Schriftzug der Deutsche Wohnen an einer Fassade | dpa

Deutsche Wohnen-Übernahme Vonovias letzter Versuch

Stand: 23.08.2021 13:35 Uhr

Der Immobilienkonzern Vonovia startet bei der geplanten Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen den dritten Versuch. Das leicht verbesserte Angebot sei das letzte, betonte Vonovia-Chef Rolf Buch.

Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia beginnt den wohl finalen Anlauf, um den kleineren Konkurrenten Deutsche Wohnen zu übernehmen. Seit heute könnten die Aktionäre der Deutsche Wohnen das Angebot von 53 Euro je Titel über ihre Depotbank annehmen und ihre Aktien andienen, teilte der DAX-Konzern mit. Damit wäre Deutsche Wohnen insgesamt 19 Milliarden Euro wert. Die Angebotsfrist ende voraussichtlich am 20. September um 24 Uhr.

Grünes Licht der BaFin

Vonovia war im vergangenen Monat mit einer Offerte für die Nummer zwei auf dem deutschen Wohnungsmarkt in Höhe von 52 Euro je Anteilsschein knapp an der Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent gescheitert, weil sich viele Aktionäre offenbar ein besseres Angebot erhofften. Auch das neue Angebot hat eine Mindestannahmequote von 50 Prozent zum Ziel.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte Vonovia zuvor von der eigentlich gesetzlich vorgesehenen einjährigen Sperrfrist für ein neues Angebot befreit.

"Das letzte Angebot"

Vonovia bekräftigte, dass es ein weiteres Übernahmeangebot nicht geben werde: "Wir haben verbindlich, klar und unwiderruflich erklärt, dass dies das letzte Angebot ist", sagte Vonovia-Chef Rolf Buch. Der Bochumer Konzern besitzt bereits knapp 30 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile.

Rolf Buch  | picture alliance/dpa

Vonovia-Chef Rolf Buch betont, dass es das letzte Angebot an die Aktinonäre der Deutsche Wohnen sei. Bild: picture alliance/dpa

Für den Fall, dass das Angebot erneut an der Mindestannahmeschwelle scheitert, soll das so bleiben: "Wir werden die rund 1000 Aktien nicht kaufen, mit denen wir die Schwelle von 30 Prozent überspringen", unterstrich Buch. Oberhalb dieser Schwelle müsste Vonovia der Deutsche Wohnen ein Pflichtangebot unterbreiten.

Buch macht Druck

Um die Anleger zur Annahme des Angebots zu bewegen, kündigte Buch an, dass vor allem Kleinanlegern klar sein müsse, dass es in Zukunft keine Ausschüttungen der Deutsche Wohnen mehr geben werde: "Vonovia wird sich als Mehrheitsaktionär der Deutsche Wohnen dafür einsetzen, dass die Deutsche Wohnen keine Dividenden mehr auszahlt." Wer die Aktie nicht andiene, sitze auf einem Papier, das über Jahre keine Dividende ausschütten werde.

Buch ist überzeugt, dass die Übernahme dieses Mal gelingen werde, denn Vonovia hat sich Optionen auf 0,93 Prozent der Anteile des Berliner Konkurrenten gesichert. "Diese Aktien können am Ende des Prozesses genutzt werden, um uns über die Schwelle von 50 Prozent zu heben", sagte Buch.

"Wer die Transaktion will - und ich glaube, dass der Markt sie will - sollte möglichst schnell möglichst viel andienen, damit wir die 50 Prozent erreichen", appellierte er an die Investoren.

Im Interesse der Bevölkerung?

Der Vorstandschef hatte anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen am 6. August geschätzt, dass Hedgefonds und kurzfristige Anleger knapp 50 Prozent der Aktien der Deutsche Wohnen halten. Weitere 20 Prozent seien im Besitz von Indexfonds.

Die Deutsche Wohnen habe inzwischen überwiegend kurzfristig orientierte Aktionäre, hatte Buch seinerzeit gesagt. Eine solche Aktionärsstruktur vertrage sich nicht mit der Wohnungswirtschaft. "Wohnungsunternehmen eignen sich nicht für kurzfristige Spekulationen". Deshalb sei ein Erfolg des neuen Vonovia-Übernahmeangebots "auch im Interesse der gesamten deutschen Bevölkerung".

Wehrhafter gegen staatliche Eingriffe?

Kritiker hingegen befürchten, dass durch die Fusion eine übergroße Marktmacht auf dem deutschen Wohnungsmarkt entstehen könne. Den beiden im Leitindex DAX notierten Großvermietern gehören zusammen 550.000 Wohnungen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro, der größte Teil davon in Deutschland.

Das Bundeskartellamt hatte den geplanten Zusammenschluss der Immobilienkonzerne allerdings freigegeben. "Die gemeinsamen Marktanteile der Unternehmen rechtfertigen keine wettbewerbsrechtliche Untersagung", hatte Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärt.

Branchenfachleute vermuten ohnehin, dass die Fusion aus politischen Gründen angestrebt werde. Je mehr Unternehmen sich zusammenschließen würden, umso robuster könnten sie gegen Mietpreisregulierungen und andere Markteingriffe des Staates auftreten, meint Michael Voigtländer, Immobilienmarkt-Experte beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW).

Ob der Markt die Transaktion will, wie Buch behauptet, ist nicht sicher. Der aktuelle Kurs der Deutsche-Wohnen-Aktie liegt bei rund 52,6 Euro, sodass Anleger, die das Angebot heute annähmen, nur einen geringen Aufschlag kassieren würden. Die Titel von Vonovia liegen mit einem Minus von mehr als einem Prozent am DAX-Ende.     

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. August 2021 um 14:00 Uhr.