Schild vor der Vonovia-Firmenzentrale | dpa

Annahmeschwelle fällt weg Vonovia macht Weg für Übernahme frei

Stand: 14.09.2021 10:03 Uhr

Der Fusion der beiden größten privaten deutschen Immobilienkonzerne steht nichts mehr im Weg: Vonovia will die Deutsche Wohnen nun auch übernehmen, wenn Aktionäre dem Unternehmen weniger als die Hälfte der Anteile andienen.

Im zweiten Anlauf will Vonovia den Konkurrenten Deutsche Wohnen nun endgültig schlucken. Dafür verzichtet der Wohnungskonzern nach einer Mitteilung von gestern Abend auf die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile.

Damit wird aller Voraussicht nach ein Konzern mit mehr als einer halben Million Wohneinheiten entstehen. Vonovia besitzt in Deutschland, Österreich und Schweden rund 414.000 Wohnungen, davon allein in Deutschland 354.000 Wohneinheiten. Die Deutsche Wohnen ist der größte Privatvermieter in der Hauptstadt: Rund 114.000 der insgesamt mehr als 155.000 Wohnungen stehen im Großraum Berlin.

Zwei Wochen mehr Zeit

"Vonovia verzichtet beim freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot für die Aktien der Deutsche Wohnen auf alle Angebotsbedingungen", teilte Vonovia mit. Damit entfällt auch die Mindestannahmeschwelle. Bislang hatte Vonovia-Chef Rolf Buch eine Annahmeschwelle von mindestens 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktien zur Bedingung einer Übernahme gemacht. Gleichzeitig wird die ursprünglich am 20. September 2021 auslaufende Annahmefrist um zwei Wochen verlängert und endet nun am 4. Oktober 2021. Die Deutsche Wohnen-Aktionäre haben also mehr Zeit, die Anteilsscheine anzudienen. "Die Transaktion kann nicht mehr an Bedingungen scheitern", so Buch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Von der Deutsche Wohnen gab es bereits Zustimmung zum Wegfall der Übernahmeschwelle. Es gebe für die Deutsche Wohnen keine triftigen Gründe, ihre Zustimmung zum Verzicht auf die Mindestannahmeschwelle zu verweigern, hieß es vom ebenfalls im Leitindex DAX notierten einstigen Konkurrenten.

Erster Anlauf gescheitert

Ende Juli war Vonovia mit einem ursprünglichen Übernahmeangebot für die Deutsche Wohnen knapp an der Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent gescheitert. Dem Konzern wurden dabei nur 47,62 Prozent der Aktien der Deutsche Wohnen angeboten. Vorstandschef Rolf Buch hatte Hedgefonds für das Scheitern der Milliardentransaktion verantwortlich gemacht. Für den neuen Anlauf erhöhte er Anfang August das Angebot um einen Euro auf 53 Euro je Aktie.

Nach eigenen Angaben dürfte Vonovia der 50-Prozent-Schwelle aber in den kommenden Wochen sehr nahe kommen oder sie sogar überschreiten. Denn der Konzern hat sich nach eigenen Angaben bereits insgesamt mehr als 40 Prozent an dem Berliner Konkurrenten gesichert. Außerdem haben die beiden Konzerne vereinbart, dass die Deutsche Wohnen im Falle einer Streichung der Mindestannahmeschwelle eigene Aktien an Vonovia verkauft. Damit fällt knapp ein Prozent der Anteilsscheine an die Bochumer. Dazu kommen weitere 5,17 Prozent, die Vonovia aus einer Kapitalerhöhung zukommen.

Mehrheit bei Hauptversammlungen

Rund 30 Prozent der Deutsche Wohnen hatte sich Vonovia bereits in den vergangenen Monaten gesichert. Konzernchef Buch kann sich einer Mehrheit bei den Hauptversammlungen der Deutsche Wohnen damit bereits sicher sein. Wichtige Entscheidungen über die Zukunft des fusionierten Unternehmens können damit durchgesetzt werden. Zudem kann Vonovia weitere Aktien über den Markt kaufen.

Dividenden soll die Deutsche Wohnen dann auf absehbare Zeit nicht mehr zahlen, bekräftigte er. Denn bei der Deutschen Wohnen stehen große Investitionen an, etwa für die energetische Sanierung von Gebäuden. An der Börse reagierten die Aktien beider Unternehmen am Abend im außerbörslichen Handel dennoch leicht positiv auf die Nachricht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. September 2021 um 09:37 Uhr.