?

Aber auch eine neue öffentliche Offerte wäre möglich, sofern die Finanzaufsicht BaFin und der Deutsche-Wohnen-Vorstand zustimmen. Bliebe die Zustimmung aus, müsste Vonovia gemäß dem Übernahmegesetz zwölf Monate warten, bevor der Konzern ein neues Übernahmeangebot startet.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ist das Management von Deutsche Wohnen weiterhin offen für einen Zusammenschluss. "Beide Vorstandschefs wollen die Übernahme noch immer und suchen eine Lösung", zitierte Reuters eine mit der Situation vertraute Person. Ein weiterer Insider sagte der Agentur: "Die Deutsche Wohnen will diesen Deal - aber dann muss es auch sicher klappen." Eine neue Vereinbarung zwischen den Konzernen könne binnen weniger Wochen stehen.

Immerhin hatte Vonovia schon am Freitag nochmals die industrielle Logik eines Zusammenschlusses betont. Am Montag bekräftigte der Berliner Senat sein Interesse, 20.000 Wohnungen von den Immobilienunternehmen zu kaufen. Darüber hatten sich Vonovia und Deutsche Wohnen bereits für den Fall einer Übernahme mit dem Bundesland geeinigt. Der Verkauf des Wohnungspakets würde einem fusionierten Konzern nach der teuren Transaktion wieder mehr Handlungsspielraum verschaffen.

Weiteres Angebot würde teurer

Die Anleger setzen denn auch auf einen neuen Anlauf der Bochumer. Die Aktie der Deutsche Wohnen kletterte heute nach ersten Verlusten sogar an die Spitze der Tagesgewinner im Leitindex DAX. Die Marktteilnehmer spekulieren darauf, dass Vonovia für ein neues Angebot mehr Geld auf den Tisch legen muss, um nicht ein drittes Mal zu scheitern. Eine erneute Schlappe würde einen schweren Reputationsverlust für das Unternehmen und sein Management bedeuten. "Es ist klar, dass dafür eine neue und höhere Offerte vorgelegt werden müsste", kommentierte Analyst Kai Klose von der Berenberg Bank am Montag. "Vonovia sollte es noch einmal versuchen."

Trotz seiner kostspieligen und demütigenden Schlappe behält der Branchenprimus weiter das Heft des Handelns in der Hand: "Es ist alles möglich. Wir können nichts tun, wir können kaufen, wir können verkaufen. Aber jetzt müssen wir eine saubere Analyse machen, wie es weitergeht", sagte Vonovia-Chef Buch der Agentur Reuters.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. Juli 2021 um 14:15 Uhr.